Krise der Autobauer
Überkapazitäten und Neuwagenhalden in Detroit

Die Milliardenverluste von Ford, General Motors (GM) und Chrysler auf dem US-Markt sind zu einem großen Teil hausgemacht und selbst verschuldet. Die drei großen Automobilbauer kämpfen mit gigantischen Überkapazitäten und riesigen Neuwagenhalden. Diese stehen rasch schrumpfenden US-Marktanteilen gegenüber. Viel zu spät sind sie zur Einsicht gekommen, dass die benzinfressenden großen Pickups und Geländewagen angesichts verdoppelter Treibstoffpreise bei den Amerikanern nicht mehr gut ankommen.

HB NEW YORK. Das ganze Ausmaß der Krise wurde offensichtlich in den jüngsten Ankündigungen von Ford und Daimler-Chrysler. Zugleich kämpfen GM, Ford und Chrysler mit einer immer erfolgreicheren Konkurrenz japanischer, südkoreanischer und europäischer Anbieter. Toyota, Honda, Nissan und die koreanische Hyundai mit ihren qualitativ hochwertigen und rasch dem sich wandelnden Käufergeschmack angepassten Modellen nehmen Detroit immer mehr Kunden ab. Ford und GM hatten auch auf die Luxuswagenoffensive aus Europa mit BMW, Mercedes-Benz, Audi und Porsche kaum etwas entgegenzusetzen. Ford verliert sogar mit der Luxusmarke Jaguar Milliarden.

An der Börse ist Toyota dank seiner zum erheblichen Teil in den USA verbuchten Milliardengewinne längst die unumstrittene Nummer eins. Toyota wird inzwischen an der Börse mit rund 192 Mrd. Dollar bewertet. GM bringt es gerade mal auf 18 Mrd. Dollar, Ford auf 15 Mrd. Dollar, während DaimlerChrysler auf 50,5 Mrd. Dollar kommt.

Der US-Marktanteil von GM, Ford und Chrysler war von über 80 Prozent in den achtziger Jahren in den ersten acht Monaten 2006 bei einem Gesamtabsatz von 6,2 Mill. Autos auf nur noch 54 Prozent eingebrochen. Die Japaner haben im Januar-August-Zeitraum hier 3,9 Mill. Autos verkauft (34,5 Prozent US-Marktanteil). Die europäischen Anbieter brachten es auf rund 760 000 Autos (6,7 Prozent) und die Koreaner auf 520 000 Stück (4,6 Prozent). Bald treten auch chinesische Anbieter im US-Markt an.

Toyota hat mit einem US-Marktanteil von 15,0 Prozent Chrysler (13) bereits vom dritten Platz verdrängt und wird auch Ford (17) in diesem oder im kommenden Jahr überholen. Toyota, der Schrecken Detroits, wird dann noch stärker zum Branchenführer GM (25) aufschließen.

Chrysler und Ford machten bisher rund zwei Drittel ihres US- Geschäfts mit Pickups, Geländewagen und Minivans. Bei GM ist der Anteil etwas geringer. Die Japaner holen aber auch bei den bisherigen Detroit-Gewinnträgern, den Geländewagen und Pickups, mit einer beispiellosen Modellinitiative ständig stärker auf.

Die Automobilarbeitergewerkschaft UAW setzte in Detroit jahrzehntelang immer höhere Konzessionen durch und sogar die Weiterbezahlung von Arbeitern wenn für sie keine Arbeit vorhanden ist. Das Heer von Rentnern der drei Autoriesen aus den guten alten Zeiten muss von einer ständig schrumpfenden Zahl von Mitarbeitern unterstützt werden. Hiervon sind die japanischen und europäischen Anbieter mit ihren zahlreichen US-Autofabriken nicht belastet. Sie beschäftigen jüngere Arbeiter, sind überwiegende im Süden der USA angesiedelt und haben keine Gewerkschaftspräsenz. „Nur in Detroit werden Leute bezahlt, um nicht zu arbeiten. Nur in Detroit werden zu viele Pkw und Trucks gebaut und mit Verlusten verkauft, um die Werke in Gang zu halten“, kommentierte die „Detroit News“ am Samstag.

Nun wollen die drei Autogiganten mit drastischen Restrukturierungen, weiteren Kostensenkungen und mit einer neuen Modelloffensive den Umschwung schaffen. GM und Ford wollen mehr als zwei Dutzend Werke schließen und insgesamt rund fast 80 000 Mitarbeiter nach Hause schicken. Chrysler hat noch nicht genau präzisiert, welche Aktionen das Unternehmen zur Begrenzung der enormen Überproduktion und zur Eingrenzung der jüngsten Milliardenverluste plant.

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