Kühlerschmuck: Fußgänger erlegt Jaguar

Kühlerschmuck
Fußgänger erlegt Jaguar

Fußgängerschutz ist nicht nur heute eines der wichtigsten Kriterien bei der Gestaltung einer Motorhaube. Vor 55 Jahren musste selbst eine Ikone des Kühlerschmucks den Sicherheitsbedenken weichen.
  • 0

KölnIn den Anfangstagen des Autos war die schmucke Galionsfigur an der Front als reine Zierde gedacht. Gekauft wurden sie in der Regel nach eigenem Geschmack bei einem Teilehändler oder Zulieferer. Mystische Gottheiten, tanzende Elefanten oder auch simple Streichholzschachteln waren keine Seltenheit.

Erst zu Beginn der 1920er-Jahre begannen die Hersteller, sie auch als Markensymbol und Erkennungszeichen zu nutzen – dann aber direkt konsequent. Auch als die Kühler Mitte der 30er-Jahre unter die Motorhaube wanderten, hielten einige Hersteller an den kleinen Kunstwerken fest.

Zu den bekanntesten Figuren zählte der Leaper, Jaguars Logo-Tier, das seit den 40er-Jahren die Fronthaube der britischen Sportwagen und Limousinen zierte. Heute weniger bekannt sind der Opel-Zeppelin oder der Düsenjäger von Oldsmobile. Sie alle mussten 1959 verschwinden, da immer mehr Fußgänger durch die teilweise spitzen und kantigen Zierteile verletzt wurden.

Betroffen waren auch die scharfkantigen Lichtschirme an Scheinwerfern, Flügelmuttern an den Radverschlüssen und der sogenannte „Wirbulator“. Das Nachrüst-Teil aus Kunststoff oder einem Netzgewebe sollte für einen Luftstrom sorgen, der Schmutz und Insekten an der Windschutzscheibe vorbeileitet.

Einzig der Mercedes-Stern durfte bleibe, da er schon seit 1957 mit einer Feder ausgestattet war, die das Abknicken bei einem Fußgängerunfall ermöglichte. Auch andere Hersteller zogen nach und entwickelten ungefährliche Varianten ihrer Markenzeichen.

Bei Rolls-Royce etwa verschwindet die „Spirit of Ecstasy“ genannte Figur bei der leisesten Berührung im Rahmen des Kühlergrills. Gleichzeitig ein effektiver Diebstahlschutz – auf den Mercedes nur neidvoll blicken konnte, war ein geklauter Stern doch vor allem in den 80er-Jahren eine beliebte Trophäe junger Punks.

Bei Jaguar hat der Leaper mittlerweile keinen Platz mehr. Auf dem Kühlergrill der fünf in Deutschland erhältlichen Modelle prangt längst eine runde Plakette mit dem Jaguar-Kopf. Zum modernisierten Stil der Marke würde eine Kühlerfigur wohl auch nicht mehr passen.

Kommentare zu " Kühlerschmuck: Fußgänger erlegt Jaguar"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%