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Landstraßen bergen viele Unfallgefahren

Die zweispurige Straße schlängelt sich in leichten Kurven durch die Landschaft. Links und rechts erstrecken sich Felder und Wiesen, nur wenige Autos sind unterwegs.

dpa/gms BERGISCH GLADBACH/MÜNCHEN. Die zweispurige Straße schlängelt sich in leichten Kurven durch die Landschaft. Links und rechts erstrecken sich Felder und Wiesen, nur wenige Autos sind unterwegs.

Außerhalb der Städte herrschen nach Meinung vieler Autofahrer nahezu ideale Bedingungen. Doch der Eindruck trügt: Die vermeintliche Fahr-Idylle der Landstraßen birgt viele Gefahren.

So starben laut Kai Assing von der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) in Bergisch Gladbach im Jahr 2003 von 6 613 im Straßenverkehr getöteten Menschen 4 156 bei Unfällen auf Landstraßen. Hoch ist auch die Zahl der Schwerverletzten: Von insgesamt 85 577 verunglückten laut Assing 37 912 auf Landstraßen.

Während die Gesamtzahl der Verkehrstoten seit Jahren stetig zurückgeht, verzeichnen die Unfallforscher auf Landstraßen nur einen unterdurchschnittlichen Rückgang. So nahm die Zahl der bei Autobahnunfällen Getöteten von 1991 bis 2003 um 47 Prozent ab, die Anzahl der auf Landstraßen Getöteten um 35,1 Prozent.

Die vergleichsweise große Schwere vieler Landstraßenunfälle erklärt Assing mit den dort gefahrenen hohen Geschwindigkeiten. Zudem stehen dort oft Hindernisse direkt neben der Fahrbahn - zum Beispiel Bäume -, mit denen Verkehrsteilnehmer kollidieren. Weitere Risiken sieht Assing in Straßenkreuzungen und im entgegenkommenden Verkehr.

So ermittelte die Polizei im Jahr 2003 bei 35 Prozent aller Landstraßenunfälle „nicht angepasste Geschwindigkeit“ als Hauptursache. 39 Prozent der Landstraßenunfälle mit Personenschaden wurden als „Fahrunfälle“ eingestuft, bei denen der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verloren hatte.

Doch dies ist laut dem Kölner Unfallforscher Dieter Ellinghaus den Fahrern weitgehend unbekannt: In Umfragen sei „massive Unkenntnis“ bezüglich der Frage festgestellt worden, wo die meisten Menschen im Straßenverkehr zu Tode kommen. „Kraftfahrer verbinden mit dem Fahren auf Landstraßen vor allem positive Emotionen.“

Hubert Paulus vom Adac-Technikzentrum in Landsberg (Bayern) weist darauf hin, dass sich ein großes Risiko auch durch den schlechten Zustand vieler Landstraßen und vor allem ihrer Bankette ergibt. Diese seien oft so tief ausgefahren, dass Autos mit den rechten Rädern regelrecht darin versacken können, wenn sie in die Bankette geraten.

„Aus Unachtsamkeit kommt der Autofahrer von der Fahrbahn ab, gerät ins Bankett, erschrickt, weil er in Schräglage gerät, und steuert abrupt gegen“, erläutert Paulus. Dadurch springt das eingeschlagene rechte Vorderrad über die Bankettkante. „Das Auto schießt dann quer über die Straße.“ Oft knallen Betroffene frontal in den Gegenverkehr.

Umso wichtiger ist die Reaktion: Das Lenkrad sollte festgehalten und das Auto kontrolliert abgebremst werden. Eine Kollision mit Leitpfosten sei in Kauf zu nehmen: „Die knicken einfach um“, sagt Paulus - immer noch besser, als wegen hektischer Manöver einen Crash mit anderen Autos oder Bäumen zu riskieren. Der Wagen dürfe erst wieder auf die Straße gelenkt werden, nachdem das Tempo verringert worden ist. Noch besser ist jedoch die Vorbeugung: sich bei Landstraßen-Fahrten gar nicht erst ablenken zu lassen.

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