Landwind X7 ärgert Range Rover
China-Evoque aus dem Copy-Shop

Die Kopier-Wut der chinesischen Automobilhersteller schien zuletzt etwas nachgelassen zu haben. Auf der Guangzhou Motor Show hat nun aber wieder ein besonders dreister Fall von Doppelgängertum für Aufregung gesorgt.
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Original und Fälschung stehen Wand an Wand: Während Range Rover auf der Automesse Mitte November im südchinesischen Guangzhou die Premiere des gemeinsam mit dem lokalen Hersteller Chery gebauten Evoque feiert, präsentiert Landwind eine Halle weiter eine nahezu identische Kopie des edlen Kompakt-SUV.

Der Landwind X7 ist zwar fünf Zentimeter länger, gleicht dem britischen Vorbild ansonsten aber äußerlich wie ein Ei dem anderen: die gleiche bullige Front, die identischen abgesetzten Kotflügel und der exakt nachmodellierte Verlauf des schwebend wirkenden Daches.

Dem britischen Auto Car Magazine zufolge will Jaguar Land Rover-Chef Ralf Speth offiziell gegen den chinesischen Autohersteller Landwind wegen Diebstahl geistigen Eigentums vorgehen.

Auch im Innenraum haben sich die Chinesen mehr als nur inspirieren lassen und das Cockpit originalgetreu nachgebaut, lediglich einen etwas größeren Touchscreen montiert. Einziges verlässliches optisches Identifizierungsmerkmal ist daher das Logo der Jiangling-Motors-Tochter, das das „Land Rover“-Markenzeichen ersetzt.

In einer Pressemitteilung gesteht Landwind durchaus ein, dass das SUV in einigen Teilen an ein Modell einer ausländischen Luxusmarke erinnere. Die Details seien aber gründlich im Landwind-Stil überarbeitet worden.

Jenseits des Designs gibt es dann aber doch auch handfeste Unterschiede. Der wichtigste ist der Preis. Während der Evoque in China umgerechnet mehr als 50.000 Euro kostet, gibt es den X7 bereits für knapp 18.000 Euro.

Und wo beim Range Rover ein mindestens 177 kW/240 PS starker Motor über eine Neungangautomatik alle vier Räder antreibt, werkeln im Landwind 140 kW/190 PS an einer Achtgang-Automatik.

Landwind ist in Deutschland nicht unbekannt. 2006 hatten die Chinesen erstmals versucht, auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. Ihr Geländewagen versagte in Crashtest aber derart, dass sich die Marke mangels Käufervertrauen bald wieder zurückzog. Ein weiterer Anlauf 2011 mit dem Familien-Van CV9 war etwas erfolgreicher – immerhin gab es zwei von fünf Sternen.

Offiziell nach Europa importiert wird das Modell trotzdem zurzeit nicht. Ein niederländischer Importeur bietet den Kompakt-Van im Format eines VW Touran jedoch aktuell in Holland und Belgien zu Preisen ab 10.920 Euro (netto) an.

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  • Klauen gehört doch mittlerweile zum guten Ton in der Wirtschaft. In Großunternehmen werden Erfindungen der Mitarbeiter, den Urhebern entwendet und dem Unternehmen zugeschlagen, um die Abfindungen der Führungskräfte zu erhöhen. Schlechte wirtschaftliche Situationen und Abhängigkeitsverhältnisse werden ausgenutzt um den Profit zu erhöhen, weltweit. Die Chinesen halten uns nur den Spiegel vor.

  • Was regen wir uns auf? Einige deutsche Maschinenbauer tun es auch nicht anders, sie kopieren sogar Systeme aus Schwellenländern wie Südafrika. Auch für sie ist es billiger zu klauen, als selbst zu entwickeln. Man sehe sich nur den Bereich der Lebensmittelmaschinen an.

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