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Leder als Werkstoff in der Automobilindustrie

Leder ist für viele ein Inbegriff von Luxus und steht auch bei Autokäufern hoch im Kurs. Zwar ist die Technik schon tausende Jahre alt. Für die Autoindustrie ist jedoch die Leder-Produktion eine lange Kette zwischen Weide und Werk.

dpa/gms FELDBACH/VILSBIBURG. Leder ist für viele ein Inbegriff von Luxus und steht auch bei Autokäufern hoch im Kurs. Zwar ist die Technik schon tausende Jahre alt. Für die Autoindustrie ist jedoch die Leder-Produktion eine lange Kette zwischen Weide und Werk.

Sie beginnt, wo für die Kuh das Leben endet: im Schlachthof. Dort werden die Häute abgezogen und gereinigt. „Danach bedarf es einer Fülle von Fertigungsschritten, um die fäulnisfähige Haut gegen Einwirkungen von Mikroorganismen widerstandsfähig zu machen und in ein haltbares Leder zu verwandeln“, sagt Joachim Haidacher vom Lederlieferanten Boxmark in Feldbach (Österreich).

In rotierenden Fässern wird die Rohware von Verunreinigungen, Haaren und Eiweißsubstanzen befreit, beschreibt der Bundesverband der deutschen Lederindustrie (VDL) das weitere Vorgehen. Scharfe Messerwalzen spalten die Häute zur gewünschten Dicke auf. „Danach wird die Haut gegerbt“, erklärt Haidacher. „Unter Zusatz pflanzlicher und synthetischer Stoffe werden Eiweißverbindungen ersetzt, und aus der verderblichen Haut wird haltbares Leder.“

In großen Walzen wird das Leder anschließend entwässert, getrocknet, auf eine gleiche Dicke gebracht und zum Zurichten vorbereitet. Dort erhält das Leder laut dem VDL in einer Oberflächenbehandlung sein endgültiges Aussehen.

Insgesamt ist die Lederindustrie bei der Rohstoffwahl wenig zimperlich. Schließlich hat sie laut dem internationalen Branchenverband Tannerscouncil in Northampton (Großbritannien) allein im Jahr 2000 rund 1 700 Quadratkilometer Haut verarbeitet – nur zwei Prozent davon allerdings für die Autoindustrie. Denn dort gelten besonders hohe Qualitätsanforderungen. „Natürlich wird wegen eines Autos keine einzige Kuh geschlachtet“, sagt Heike Schmidt von Boxmark. „Wir verwenden nur die Reste aus der Fleischproduktion.“

Dabei ist Leder heute längst nicht mehr der Oberklasse vorbehalten. Selbst für Kleinwagen wird eine wachsende Zahl von Lederausstattungen bestellt. Doch am größten sind Aufwand und Ausstattungsgrad bei den Luxuslimousinen von Rolls-Royce, Bentley oder Maybach. Für einen Maybach müssen nach Angaben von Stefan Diehl, Sprecher der Daimler-Chrysler-Marke, etwa fünf Kühe ihre Häute lassen.

Dafür benötigen die Schwaben rund 22 Quadratmeter Leder, von denen nach dem Auswahl-, Produktions- und Schneideprozess etwa die Hälfte ins Fahrzeug gelangt. Für eine Limousine der Mittel- oder Oberklasse werden laut Boxmark nur acht bis 14 Quadratmeter Rohmaterial benötigt.

Solche Arbeiten werden oft von Zulieferern wie dem Unternehmen Dräxlmaier in Vilsbiburg (Bayern) ausgeführt. Dort nehmen nach dem Zuschneiden der Rohlinge geschulte Näherinnen die Lederteile in ihre Obhut und machen aus vielen Einzelteilen fertige Bezüge. „Davor werden allerdings noch die Ränder "geschärft", also von 1,2 auf 0,6 Millimeter abgeschabt, damit sich an den Nahtstellen keine hässlichen Wulste bilden“, erklärt Projektleiter Rudolf Ertl.

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