Leichenwagen von Rolls-Royce
Letzte Fahrt mit Stil

Zu Lebzeiten schaffen es nur die wenigsten. Doch zumindest ihre letzte Fahrt treten in Nottingham viele in einem Rolls Royce an. Dort bewegt Bestatter A. W. Lymn die wahrscheinlich edelste Funeral-Flotte der Welt.
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Sonderlich schmuck ist es nicht in der Robin Hood Street, wie überhaupt Nottingham nicht gerade eine pittoreske Stadt ist. Doch wer bei A W Lymn über die Schwelle tritt, der fühlt sich wie ein König und wähnt sich in London. Denn Rob Lippitt, der Mittvierziger hinter dem Empfangstresen trägt einen dunklen, maßgeschneiderten Anzug, im Büro riecht es nach frischen Blumen und auf dem Hof stehen an guten Tagen mehr als ein Dutzend Rolls-Royce.

Dass hier trotzdem nur einer mit den blank polierten Kühlerfiguren auf dem Hof um die Wette strahlt, liegt in der Natur der Unternehmung: A W Lymn ist ein Bestatter und Männer wie Lippitt bringen die Bürger von Nottingham seit über 100 Jahren zuverlässig unter die Erde. Anders als bei vielen seiner Kollegen stirbt man bei Lymn allerdings mit Stil – oder wird zumindest stilvoll ins Jenseits befördert.

Denn wo die Konkurrenz ihrem Geschäft mit nüchtern lackierten Kleinbussen und konventionellen Kombis nachgeht, leistet sich der Familienbetrieb die vielleicht imposantesten Bestattungsflotte der Welt: „Insgesamt haben wir 39 Limousinen von Bentley und Rolls-Royce im Einsatz, darunter allein 15 aktuelle Phantom,“ sagt Lippitt, der das Marketing verantwortet und den imposanten Fuhrpark leitet.

Zwar sind von den Luxuslinern nur ein kleiner Teil tatsächlich als Leichenwagen umgerüstet und alle anderen Autos stilechte Begleitfahrzeuge für Freunde und Familie des Toten. Doch wenn Lymn auffährt, wirkt jedes Hollywood-Begräbnis wie ein Trauerspiel. An der Spitze der langen Trauerzüge rollt dabei in den meisten Fällen ein Auto, das mit Begriffen wie „Lieferwagen“ oder „Kombi“ nicht einmal ansatzweise treffend beschrieben ist.

Denn was Lymn da für rund 500.000 Pfund binnen sechs Monaten in Italien aus den als junge Gebrauchte gekauften Phantom schweißen lässt, macht die Prunklimousine nicht nur zum luxuriösesten Leichenwagen der Welt. Es schürt selbst bei man einem quicklebendigen Trauergast die Sehnsucht nach einer Mitfahrgelegenheit: Die Limousinen werden auf bis zu sieben Meter gestreckt, das Dach wird angehoben und wo früher mal die teuerste Couch der Autowelt montiert war, gibt jetzt hinter graviertem Glas eine elektrisch ausfahrbare Edelstahlpritsche mit programmierbarer Ambiente-Beleuchtung, auf der man Sterben so richtig in Szene setzten kann. „Wer eine Bestattung im Rolls-Royce bucht, der will die ganz große Inszenierung“, hat Lippitt gelernt.

Die Italiener übernehmen nicht nur den Karosseriebau, sondern feilen auch noch einmal am Fahrwerk und optimieren die Elektronik. So bekommen die ganz speziellen Phantom-Kombis zum Beispiel noch mehr Parksensoren und Rückfahrkameras für den besseren Rundumblick. „Denn nichts ist peinlicher, als wenn man bei einer Beerdigung zwischen den Grabsteinen stecken bleibt“, sagt Lippitt. Was wie ein Scherz klingt, ist für ihn eine buchstäblich toternste Sache. So verwinkelt, wie die englischen Friedhöfe manchmal sind, und so lang, wie Autos nach dem Umbau werden, muss man mit dem Phantom verdammt gut fahren können, sagt Lippitt.

Auch das ist ein Grund, weshalb er allein ein Dutzend Chauffeure fest angestellt hat und seit Jahrzehnten die gleichen Aushilfen einsetzt. Trotzdem muss der ebenfalls fest angestellte Rolls-Royce-Mechaniker nicht nur Wartungsarbeiten und die Wagenpflege übernehmen, sondern bisweilen auch mal ein paar „kosmetische Reparaturen“ ausführen, sagt Lippitt diplomatisch.

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