Leichtgewicht in Lauerstellung
Das kann der neue Opel Astra

Sein Blechkleid ist zwar noch bis zur IAA im September getarnt. Doch unter die Wäsche lässt sich der neue Opel Astra schon mal schauen. Denn Fortschritt definieren die Hessen diesmal vor allem über die inneren Werte.
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RüsselsheimBernd Justen ist sichtlich angespannt. Kein Wunder: Der Ingenieur hat einen der spannendsten Jobs, die es bei Opel im Augenblick zu machen gibt. Denn er ist Performance Manager für den neuen Opel Astra und arbeitet damit an einer der wichtigsten Baureihen im Portfolio. Denn selbst wenn die Bedeutung der Kompaktklasse schrumpft und in Deutschland gegen den VW Golf ohnehin kein Kraut gewachsen ist, rangiert der Astra in Europa noch immer auf Platz vier seiner Klasse, macht mit 230.000 Einheiten etwa ein Fünftel der gesamten Opel-Produktion aus und steht vor allem in einer großen Tradition: Zehn Generationen und 24 Millionen Autos in über 80 Jahren – das ist eine Verantwortung, der sich Justen sehr wohl bewusst ist.

Und dann hat sich auch noch der Vorstandsvorsitzende zu finalen Testfahrten angesagt. Das ist für die Ingenieure immer ein heikler Moment. Aber wenn sich Karl-Thomas Neumann ist den neuen Astra setzt, ist das etwas ganz besonderes. Schließlich ist der Golf-Gegner das erste Auto, das komplett unter seiner Regie entstanden ist. Und entsprechend hoch waren seine Vorgaben: Neue Maßstäbe bei Connectivity, Effizienz und beim Design wollte Neumann setzen, hat dafür das Showcar Monza bauen lassen und jetzt darauf gedrungen, dass vieles aus dieser Oberklasse-Studie bereits zwei Jahre nach seinem Amtsantritt im ersten Serienmodell umgesetzt wird.

Kein Wunder also, dass Justen bei den Testfahrten mit seinen Erlkönigen ein bisschen nervöser ist als in den letzten zwölf Monaten, in denen er Woche für Woche 1.500 Kilometer am Steuer der Erprobungsträger saß. Doch allzu lange muss der Ingenieur die Spannung nicht mehr halten. Denn als Neumann aus dem Astra steigt, lächelt er sichtlich zufrieden und so ganz langsam kommt die Entwicklung auf die Zielgerade: Während der Werksferien im Sommer stellen sie in Rüsselsheim die Produktion um und kurz nach der Publikumspremiere auf der IAA im September in Frankfurt kommt der Astra mit dem Generationenkürzel „k“ auf die Straße. Dann wird sich zeigen, ob er den Schwung von Adam, Mokka und Corsa mitnehmen und sich Opel wieder ein bisschen besser gegen VW behaupten kann.

Im Ringen um die Rückkehr aufs Treppchen hat Opel diesmal geklotzt und nicht gekleckert: Wo der neue Corsa nur ein besseres Facelift ist, bekommt der Astra deshalb tatsächlich eine komplett neue Plattform. Das war auch bitter nötig. Denn obwohl die aktuelle Generation eines der größten Autos im Segment ist, bietet sie spürbar weniger Platz als die Konkurrenz – und hat außerdem ein paar Zentner Übergewicht.

Beide Probleme hat Opel mit der neuen Plattform gelöst: Mindestens 120 und bestenfalls sogar 200 Kilo hat der Astra abgespeckt, rechnet Justen vor und erklärt die Diät mit stabileren aber dünneren Blechen, kleineren und deshalb leichteren Motoren und einer ungeheuren Akribie, mit der jede Schraube auf die Waage gelegt wurde. Natürlich hilft es dem Hoffnungsträger dabei auch, dass er ein bisschen geschrumpft ist: Mit 4,37 Metern ist er fünf Zentimeter kürzer als bisher und macht sich obendrein drei Zentimeter flacher.

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