Lenkrad im Visier der Entwickler

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Lenkrad im Visier der Entwickler

Designer, Entwickler und Ergonomen nehmen die Autosteuerung ins Visier. Denn auf der Suche nach stilistischen Spielereien zur Differenzierung der eigenen Marke verliert das Lenkrad nach und nach die gewohnte kreisrunde Form.

dpa/gms KÖLN/STUTTGART. Designer, Entwickler und Ergonomen nehmen die Autosteuerung ins Visier. Denn auf der Suche nach stilistischen Spielereien zur Differenzierung der eigenen Marke verliert das Lenkrad nach und nach die gewohnte kreisrunde Form.

Weil der Fahrer eine wachsende Zahl von Funktionen zu bedienen und zu beherrschen hat, rücken zudem immer mehr Schalter und Hebel direkt ans Steuer. Und weil es auch in der Mittelkonsole immer enger wird, verlegen die Autohersteller sogar die Gangschaltung wieder an die Lenksäule.

Die wohl auffälligste Neuerung der Saison ziert das Cockpit des Citroën C4. Nachdem die Franzosen früher mit Lenkrädern mit nur einer Speiche für Aufsehen sorgten, bringen sie das neue Modell für die Kompaktklasse nun mit der ersten feststehenden Lenkradnabe auf den Markt. „Auch während der Fahrer am Lenkradkranz dreht, bleibt der Prallteller in der Mitte unbewegt stehen“, beschreibt Citroën-Sprecher Thomas Albrecht in Köln dieses Prinzip.

Dafür wurde der Lenkradkranz mit einem innenverzahnten Rad verbunden, das wiederum ein Ritzel am oberen Ende der Lenksäule bewegt. Doch setzt Citroën dabei nicht nur auf den Showeffekt, sondern rechtfertigt die eigenwillige Konstruktion auch mit technischen Vorteilen: Zum einen liegen die Tasten für Radio, Telefon, Bordcomputer und Navigation unabhängig vom Lenkradeinschlag immer am selben Platz. Zum anderen konnte der Airbag optimiert werden: „Weil der Airbag nun nicht mehr rotationssymmetrisch sein muss, damit er bei jeder Lenkstellung die beste Schutzwirkung erzielt, konnten wir das Format deutlich vergrößern. Und je größer die Oberfläche ist, desto besser ist der Schutz“, sagt Albrecht.

Ebenfalls Aufsehen erregen will VW mit dem Lenkrad für den Golf GTI. Denn anders als in den üblichen Modellen haben die Wolfsburger für den sportlichen Kompakten ein neues Design entwickelt, das sich von der klassischen Kreisform verabschiedet. Ähnlich wie in einem Rennwagen ist das Lenkrad im unteren Drittel etwas abgeflacht, so dass ambitionierte Fahrer laut VW näher ans Cockpit rücken und schneller um die Kurven kurbeln können.

Doch mit solchen Lösungen ist die Fantasie der Designer noch nicht erschöpft. Denn zumindest bei Showcars gehen sie häufig noch weiter und bauen wie beim Mercedes F 500 Mind beinahe eckige Lenkräder ein - oder ersetzen das Steuer gleich mit den Joysticks und Gamepads von aktuellen Computerspiel-Konsolen.

Aber nicht nur die Form des Lenkrads ändert sich, sondern mit ihm auch der Funktionsumfang. Schon seit Jahren beobachten Marktforscher wie Nick Margetts vom Unternehmen Jato Dynamics in Limburg (Hessen) den Trend, dass immer mehr Knöpfe und Regler an oder in den Bereich des Lenkrads rücken. Vor allem Bordcomputer, Infotainment, Telefon und Tempomat könnten dadurch bei vielen Fahrzeugen bedient werden, ohne dass der Fahrer die Hand vom Lenkrad nehmen muss.

„Dabei hat sicher auch das mit zahlreichen Schaltern gespickte Lenkrad der Formel 1 Pate gestanden“, sagt Marktforscher Margetts. Einerseits bekomme ein Auto mit Nähe zum Rennwagen ein sportliches Image, andererseits trage man damit der Sicherheit Rechnung. „Wie im Rennen gehören auch im Alltag die Hände immer ans Steuer“, doziert etwa Rallye-Veteran Rauno Aaltonen im Fahrertraining von BMW.

Mit dem Radio oder Telefon wollen sich die Entwickler allerdings nicht begnügen. Denn nach dem Motto „Schalten wie Schumi“ haben sie in den vergangenen Jahren auch die Getrieberegelung zumindest teilweise ans Lenkrad geholt. Zwar ragt zwischen den Sitzen noch ein konventioneller Wählhebel heraus, doch können bei vielen sequentiellen Automatikgetrieben die Gänge mit Tasten, Wippen oder Paddels auch am Lenkrad gewechselt werden.

Aber selbst das geht vielen Herstellern noch nicht weit genug. Deshalb hat zum Beispiel BMW bei der Einführung des aktuellen 7ers komplett auf einen Schalthebel auf dem Mitteltunnel verzichtet und die Bedienung der Automatik wie den Schalter für den Blinker an der Lenksäule angeschlagen – und bleibt damit nicht allein. Denn auch Mercedes folgt dieser Idee und rückt die Getrieberegelung für die neue M-Klasse unmittelbar ins Grifffeld des Fahrers.

„Damit erzielen wir gleich mehrere positive Effekte“, sagt Mercedes-Sprecher Norbert Giesen in Stuttgart. „Zum einen kann der Fahrer auch in extremen Situationen - etwa im Gelände - die Hände immer am Lenkrad lassen. Und zum anderen gewinnen die Designer auf dem Mitteltunnel Platz für zusätzliche Ablagen.“

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