Lexus LFA
Zu viele Antworten auf nicht gestellte Fragen

"Letzter Lexus LFA in Europa ausgeliefert." Der Nachrichtenwert liegt auf dem Niveau wie bei einem umgekippten Sack Reis. Ein Rückblick auf einen Sportwagen, der Antworten auf Fragen lieferte, die niemand gestellt hat.
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Köln"Letzter Lexus LFA in Europa ausgeliefert." Für sich genommen steht der Nachrichtenwert dieser Mitteilung auf dem selben Niveau wir der über einen umgekippten Sack Reis im Bezirk Yuanwu der chinesischen Metropole Nangking. Darum erfolgt ein Rückblick auf ein Sportwagenprojekt, das hauptsächlich Antworten auf Fragen lieferte, die niemand gestellt hat.

Die Tokyo Motorshow 2009 war für Lexus ein besonderes Ereignis. Nach zehnjähriger Entwicklungsarbeit und drei Generationen von Studien stellte die Toyota-Premium-Tochter Lexus die serienreife Version des zweisitzigen Supersportwagen LFA vor. Die Entwickler hatten an nichts gespart. Zusammen mit Spezialisten von Yamaha hatten sie einen komplett neuen V-10-Benzinmotor gezeichnet. Der vorne eingebaute Sauger mit 4,8 Litern Hubraum fühlt sich hohen Drehzahlen verpflichtet. Seine maximales Leistungsabgabe ist bei 8.700 U/min erreicht. Erst bei 9.000 U/min setzt ein Begrenzer dem komplexen mechanischen Treiben ein Ende.

Entsprechend hoch fällt auch die Drehzahl aus, bei der das maximale Drehmoment von 480 Newtonmetern bereit steht: 6.800 U/min. Das sequentielle Sechsganggetriebe verfügt über vier Schaltprogramme, um die angetriebenen 19-Zöller auf der Hinterachse je nach Einsatz angemessen zu malträtieren. An der Ausstattung durfte nichts fehlen. Mit hochwertigen bis exotischen Materialien sollte der erste japanische Supersportwagen jedem Einsatz-Profil gerecht werden. Quasi vom Brötchenkauf bis zum Renneinsatz.

Um die Begehrlichkeit und die Exklusivität des LFA auf höchstem Niveau zu halten, begrenzte der Hersteller die Auflage auf 500 Exemplare und rief in Deutschland einen Preis von 375.000 Euro auf. In Amerika kostete der LFA 445.000 Dollar. Die Produktion begann Ende 2010 und endete am 14. Dezember 2012. Da die Nachfrage keinesfalls den Erwartungen entsprach, stellte Lexus auf dem Genfer Automobilsalon 2011 das Sondermodell "Nürburgring-Performance-Paket" vor. Die 50 Exemplare innerhalb der 500er-Auflage zeichnen sich unter anderem durch ein um fünf Kilo gesenktes Gewicht und eine um 7 kW/10 PS erhöhte Leistung aus, neben der verfeinerten Aerodynamik und geänderten Felgen.

Das ehrenwerte Ansinnen der Verantwortlichen, mit dem LFA ein nahezu perfektes Auto zu schaffen, verpufften als Folge der überlangen Entwicklungszeit. Als der LFA endlich verfügbar war, musste er sich direkt gegen den praktisch gleichstarken Mercedes AMG SLS oder den Audi R8 V10 messen. Der Schwabenpfeil beschwor formal erfolgreich die glorreiche Vergangenheit des mystischen Mercedes 300 SL aus den Fünfzigern, der Audi bot das gleiche Motorkonzept wie der Lexus, allerdings in exklusiver Mittelmotorbauweise. Die Herteller beider Sportpretiosen riefen für ihre Produkte zudem nicht einmal den halben Preis aus, der auf dem Schild des Lexus LFA prangte. Selbst der knapp 300 000 Euro teure Lamborghini Aventador mit 700 PS starkem V12 und deutlich überlegenen Fahrleistungen mutet gegen den LFA wie ein Schnäppchen an. Auch konnte die Form des Coupés nach der überlangen Entwicklungszeit nicht jene Emotion wecken, die die Japaner mit "Tokimeki" beschreiben; was soviel wie "Herzklopfen" bedeutet.

Das Streben nach Perfektion im Geiste des Herstellers führte dazu, dass das dynamische Potenial des 1,5 Tonnen schweren LFA im Vergleich zum Wettbewerb zu verbindlich ausfiel. Das Gewicht und die Frontmotor-Konfiguration verhinderte die optimalen Rundenzeiten auf Rundkursen. Mit einer Rundenzeit von 7:38 Minuten auf der Nordschleife des Nürburgrings im Rahmen eines "Supertest" der Fachzeitschrift "Sport Auto" musste sich der Lexus unter anderem einem Nissan GTR (7:34 min) oder dem fünf Jahre älteren Porsche Carrera GT (7:32 min) geschlagen geben.

Die Begehrlichkeit am Lexus LFA bei reichen Autosammlern versandete schließlich im natürlichen Mangel an Tradition und historischem Glanz der Marke. Lexus war schließlich erst 1989 an den Markt gegangen. Gegen den Sturm der Sammler auf die 500 LFA spricht zudem der Umstand, dass das letzte von 40 Modellen für Europa erst mehr als drei Monate nach Produktionsende einen Kunden fand.

Dass der LFA nicht als automobiler Überflieger reüssieren konnte, wird Lexus jedoch nicht dauerhaft entmutigen. Dazu ist der Atem der Japaner zu lange. Dass sie inzwischen in der Lage sind, faszinierende und wunderschöne Sportwagen zu bauen bewies beim letzten Genfer Autosalon Anfang März die Studie LF-LC. Da hat es auf Anhieb mit "Tokimeki" geklappt.

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  • Will man das Design des LFA wirklich mit einem Ferrari, Lamborghini oder gar einem Aston Martin vergleichen? Mich interresiert da doch wesentlich mehr als die absoluten Fahrleistungen die Ausstrahlung des Sportwagens. Und da kann ich dem LFA nicht viel abgewinnen. Selbst ein Porsche, Audi R 8 oder Mercedes AMG machen da für deutlich weniger Geld optisch wesentlich mehr her.

  • Der Lexus LFA wurde bei der VLN-Meisterschaft bewusst durch Luftmengenbegrenzer so benachteiligt, dass er die deutschen Mitbewerber nicht gefährden konnte. Die deutschen Autobauer entwickeln nicht nur mäßige Produkte, sondern sind auch unsportlich.

  • Deutschland kann hier kein Maßstab sein, denn die Deutschen setzen auf Althergebrachtes, Altbackenes und ihnen ist neue Technik nicht geheuer. Der LFA hat übrigens am 31.08.2011 den Rundrekord für Seriensportwagen mit 7:14,64 Min. aufgestellt.

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