London Cab goes Berlin
Britisches Kult-Taxi will die Hauptstadt erobern

Die Ikone unter den Taxen, das Londoner Black Cab, kommt auf den Kontinent. Elektrisch angetrieben, in neuem Design. Mit der vierten Generation hat der chinesische Eigentümer Geely große Pläne.

BerlinDer Ort war natürlich bewusst gewählt. Ausgerechnet in einem „Umspannwerk“ präsentierte die London Taxi Company (LTC) ihr jüngstes Baby. So jedenfalls bezeichnete Chefdesigner David Ancona das sonst schnöde als TX 5 benannte Modell. Dieses Baby ist – wie zu erwarten war – einmal wieder recht kräftig zur Welt gekommen. Hoch gebaut, großes Volumen. Vollschlank würde man sagen. Das traditionelle London Cab zeichnen nun mal üppige Proportionen aus.

Und warum sollte das jüngste Kind der Familie schlanker ausfallen als seine Vorgänger? Im Gegenteil. Die Macher aus dem englischen Coventry legen sogar großen Wert darauf, dass The London Cab auch immer als The London Cab erkennbar bleibt. Auch wenn es dereinst ums Brandenburger Tor rollen soll.

Apropos rollen. Das macht der TX 5 übrigens vollkommen geräuschlos. Fast jedenfalls. Denn der TX 5 fährt, man glaubt es kaum, elektrisch. Rein elektrisch. Kein stinkender Diesel brummt unter der geräumigen Motorhaube. Stattdessen glänzt dort der frisch geputzte Elektromotor. Und – etwas verschämt in der Ecke versteckt, dann doch ein kleines Benzinaggregat. Das aber wird den Wagen nicht antreiben. Es ist ein Generator, der Strom erzeugen soll. Für den Fall, dass die üppig bemessene Batterie dann doch einmal nicht reichen sollte.

LTC will ein Konzept verkaufen. Der Autobauer von der Insel glaubt erkannt zu haben, dass Taxen schon in wenigen Jahren nicht mehr mit Verbrennungsmotoren, schon gar nicht mit einem Diesel in die Innenstädte dürfen. London ist gerade dabei, die Null-Emissions-Parole für den öffentlichen Verkehr in der Metropole auszurufen. Und dazu gehören auch Taxen.

Der Zufall will es, dass der Taxi-Bauer aus Britannien nur wenige Tage nach der desaströsen Abstimmung über den EU-Austritt sein neues Fahrzeug in der deutschen Hauptstadt präsentiert. Aber selbst LTC-Chairmen Carl-Peter Forster, vielen Deutschen als langjähriger Opel-Chef bekannt, kann sich ein Lachen nicht verkneifen auf die Anmerkung, dass nun schon die Londoner Taxen das rettende Festland zu erreichen suchen.

Nein, versichern die versammelten Führungskräfte unisono, das London Cab werde auch weiter ein Produkt aus britischen Landen bleiben. Sonst wäre ja der Kultstatus dahin.

Der chinesische Eigentümer Geely, der LTC 2013 aus der Insolvenz herausgekauft hatte, steckte inzwischen fast 400 Millionen Pfund in seine Neuerwerbung. Nach Vor-Brexit-Umrechnungskurs eine halbe Milliarde Euro. Heute natürlich ein bisschen weniger. 2017 soll die Produktion beginnen, im Jahre 2018 soll dann auch die Variante für Linkslenker erhältlich sein. Dann steht der Eroberung des europäischen Kontinents nichts mehr im Wege.

LTC ist fest davon überzeugt, dass sein neues Modell, das sechs Gästen Platz bietet, Rollstuhlfahrern einfachen Zugang ermöglicht und mühelos großes Gepäck und Kinderwagen befördern kann, gegen die traditionellen Taxi-Lieferanten wie Mercedes konkurrieren kann. Denn elektrisch wie The London Cab kann bislang noch keiner.

Da war noch die Frage nach dem Preis: No comment, sorry. Das Fahrzeug sei erst ein Prototyp, Endgültiges lasse sich da noch nichts sagen. Nur so viel: Käufer müssten die „Total Cost ownership“ im Blick haben. Also einige Tausend Euro weniger Spritkosten pro Jahr. Und geringere Wartungskosten auch. So dürfen wir also davon ausgehen, dass das Baby TX 5 ein wenig mehr als seine Vorgänger kosten wird. Die derzeit billigste Variante ist für 42.795 Pfund zu haben. Auch mit Brexit-Abschlag dank des eingebrochenen Pfundkurses immer noch ein stolzer Preis. Aber Kult zu fahren war schon immer etwas teurer.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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