Lotus-Chef im Gespräch
„Wir wollen Klassenbester werden“

Damals war das Ziel noch so klar: Viermal mehr verkaufte Autos bis 2015. Bei der IAA 2011 erklärte CEO Dany Bahar, wie er Lotus für die Zukunft aufstellen wollte. Jetzt hat man ihm den Stuhl vor die Tür gestellt.
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FrankfurtHandelsblatt Online: In Paris hat Lotus groß aufgefahren. Fünf neue Modelle, ein beeindruckender Messestand. Lotus war ein Gesprächsthema. Fassen Sie das erste Jahr der neuen Lotus-Ära, wie Sie es nennen, zusammen.

Dany Bahar: Da reicht die Zeit nicht. Es ist sehr viel passiert. Es ist das passiert, was passieren soll. Das wir uns nach der Präsentation auf das Liefern konzentrieren. Wir haben angefangen mit dem Esprit-Programm, wir haben den Motor entwickelt, der Motor ist heute schon auf dem Prüfstand. Wir haben das Elite-Programm begonnen. Nebst den neuen Fahrzeugen haben wir auch angefangen, das ganze Fabrikgelände umzustrukturieren. Wir haben eine neue Fabrik, das ist Fabrik Nummer drei. Das ist ein Drei-Jahres-Plan, alles komplett integriert mit neuen Maschinen, neuer Motorenfabrik und so weiter. Nebst dem haben wir aber auch noch ein großes Entwicklungsprogramm an den jetzigen Fahrzeugen, da kommen noch sehr viele Fahrzeuge raus in den nächsten zwei Jahren. Also wir fahren da sehr viel parallel im Moment. Wir sind eigentlich jetzt am liefern, nicht mehr am arbeiten. Was noch von Paris geblieben ist: Die Vision ist da, der Stand ist immer noch so groß. Aber wir sind jetzt wieder zurück im Heute, und konzentrieren uns auf die Fahrzeuge heute.

HB: Eines der großen Themen dieser IAA ist die Elektromobilität. Auf Ihrem Stand steht auch ein Technik-Prototyp. Wann kommt der erste Elektro-Lotus?

Bahar: Der erste erste Elektro-Lotus wird ein City-Fahrzeug, das Auto, das wir in Paris auch gezeigt haben. Das ist der Ethos. Das wir ein konventioneller Elektro-Antrieb sein, mit sehr hohen Performance-Werten. Bei den Sportwagen werden wir nicht die Full-Electric-Variante wählen, da wird es eine Range-Extended-Electric-Variante geben. Das ist auch die Technik des Prototyps, der unten auf unserem Stand zu sehen ist. Das werden wir sicherlich in den Evora einbauen, das wird ungefähr Ende 2012, Anfang 2013 stattfinden. Dann gibt es aber noch die Evolution davon, die wir in die neuen Autos einbauen werden. Da sind wir dabei, etwas ganz Cleveres zu entwickeln. Das hat mit dem heutigen Hybrid-Antrieben eigentlich nichts zu tun, ist aber trotzdem ein Hybrid-Antrieb. Die wird dann mit den neuen Fahrzeugen präsentiert werden. Wir reden da von 2013/2014, wo wir dann in diese Technologie einsteigen. Wobei wir heute im Engineering-Bereich schon sehr viele Antriebe für Drittkunden entwickelt haben und am entwickeln sind.

HB: Also planen Sie keine weitere Zusammenarbeit mit Tesla, was Elektrofahrzeuge angeht?

Bahar: Tesla ist noch bei uns bis nächstes Jahr im März im Vertrag, wenn ich mich nicht täusche. Tesla ist nichts, wir entwickeln unsere eigenen Antriebe. Wir haben auch schon bei anderen Fahrzeugen gezeigt, dass wir das können. Und das ist es, Tesla spielt da keine Rolle mehr.

HB: Zurück zu den Verbrennungsmotoren: Lotus als Sportwagenbauer definiert sich über Emotionen und nicht gerade über rationale Argumente. Wie passt das in die Diskussion um Verbrauchs- und CO2-Werte?

Bahar: Ich glaube, die Kombination davon macht es aus. Wir haben ja bereits bekannt gegeben, dass unsere Sportwagen Hybrid-Technologie als Standard integriert werden haben werden. Ich glaube, dass der Sportwagen immer ein Sportwagen sein muss. Die Emotionalität des Motorgeräuschs, des Getriebes. Das muss einfach da sein, sonst kauft kein Mensch einen Sportwagen. Niemand braucht einen Sportwagen, um nur von A nach B zu fahren, oder? Also das wird ein Sportwagen sein, der muss die ganzen Charakteristiken eines Sportwagens erhalten. Aber: Muss es denn sein, wenn ich mit dem Fahrzeug in die Stadt fahre oder von der Innenstadt bis an die Stadtgrenze gehe, dass der V8-Motor die ganze Zeit hinter mir heult? Der muss nicht 12 oder 13 Liter verbrauchen auf den ersten Kilometern. Und da ist glaube ich der Elektromotor die Zukunft - für uns zumindest - weil wir sagen: "Du hast die Wahl aus deiner Garageneinfahrt mit dem lauten V8 zu fahren, aber das muss nicht sein. Du kannst auch ganz leise heraus fahren." Und wenn man dann an der Stadtgrenze ist, dann geht's ab. An diese Kombination glauben wir, und hoffen dann, das der Markt sich in diese Richtung entwickeln wird.

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