Luxusmarken fahren in neue Segmente: Adel auf Abwegen

Luxusmarken fahren in neue Segmente
Adel auf Abwegen

Im Bentley auf den Schotter und mit einem Lamborghini auf Familienausflug? Bislang war das eher nicht im Sinne der Entwickler. Doch planen Luxushersteller Autos, die vor Jahren noch undenkbar gewesen wären.
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Crewe/LimburgDie Krise hatte auch die Hersteller von Luxusautos voll erfasst. Doch in der Automobilbranche herrscht wieder Aufwind, und das setzt eine gewisse Experimentierfreude frei: Die Marken mondäner Karossen wollen ihre Modellpalette deutlich erweitern und planen dabei Fahrzeuge in für sie ganz untypischen Segmenten - zum Beispiel Geländewagen.

So auch Bentley: Die britische VW-Tochter bereitet nach Angaben von Firmenchef Wolfgang Dürheimer das erste SUV in der Top-Luxusklasse vor. Der bislang noch namenlose Allradler soll in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen und in vielerlei Hinsicht die Spitze markieren. «Er wird größer, luxuriöser und stärker als alles, was es in diesem Segment bislang gibt.» Dürheimers Versprechen klingt vollmundig. Als Motorisierung soll der sechs Liter große Zwölfzylinder-Motor mit 423 kW/575 PS aus dem Coupé Continental GT zum Einsatz kommen. Aber auch mit einem Dieselmotor wird geplant. Die Nobelmarke setzt damit auf eine Strategie, mit der Porsche seit der Einführung des Geländewagen Cayennes deutliche Gewinnsteigerungen eingefahren hat. „Porsche hat gezeigt, dass das Konzept funktioniert“, sagte Christoph Stürmer vom Marktforschungsinstitut IHS in Frankfurt. Der Cayenne ist weitgehend baugleich mit den Geländewagen VW Touareg und Audi Q7, die Firmen teilen sich die Entwicklungskosten und sichern sich durch den Einkauf gleicher Teile Preisvorteile bei den Lieferanten. Dürheimer kennt das Prinzip bestens, er war Entwicklungschef bei Porsche und zeichnete unter anderem für den Cayenne als Dieselvariante verantwortlich.

Manager Dürheimer leitet neben Bentley auch die Marke Bugatti. Für die Franzosen steht ebenfalls ein neues, weitaus weniger klassisches Modell an: Statt des Supersportwagens Veyron will Dürheimer die Luxuslimousine Galibier auf die Räder stellen lassen, die es bisher nur als Studie gibt. Anders als der Veyron handelt es sich um einen 5,36 Meter langen Viertürer, der allerdings nicht minder sportlich unterwegs sein soll. Schließlich bekommt er den bekannten W16-Motor, und schon im Veyron leistet dieser Sechzehnzylinder 736 kW/1001 PS. Im Galibier soll er noch stärker werden, das Fahrzeug wird laut Dürheimer aber erst in ein paar Jahren auf den Markt kommen.

Ebenfalls auf Abwegen könnte demnächst Lamborghini unterwegs sein, eine Marke, die aktuell nur flache Superportwagen führt. Es gebe «intensive Überlegungen», den Modellen Gallardo und Aventador eine neue Baureihe zur Seite zu stellen, sagte Firmenchef Stephan Winkelmann. Gemunkelt wird in Unternehmenskreisen unter anderem über ein Comeback des Geländewagens LM002 aus den 1980er Jahren. Demnach könnte aber auch eine Serienversion der Sportlimousine Estoque kommen, die im Jahr 2008 bereits als Studie gezeigt wurde.

Auf der Automesse in Peking im April solle erstmals ein Vorführfahrzeug gezeigt werden, das 2016 in Serie gehen könnte, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die zur VW -Tochter Audi gehörende und für ihre flachen Supersportwagen bekannte Automanufaktur Lamborghini schreibt seit 2009 Verluste und könnte mit der Erweiterung ihrer Modellpalette ihre Ertragskraft stärken. Mit einem weiteren Modell könne der Sportwagenbauer seinen Absatz erhöhen und das Geschäft stabilisieren, hatte Firmenchef Stephan Winkelmann jüngst.

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