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Maßanzug mit Turbo

Vier junge Auto-Fanatiker aus Magdeburg haben einen Rennwagen für den Alltag entwickelt. Ihr „Zehren“ getaufter Roadster bietet die gleiche Fahrleistung wie ein Porsche GT3 bei halbem Spritverbrauch und zu einem Bruchteil des Kaufpreises. In der Simulation steht schon alles. Um den Flitzer auf die Straße zu bringen, fehlt nur noch ein Geldgeber.

Noch sind es ein paar Spanplatten, die Jörg Schindelhauers Traum zusammenhalten. Was bald ein rasanter Sportwagen sein soll, erinnert eher an eine Seifenkiste; renntauglich sind allein die Sitzschale aus Carbon sowie Lenkrad, Schalthebel und Pedale. 30 Leute mussten für Schindelhauer und seine drei Mitstreiter Testsitzen, um den Spielraum bei der Konstruktion auszuloten. Denn das Cockpit jedes Wagens wird individuell auf den Fahrer abgestimmt, soll passen wie ein Maßanzug.

Wie der Wagen wirklich aussehen wird, zeigen großflächige Fotos an den Wänden der Werkshalle auf dem Gelände der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität. In einem anderen Gebäude finden sich die Prototypen von Fahrwerk und Leichtbau-Rahmen. Noch mehr Details über den glänzenden Boliden offenbart ein Blick auf Schindelhauers Computer-Monitor. „In der Simulation steht schon alles“, sagt der 27-jährige Maschinenbau-Ingenieur. „Dynamik- und Festigkeitsanalysen haben wir bereits durchgeführt.“ Die Fahrten im virtuellen Raum sollen die spätere Testphase erheblich verkürzen. Auch wenn die Technik steht – damit ihr „Zehren“ getaufter Roadster auf die Straße kommt, müssen die Gründer der C2G-Engineering eine große Aufgabe schultern – und einen Geldgeber finden, der genauso fest an die Zukunft des Straßen-Flitzers glaubt wie sie selbst.

„Unser Roadster verkörpert eine neue Sportlichkeit“, sagt Schindelhauer. Seiner Ansicht nach entdecken auch Liebhaber schneller Autos angesichts des Klimawandels ihr ökologisches Gewissen. Puristische Roadster wie der Zehren könnten dieses ein wenig beruhigen: „Er bietet die gleiche Fahrleistung wie ein Porsche GT3 – bei halbem Spritverbrauch und zu einem Bruchteil des Kaufpreises“, prognostiziert Schindelhauer. Sein Vorbild sind puristische Klassiker wie der Lotus Super 7.

Schindelhauer beweist schon zu Schulzeiten, dass es ihm an Durchhaltevermögen nicht mangelt, wenn er ein schönes Gefährt im Sinn hat. Während Mitschüler die Zeit zwischen den Oberstufen-Klausuren am Badesee verbringen, jobbt er in einem Sportgeschäft und spart das Geld für die Restaurierung eines schrottreifen Käfers. In fünf Jahren steckt er 15 000 Euro in den Wagen, verbringt die Freizeit in der Werkstatt. „Von einem Käfer hatte er am Ende nicht mehr viel“, sagt Schindelhauer. „Er hat eher an einen Hot Rod erinnert“ – an ein aufgemotztes Auto für Halbstarke.

Die Schrauberleidenschaft ist es auch, die Schindelhauer während des Maschinenbaustudiums mit seinem heutigen Mitstreiter Manuel Holstein zusammenbringt. Nach den Vorlesungen arbeitet der gelernte Karosseriebauer als Service-Mechaniker in einem Rallyeteam. Technische Herausforderungen liebt Holstein, auch wenn sie ihm den Schlaf rauben: „Ich weiß nicht warum, aber nach einer ruhelosen Nacht ist die Lösung dann da.“

Die angehenden Ingenieure beschließen, mit ihrer Diplomarbeit neue Wege einzuschlagen. Normalerweise wird die Karosserie bei den Maschinenbau-Studenten vorgegeben – doch so fühlen sie sich in ihrem Gestaltungsdrang eingeschränkt. Ein ganz neues Fahrzeug soll es sein – und zwar nicht irgendeins. „Wenn man davor steht, muss man eine Gänsehaut bekommen, es muss einem Tränen in die Augen treiben“, sagt Schindelhauer. „Wenn dann die Performance stimmt, ist es so weit. Man hat sich verliebt.“ Für das Auto, das Emotionen weckt, holen sie einen Designer von der Hochschule Magdeburg-Stendal ins Team: Nach Stephan Zehren wird der Wagen später benannt. Ein halbes Jahr lang verkriecht er sich mit einem Klumpen Ton in sein Zimmer. Die Haut an den Händen ist rissig, als er schließlich das 1:4-Modell des Prototypen geformt hat.

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