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Mallorca-Touristen sollen Steuer auf Mietautos zahlen

Gut zwei Jahre nach Abschaffung der umstrittenen „Mallorca-Steuer“ sollen die Urlauber auf den Balearen durch eine neue Abgabe zur Kasse gebeten werden.

HB PALMA DE MALLORCA. Die neue Steuer trifft allerdings nicht alle Touristen, sondern nur diejenigen, die sich auf den spanischen Mittelmeerinseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera Autos oder Motorräder leihen.

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Nach einem Beschluss der Balearen-Regierung werden von Januar 2006 an für Mietwagen je nach Größe 4,50 bis 5 Euro pro Tag fällig. Außerdem werden zwei bis drei Cent pro Kilometer erhoben. Bei Motorrädern liegen die Sätze bei 1,50 bis 2,50 Euro pro Tag und einem bis zwei Cent pro Kilometer. Die Steuer wird von den Verleihfirmen abgeführt. „Bezahlt wird sie aber letzten Endes von den Touristen“, schrieb die Zeitung „Diario de Mallorca“ am Dienstag.

Die ominöse „ecotasa“ (Ökosteuer), die die Mallorca-Urlauber von Mai 2002 bis Oktober 2003 zahlen mussten, war heftig umstritten gewesen. Die Reisebranche sah in der Abgabe von durchschnittlich einem Euro pro Tag damals einen Hauptgrund, weshalb viele Deutsche ihrer Lieblingsinsel den Rücken kehrten. Kaum war die Steuer abgeschafft, erlebte Mallorca einen Boom. „Jetzt werden die Urlauber bei uns wieder mit offenen Armen empfangen“, frohlockte damals der balearische Tourismusminister Joan Flaquer.

Bei der Mietwagensteuer regen sich jetzt dagegen kaum Proteste. „Es ist natürlich nicht schön, wenn unsere Besucher zur Kasse gebeten werden“, räumte die Zeitung „El Mundo/El Día de Baleares“ ein. „Aber die Abgabe ist das kleinere Übel.“ Die Regierung verspricht sich davon Einnahmen von 12,5 Millionen Euro. Sie sollen helfen, das Finanzloch im öffentlichen Gesundheitswesen zu stopfen.

Die neue Regelung soll obendrein dazu beitragen, den chaotischen Markt der Rent-a-Car-Firmen in den Griff zu bekommen. Auf den Balearen gibt es 35 000 Mietwagen. Branchenkreise sprechen gar von 50 000 Fahrzeugen, von denen 20 000 überzählig sind. Die Mietwagenpreise auf Mallorca gehören zu den niedrigsten in Spanien und in Europa.

Einige Firmen betreiben den Verleih nur als Scheingeschäft. Sie melden Neuwagen für einen Tag als Mietautos an, profitieren von Steuererleichterungen und verkaufen die Fahrzeuge ins Ausland. Diese Firmen, die im Grunde vom Autoexport leben, sollen durch die Einführung eines Steuerregisters vom Markt gedrängt werden.

Tourismusbranche protestiert gegen neue Abgabe

Die Tourismusbranche protestierte gegen die Abgabe. „Jede neue Steuer ist eine schlechte Nachricht“, sagte der Präsident des mallorquinischen Fremdenverkehrsverbands, Miquel Vicens, der dpa. „Zusätzliche Abgaben schmälern die Konkurrenzfähigkeit des Tourismus auf Mallorca.“ Mietautos seien zudem keine Luxusgegenstände, sondern gehörten auf der Ferieninsel zum Alltag.

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