Markteinführung Anfang 2008
Smart will Amerikanern Kleinstwagen schmackhaft machen

Nach einer langwierigen internen Debatte hat sich der deutsch-amerikanische Autobauer Daimler-Chrysler dazu durchgerungen, den zweisitzigen Stadtflitzer Smart ForTwo ab 2008 auch den Metropolen der USA zu verkaufen.

HB STUTTGART. Die US-Handels- und Werkstatt-Kette United Auto Group werde drei Versionen des Smart Fortwo vertreiben, dessen neue Modellreihe in Europa schon im kommenden Frühjahr auf den Markt kommen soll, teilte der Autokonzern am Mittwoch in Detroit mit. Nach dem Verkauf von rund 4 000 Smart in Kanada im vergangenen Jahr sei es an der Zeit, den verbrauchsarmen Smart auch in US-Großstädten wie New York, Seattle oder Miami zu verkaufen.

Smart-Chef Ulrich Walker sagte, „die Zeiten billigen Sprits sind auch in den USA vorbei“. Seine Absatzerwartung wiederholte er nicht. Zuletzt hatte Walker den Verkauf von gut 20 000 Smart ForTwo auf dem größten Automobilmarkt der Welt für möglich gehalten. Weltweit waren 2005 rund 75 000 Smart ForTwo verkauft worden.

Die Kleinwagen-Tochter Smart ist neben der Mercedes-Pkw- Gruppe das Sorgenkind des weltweit fünftgrößten Autokonzerns. Die chronisch defizitäre Kleinwagenmarke soll nach der Streichung mehrerer hundert Arbeitsplätze und dem Stopp zweier absatzschwacher Baureihen im kommenden Jahr zum ersten Mal seit dem Marktstart 1998 die Gewinnzone erreichen. Derzeit ist das seit acht Jahren optisch unverändert angebotene zweisitzige Smart-Modell in 36 Ländern erhältlich.

In den USA soll der ursprünglich mit dem Uhren-Hersteller Swatch aus der Taufe gehobene Stadtwagen zu Preisen unter 15.000 Dollar (rund 12.000 Euro) angeboten werden. Um die Verkaufszulassung für die USA zu erhalten, muss das Auto unter anderem im Innenraum und am Tank modifiziert werden. Zudem wird der Stauraum vergrößert. In welchen Bundesstaaten der USA der Smart verkauft werden soll, steht auch nach mehr als einjähriger Analyse des Marktpotenzials nicht fest.

Die seit Jahresbeginn vom ehemaligen Chrysler-Chef Dieter Zetsche geführte Smart-Mutter Daimler-Chrysler hatte sich auf die Prüfung der Vertriebswege konzentriert und sich gegen einen Verkauf über eigene Händler entschieden. Die Kostenstrukturen der als Partner ausgewählten Franchise-Kette UnitedAuto sei günstiger als der Mercedes- oder Chrysler-Vertrieb, begründete Walker die Entscheidung.

United Auto soll Mitte 2007 mit dem Aufbau des Händlernetzes beginnen und für dessen Unterhalt in den USA und in Puerto Rico verantwortlich sein. United Auto mit Sitz in Michigan wird von Roger Penske geführt, einem langjährigen Geschäftspartner von Daimler-Chrysler in den USA. Von Penske hatte Daimler-Chrysler im Jahr 2000 den Lkw-Motorenhersteller Detroit Diesel übernommen. Über die finanziellen Details der Zusammenarbeit mit der börsennotierten Handels- und Werkstattkette machte der Konzern keine Angaben.

Analysten nahmen den erwarteten Verkaufsstart in den USA zurückhaltend auf. „In Mailand ist es nützlich, ein Auto zu haben, dass man auf dem Gehsteig parken kann“, sagte ein Analyst einer großen Bank in London. „Aber die Fahrzeuggröße ist kein Problem für die USA. Dort zählt der Spritverbrauch.“ An der Börse wurden Daimler-Chrysler-Aktien mit einem Abschlag von 0,3 Prozent bei 37,12 Euro gehandelt.

Analyst Marc-Rene Tonn sagte, dass es „schwierig sein wird, das Fahrzeug in den USA profitabel anzubieten“. Es mache aber Sinn, wenn die Vorteile aus höheren Stückzahlen die zusätzlichen Kosten für den Aufbau des Vertriebsnetzes sowie der für die USA notwendigen veränderten Fahrzeug-Spezifikation überwiegen. Der Vertrieb durch eine Automobilhandelsgruppe sei dabei „relativ preiswert“.

Smart sieht sich mit einer Reichweite von 40 Meilen (rund 1,6 Kilometer) pro Gallone (rund 3,8 Liter) Benzin als Profiteur der auch bei den Autofahrern in den USA wachsenden Bedeutung des Spritverbrauchs. Im Schnitt kommen Pkw in den USA derzeit mit einer Gallone (knapp 3,8 Liter) Treibstoff rund 30 Meilen (48 Kilometer) weit. An der in den USA beliebten Antriebskombination von Elektro- und Verbrennungsmotor will Smart weiterarbeiten und künftig einen solchen Hybrid-Motor möglicherweise auch in den Smart einbauen, sagte Smart-Chef Walker.

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