Maserati Ghibli ist Firmenauto des Jahres
Eine italienische Affäre

Bei der Wahl zum "Firmenauto des Jahres 2015" gibt es in der oberen Mittelklasse einen echten Überraschungssieger. Gehen den Fuhrparkprofis die Emotionen durch?
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DüsseldorfAuf Italienisch klingt alles besser, passionierte Ferraristi und Ducatisti wissen das. Was Lancia-, Maserati-, Lamborghini- und Alfa-Romeo-Fans die Häärchen auf den Unterarmen aufrichtet, treibt nüchtern kalkulierenden Fuhrparkmanager aber Tränen in die Augen: Exotische und technisch unzuverlässige Geschosse haben in ihren Dienstwagenplänen nichts verloren. Bis Donnerstagmorgen. Als die Ergebnisse der Wahl zum „Firmenauto des Jahres 2015“ bekanntgegeben wurden.

In der so teuren wie prestigeträchtigen und hart umkämpften „oberen Mittelklasse“ heißt der Sieger: Maserati Ghibli. Der Fachmann stutzt, der Laie reibt sich die Augen: Und die früheren Seriensieger? Audi A6, Mercedes E-Klasse und 5er-BMW, die Vorführwagen unserer Premium-Kultur? Sie folgen abgeschlagen auf den Plätzen. Zusammen mit Lexus und Jaguar.

Was war da los, bei der Wahl der Fachzeitschrift „Firmenauto“ und der Sachverständigenorganisation Dekra? Sakrileg durch Abstimmungsfehler, Tabubruch mit Fuhrparkmanagern auf Drogen? Mitnichten, wie die Typenbezeichnung des stolzen Siegers zeigt: 3.0 Diesel. Das ist neu: Ein für seine Antrittskraft und Genügsamkeit gerühmter Selbstzünder tuckert fröhlich im neuen Ghibli an der Stelle, wo früher V8 aus Maranello lebenslustig brüllend hochoktanigen Sprit soffen.

Emotional hat die Traditionsmarke aus Bologna mit dem Dreizack im Logo, die 2014 Hunderjähriges Jubiläum feierte, uns ja schon immer fasziniert. Weil wir Oldtimer lieben und Exoten gern anschauen, aber nicht für den Alltag kaufen. Dass nun mit scharfem Stift rechnende Fuhrparkprofis die fast fünf Meter lange Limousine mit 275 PS als typisches Geschäftsführerfahrzeug empfehlen, freut uns gleich doppelt.

Einmal haben die Italiener es per cleverem Soundcomposing geschafft, dem Ghibli trotz Dieselmotor einen V8-Sound zu verpassen. Eine Klang-Bereicherung, die ebenfalls auf Italienisch einfach besser klingt. Die Ledersitze in rassigem Rosso-Trofeo-Rot wirken auch intensiver als kleinkariertes Tuch.

Zweitens zeigt der Flirt der Dienstwagen-Spezialisten, dass wir Deutschen zu einer italienischen Affäre emotional überhaupt in der Lage sind. Oft beklagen Management-Experten ja mangelnde Entschlusskraft, fehlende Risikofreude.

Der Ghibli löst beide Probleme.  Wer sich den Wagen als GmbH-Chef zutraut, der zeigt Flagge auf dem Parkplatz. Und er hat beim Kundenbesuch zwei Optionen: Er sagt entweder selbstbewusst „Naturalmente fahre ich Maserati“. Oder, deutsch-typisch: „Ist aber ein Diesel“.

Die Entscheidung, dass die italienische Affäre ein Flirt bleibt, und nicht bis zur Silberhochzeit halten muss, dafür sorgt wieder der Fuhrparkmanager. Nächstes Jahr werden neue Sieger gekürt, und der frische Dienstwagen kommt in spätestens drei Jahren. Dann vielleicht aus China.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor

Kommentare zu " Maserati Ghibli ist Firmenauto des Jahres: Eine italienische Affäre"

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  • Sollte es Maserati gelungen sein, Werkstattaufenthalte deutlich zu minimiert zu haben, wäre das natürlich schon fein. Dann wäre sowas als Dienstwagen eine echte Wahlmöglichkeit.
    Schaun mer mal.

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