Materialtrends im Auto-Innenraum
Schöner Wohnen auf der Straße

Rund 300 Stunden verbringt der Durchschnittsdeutsche pro Jahr hinter dem Steuer seines Autos. Das Ambiente im Innenraum sollte daher stimmen. Gleichzeitig müssen Pkw-Cockpits aber noch ganz andere Anforderungen erfüllen.
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Wer aus einem 20 Jahre alten Kleinwagen in ein aktuelles Modell des gleichen Segments umsteigt, muss sich vorkommen wie in einer Oberklasselimousine. Wo früher Hartplastik knarzte, gibt es heute weich hinterschäumten Kunststoff, statt dünner Türpappen auf nacktem Blech finden sich schallschluckende Stoffmatten mit ergonomisch geformten Armauflagen. Und selbst Leder ist in einigen Modellen schon an Armaturenbrett und Sitzen zu sehen.

„Der Trend geht schon seit geraumer Zeit zu höherwertigen Werkstoffen in sämtlichen Fahrzeugsegmenten“, weiß Oliver Becker, Innovations-Experte für Pkw-Innenräume beim Zulieferer Johnson Controls. Im Showroom der Firma im rheinischen Neuss steht er vor der Instrumententafel einer Mittelklasselimousine und streicht über die Oberfläche des Armaturenbretts. Weich ist sie, und das Material sieht aus wie Leder.

In Wahrheit handelt es sich um sogenannte Slush-Haut, eine aufwendig gearbeitete Folie mit fühlbarer Struktur, hinterschäumt von flexiblem Kunststoff. Mittlerweile ist sie sogar schon in kleinen Fahrzeugen zu finden, nicht ganz so ledernah wie in dem ausgestellten Premiummodell, aber ebenfalls weich und angenehm anzufassen. Kein Vergleich auf jeden Fall mit dem in diesem Segment immer noch vorherrschenden Hartplastik.

Dass ein Pkw-Cockpit eine weiche Oberfläche haben muss, hat keine konstruktiven Gründe. „Einen Sicherheitsvorteil bei einem Unfall haben Sie dadurch nicht“, sagt Becker. Aber die Kunden würden das nachgiebige Material mit Qualität und Wertigkeit assoziieren. Harte Plastik-Armaturenbretter werden heute in Europa nur noch im niedrigsten Preissegment akzeptiert.

Für Becker und seine Kollegen führt die Innenraum-Aufwertung quer durch alle Klassen aber zu einem neuen Problem: Wenn Leder selbst in Kleinwagen schon zu haben ist, wie soll man da eine Oberklasselimousine noch schicker ausstaffieren?

Die Zulieferer müssen sich also Gedanken machen. Aufwendiger Verarbeitungen mit gesteppten Nähten, Prägungen oder kleinen Perlen-Applikationen wären denkbar. Oder vielleicht Seide als neues Top-Material. Vor allem der chinesische Markt verlangt neue Ideen, sind die Fahrer von S-Klasse und Co. dort doch jünger und anspruchsvoller als die gute alte Wurzelholz-und-Nappaleder-Kundschaft im Westen.

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