Matsch- und Regenwetter: Richter bremsen Pfützen-Raser

Matsch- und Regenwetter
Richter bremsen Pfützen-Raser

Unfreiwillige Duschen sind im Winter für Fußgänger keine Seltenheit: Matschpfützen und Wasserlachen werden schnell zu Dreckfontänen. Die Richter haben für Rüpeleien von Rasern wenig Verständnis.

Lübeck. Ein Lkw-Fahrer bretterte über eine von Matschhaufen übersäte Allee und löste dabei einen Wasserschwall aus, der zwei Radfahrer und einige Fußgänger erwischte. Die unfreiwillig Getauften verständigten die Polizei. "Verstoß gegen das Gebot der Rücksichtnahme", urteilten die Ordnungshüter. Gegen den Bußgeldbescheid zog der Brummifahrer vor Gericht – ohne Erfolg. Auf nassen oder matschigen Straßen müssten Kraftfahrer notfalls Schritttempo fahren (Oberlandesgericht Schleswig, Ss 268/55).

Düsseldorf. Genauso sehen das die Juristen im Rheinland. Wer "mit Schwung" in eine Pfütze fahre und so Fußgänger nass mache, fahre "offensichtlich" zu schnell. Somit sei ein Bußgeld wegen Verstoßes gegen die Rücksichtnahmepflicht fällig (Oberlandesgericht Düsseldorf, 1 Ss 487/65). Aktuell müssen Pfützen-Rowdys in solchen Fällen 35 Euro an die Staatskasse zahlen.

Köln. Eine Studentin wollte in die Straßenbahn steigen, als ein dreister Autofahrer doch noch an der haltenden Tram vorbeifuhr – mitten durch eine brackige Pfütze. Da die junge Frau sich danach fühlte, als habe ihr jemand "einen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet", sprach ihr der Richter 125 Euro Schmerzensgeld zu. Er konstatierte eine "nicht unerhebliche Beeinträchtigung des Wohlbefindens" (Amtsgericht Köln, 142b C 3678/78).

Frankfurt. Ein Ehepaar und seine beiden Kinder gingen in der Innenstadt spazieren, als ein städtischer Bus bei der Anfahrt auf eine Haltestelle einen Haufen Schneematsch durchpflügte. Hosen und Jacken der Familienmitglieder waren danach völlig verdreckt. 75 Prozent der Reinigungskosten musste die Kommune zahlen, da der Busfahrer nach Ansicht des Richters zu schnell unterwegs war. Allerdings treffe die Familie eine Teilschuld, da in der Nähe von Haltestellen besondere Vorsicht angesagt sei (Amtsgericht Frankfurt, 32 C 2225/94-19).

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