Medienbericht: Rüpel-Radlern drohen höhere Bußgelder

Medienbericht
Rüpel-Radlern drohen höhere Bußgelder

Viele Radfahrer dürften sich in diesen Tagen etwas verfolgt fühlen. Erst die verbale Attacke auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag, und nun auch noch ein neuer Bußgeldkatalog.
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DüsseldorfViele Radfahrer dürften sich in diesen Tagen etwas verfolgt fühlen. Erst die verbale Attacke von Kay Nehm, dem Präsidenten des Deutschen Verkehrsgerichtstages, und nun auch noch ein neuer Bußgeldkatalog, dem laut "Bild" der Bundesrat bereits am Freitag zustimmen soll.

Radfahrer müssen bei Verkehrsverstößen nach Informationen der Zeitung künftig mit härteren Strafen rechnen. Wie das Blatt in seiner Mittwochsausgabe unter Berufung auf Unterlagen aus dem Bundesverkehrsministerium berichtet, wurde der Bußgeldkatalog überarbeitet. Demnach werden die Strafen für Verstöße von Radfahrern generell um fünf bis zehn Euro angehoben. Ein normaler Regelverstoß kostet dann 15 statt bisher zehn Euro.

So soll Fahren auf dem Fußweg je nach Situation künftig mit 10 bis 20 Euro geahndet werden (statt bisher 5 bis 20). Wer den Radweg nicht benutze, werde 20 bis 35 Euro zahlen müssen (statt 15 - 30), heißt es weiter. Fahren ohne Licht koste dann 20 statt 15 Euro.

Weiter vorgesehen sind Bußgelder von 15 bis 40 Euro für das Nichtbenutzen der rechten Fahrbahn (bisher 10 – 35 Euro) und 20 - 35 Euro für falsches Einbiegen in eine Einbahnstraße (bisher 15 – 30 Euro), Fahren in Fußgängerzone soll 15 – 30 statt 10 – 25 Euro​ kosten. Am Freitag bereits soll der geänderte Bußgeldkatalog den Bundesrat passieren.

Beim 51. Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar hatte Kay Nehm in der vergangenen Woche erst die zu lasche Bestrafung von Rad-Rowdys angeprangert. Die "offensichtliche behördliche Duldung lebensgefährlicher Verhaltensweisen" sei ein Skandal, sagte Nehm.

Die Polizei solle stärker gegen rüpelhafte Radfahrer vorgehen, forderte der Präsident des Deutschen Verkehrsgerichtstages. Autofahrer müssten in der dunklen Jahreszeit höllisch aufpassen: „Kaum ein Radler fährt mit vorgeschriebener Beleuchtung, kaum ein Radler kümmert sich um Fahrtrichtung oder um Ampeln“. Unaufmerksame Kraftfahrer müssten bei Unfällen dann noch für den Schaden aufkommen.

Dagegen hatte sich der Radfahrerverband ADFC gewehrt. „34 Millionen Menschen fahren fast täglich Fahrrad. Selbstverständlich benehmen sich die allermeisten davon im Verkehr sehr vernünftig“, sagte ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork in einer Reaktion auf Nehms Äußerung. In der Summe begingen Radler nicht mehr Verkehrsverstöße als Autofahrer.

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov forderten auch 82 Prozent der Deutschen mehr Polizeikontrollen und höhere Geldstrafen für Radfahrer, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten. 81 Prozent gaben an, sie fühlten sich am Steuer von Autos bedroht, wenn ihnen in der Dunkelheit Radfahrer ohne Licht begegnen.

Mit dem neuen Bußgeldkatalog sollen dem "Bild"-Bericht zufolge aber auch Autofahrer, die Radfahrer behindern oder gefährden, künftig stärker zur Kasse gebeten werden. Wer auf Radwegen parkt, zahlt dann 20 bis 30 statt bisher 15 bis 20 Euro Strafe. Wer beim Ein- und Aussteigen nicht auf Radfahrer achtet, wird mit 20 statt bislang zehn Euro Bußgeld verwarnt.

Kommentare zu " Medienbericht: Rüpel-Radlern drohen höhere Bußgelder"

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  • Zu der Problematik "Fahrradrüpel" ein Zitat nach Lester Thurow (führender US-Ökonom): "Gesetze, die nicht vollstreckt werden können sind schlechter als überhaupt keine Gesetze, da sie Verachtung in das Rechtssystem hervorrufen."

  • Noch so ein Gesetz für Potemkinsche Dörfer. Wenn die Gesetzeseinhaltung mit der gleichen Wertigkeit wie die Erhöhung der Strafen für Drängler umgesetzt wird, kann man sich das Drucken der Gesetze wirklich sparen. Es liegt doch nicht an fehlenden Gesetzen, sondern an deren Nichtüberwachung. Und sollte tatsächlich einmal jemand zur Kasse gebeten werden, sind die Sanktionen ein Witz. Hat sich mal jemand gefragt, weshalb die Geschwindigkeitsvorgaben auf den Autobahnen in Frankreich so strikt eingehalten werden? Drakonische Strafen.

  • Danke für die Info bzgl. Fahrrad Zivilstreife.
    Das müsste auf ganz breiter Front eingeführt werden.
    Und Verklehrsplaner/Politiker sollten sich einfach mal in den Niederlanden oder auch so Städten wie Kopenhagen umschauen. Reisen bildet (den ein oder anderen).

  • Die Fahrrad-Zivilstreifen gibt es längst, zumindest in Uni-Städten wie Freiburg und Münster, aber auch in Berlin. Die Freiburger Polizei ging sogar deutschlandweit durch die Presse, weil sie mobile Videotechnik einsetzt, um "Fahrrad-Rüpel" dingfest zu machen.

    Solange sich in den Köpfen nichts ändert und selbst der Präsident des deutschen Verkehrsgerichtstag den Stammtischparolen gegen Fahrradfahrer höchste Ehren verleiht, werden Polizisten im städtischen Straßenverkehr nur in die ein Richtung fahnden. Und wenn wieder mal ein Fahrradfahrer zwischen Lastwagenreifen zerquetscht wird, wird mit einem 'geschieht ihm grad Recht' nachgetreten. In Freiburg geht das soweit, dass bei jedem Artikel zu einem tödlichen Unfall mit einem Fahrradfahrer erstmal festgestellt wird, ob er nicht womöglich doch über eine rote Ampel gefahren ist...

  • Bericht 6 km Fahrradfahrt in Düsseldorf, vom OT Hafen
    nach Derendorf Teil 2:
    Dann die ersten Querungen der Einfallstraßen: Oberste Regel: Wenn die Fußgängerampel auf Grün springt - warten und versichern dass wirklich kein Auto mehr kommt. In 50 Prozent aller Querungen kreuzt noch Auto, obwohl die Fußgängerampel grün zeigt! Die letzten Kilometer über vereiste Seitenstraßen, die im Normalfall immer zugeparkt sind und zum Slalomfahren zwingen. Ich fahre grundsätzlich mittig auf der rechten Fahrbahn - ansonsten laufe ich Gefahr, von entgegenkommenden Autofahrern nicht für voll genommen zu werden und abgedrängt werde. Die Straßenverkehrsordnung ist hier im übrigen eindeutig: Der Radfahrer hat äußerst rechts zu fahren! Kann ich keinem empfehlen - dann wird man hemmungslos abgedrängt - im morgendlichen Berufsverkehr. Noch ein Punkt zu Querungen - Autofahrer halten bei Rückstau hemmungslos auf Fuß- und Radwegen und versperren die Querungen. Den meisten ist es dabei nicht einmal klar, dass sie sich rechtswidrig verhalten, wenn sie Überwege und Querungen für Fuß- und Fahrräder versperren.
    Tipp an die liebe Polizei und an das Ordnungsamt: Schickt doch allmorgendlich Fahrradtruppen in Zivil in den morgendlichen Berufsverkehr auf typische Straßen, die z. B. von Schülern benutzt werden müssen (täte dem OB übrigens auch nicht schaden, sich morgens per Fahrrad ins Büro zu bewegen) - vielleicht gewännen hier einige Leute dann doch ganz andere Erkenntnisse, die sich dem Auto fahrendem Beamten nicht erschließen!

  • Bericht 6 km Fahrradfahrt in Düsseldorf, vom OT Hafen
    nach Derendorf Teil 1:
    Zunächst benutze ich mit meiner schulpflichtigen Tochter (10J), den neu angelegten Fahrradstreifen auf der Hammer Straße. Dieser Fahrradstreifen wurde vom OB pompös als Verbesserung der Verkehrssituation verkauft. Zuvor hatten sich die anliegenden Gastwirte über den alten Fahrradstreifen (Kombination aus Fuß/Fahrradweg) erfolgreich beschwert, weil er mitten durch die von der Stadt genehmigten lukrativen Außengastronomie führte. Die Gastwirte sind jetzt zufrieden - meine Tochter und ich fahren jetzt im Slalom über die Straße - immer wieder versperren schon morgens die Lieferanten der Gastronomie den Fahrradstreifen. Auch die Kundschaft parkt hier wie selbstverständlich auf dem Fahrradstreifen um sich ein Brötchen oder einen CoffeeToRUN zu holen. Die Gastronomie ist zufrieden! Meine Tochter und ich fahren mitten auf der Straße. Hinter uns ein Liniebus und zig andere Autos die überholen wollen. Die Stadt hat also eine sichere Radspur zugunsten der Außengastronomie verschwinden lassen. Geschäft geht hier halt eindeutig vor Sicherheit. Die Autos und Lieferanten -LKWs haben die Radspur auf der Straßenfahrbahn dankend als Park- und Halteplatz angenommen! Endlich am Landtag angekommen - ab hier herrschen tatsächlich paradiesische Zustände für Fußgänger und Fahrradfahrer auf eigenen Wegen, die im Winter sogar geräumt sind. Hinter der Oberkassler Brücke geht es wieder los. Links gibt es einen Fahrradweg - unklar, ob er in beiden Richtungen benutzt werden darf. Rechts kann man nur eine schwer befahrene Straße oder den Fußweg nutzen. Keine sichere Alternative zum linken Fahrradstreifen.

  • Was soll ich nun noch hinzufügen? Ich wurde von vor 2 Jahren von einem LKW mit Anhänger von einer Straße auf den Seitenstreifen gedrängt als er mich überholte. Ich erstatte Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Diese stellte das Verfahren ein mit der Begründung, dass Menschenleben nicht gefährdet wurden und ein Sachschaden nicht zu erkennen war. Wäre ich nicht ausgewichen, wäre ich unter dem Hänger des Lastwagens gelegen.

    Andere Begebenheiten haben mir gezeigt, dass man als Fahrradfahrer oft als Störenfried im Verkehr vorverurteilt wird. Sowohl von motorisierten Verkehrsteilnehmern als auch von den Ordnungshütern.

  • Ein hoeheres Bussgeld als 1,75 Euro lehne ich ab.

  • Die Form in der das Thema in den Medien behandelt wird, zeigt wie verschoben der Blick auf die wirklichen Gefahren sind.
    In Anlehnung an einen ähnlichen Spruch bezgl. Motorradfahrern gilt:
    "Fahrradfahrer töten nicht - sie werden getötet".
    Ähnliches gilt für schwere Verletzungen.
    Wenn ein Radfahrer bei Rot über die Ampel fährt dann gefährdet er sich vor allem selber (evtl. noch Fußgänger). Wenn ein PKW/LKW bei Rot über die Ampel fährt, dann werden in erster Linie andere gefährdet - vor allem droht in diesem Fall meist umittelbare Lebensgefahr.
    Diese unterschiedlichen Gefährdungspotentiale müssen auch bei der Bewertung der Schwere eines Verkehrsverstoßes einfließen.
    Alles andere ist unsinniger Populismus von Gremien, die mal klappern um ihre Existenz zu rechtfertigen.

    Einen Tag Fahrradpraxis in einer deutschen Großstadt könnten gewissen adipös-dumpfen Politikern die Augen öffen.
    Ich frage mich im übrigen warum es eigentlich keine Fahrrad-Zivilstreifen gibt - gerne auch um "Rüpelradler" rauszufiltern.

  • So ein quatsch! Man sollte sich lieber ein mal bei den Radfahrern bedanken, dass sie die Umwelt schonen. In Stockholm zB bedankt sich die Stadt bei den Fahrradfahrern, indem mehrmals im Jahr kostenlose Fahrradreparaturen angeboten werden und jeder Radler ein Geschenk bekommt. Außerdem gibt es hervorragende Fahrradwege, die auch im Winter selbstverständlich geräumt werden. Dies ist hier in München zB gar nicht der Fall; es gibt kaum Radwege und die werden auch nicht geräumt. Wie soll man die dann bitte im Winter benutzen?

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