Nachrichten
Mehr Bedenkzeit bei der Autoausstattung

Spätentschlossene und Wankelmütige haben beim Autokauf immer mehr Bedenkzeit. Weil die Produktion zusehends flexibler wird, können Kunden auch kurz vor Beginn der Fertigung noch die Ausstattung oder den Lack ihres Wagens ändern.

dpa/gms STUTTGART/LIMBURG. Spätentschlossene und Wankelmütige haben beim Autokauf immer mehr Bedenkzeit. Weil die Produktion zusehends flexibler wird, können Kunden auch kurz vor Beginn der Fertigung noch die Ausstattung oder den Lack ihres Wagens ändern.

Wie wichtig dem Kunden individuelle Ausstattung ist, belegen die Zahlen von Mercedes-Benz: Nach Angaben des Herstellers in Stuttgart kaufen etwa 70 Prozent der europäischen Kunden ein Fahrzeug, das genau nach ihren Wünschen, also „built to order“, produziert worden ist. Im vergangenem Jahr seien nur zwei von 400 000 Autos, die in Sindelfingen produziert wurden, identisch gewesen.

Weil zwischen Kaufvertrag und Auslieferung häufig mehrere Wochen oder Monate liegen, ermöglicht beispielsweise Mercedes-Benz seinen Kunden, bei Bestellungen von Wagen aus deutschen Werken, noch bis sechs Tage vor Produktion Wagenfarbe, Sitzbezüge und Sonderausstattung zu ändern.

Importeure haben es da schwerer. Doch in ihren europäischen Werken bieten auch Mazda, Toyota oder Nissan Service für Spätentschlossene: „Auch in unserer Fabrik in Sunderland können wir die Konfiguration eines Fahrzeuges noch bis sechs Tage vor Produktionsbeginn ändern“, sagt Nissan-Sprecherin Kirsten Schmitz in Brühl.

„Natürlich ist Flexibilität ein schönes Element der Kundenpflege“, sagt Marktbeobachter Nick Margetts. „Doch streng genommen ist sie nur Nebeneffekt der durchgreifenden Sparmaßnahmen“, so der Geschäftsführer des Instituts Jato Dynamics in Limburg (Hessen). „Mit dem Siegeszug des Just-in-Time-Prinzips und der flexiblen Produktionsstraßen für mehrere Modelle auf einem Band werden 'Last-Minute-Änderungen' zu einer leichten Übung“.

Ob das System für Verbraucher tatsächlich einen praktischen Nutzen hat, sei fraglich. „Denn der Privatkäufer hat sich in der Regel sehr wohl überlegt, wie der neue Wagen auszusehen hat“. Einzig die Farbe werde im Familienrat noch bis zum Schluss diskutiert. Vorteile sieht Margetts dagegen für Flotten- und Firmenkunden. In der Geschäftswelt könne sich während einer dreimonatigen Lieferfrist viel ändern.

Zum Teil sind aber auch nach Produktionsende noch Änderungen möglich. So kann der neue Kleinwagen von Citroën mit Deutschlandsitz in Köln für etwa 170 Euro nachträglich mit einem Drehzahlmesser ausgerüstet werden. Chrysler hat laut Sprecher Markus Hauf für den Crossfire ein Interieur-Paket entwickelt, das für 390 Euro neue Zierteile für die Mittelkonsole, Schaltknauf und Armlehnen enthält.

Noch weiter geht Peugeot beim 1 007. Damit der Kleinwagen modisch im Trend bleibt und Schokoladenflecken auf dem Rücksitz nicht dauerhaft stören, haben die Franzosen laut Sprecher Bernhard Voss neun so genannte „Caméléo“-Pakete entwickelt. Für 243 Euro bieten sie 18 farbige Zierteile für Polster, Ablagen und Konsolen.

Smart-Fahrer können sogar die Wagenfarbe wechseln. Dafür werden die Teile der Kunststoffkarosserie ausgetauscht. Die Aktion kostet laut Sprecher Hubert Kogel zwischen 825 und 1 225 Euro. Dennoch lassen nur 0,8 Prozent der Kunden in Deutschland die „Body Panes“ wechseln - meist aus ganz praktischen Gründen: “Der Austausch erfolgt in der Regel erst nach einem Parkrempler oder einem Unfall.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%