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Mehr Farbe bei Autolackierungen

Autofahrer sind auf dem Weg in eine bunte Zukunft. Auch wenn bei den aktuellen Neuzulassungen noch Silber und Schwarz vorherrschen, erwarten Designer und Trendforscher der Lackindustrie künftig wieder mehr Farbe auf der Straße.

dpa/gms MüNSTER/HILDESHEIM. Autofahrer sind auf dem Weg in eine bunte Zukunft. Auch wenn bei den aktuellen Neuzulassungen noch Silber und Schwarz vorherrschen, erwarten Designer und Trendforscher der Lackindustrie künftig wieder mehr Farbe auf der Straße.

Nach Einschätzung der Experten werden vor allem neue Lackeffekte für Abwechslung im Einheitssilber sorgen. „Dieses Einerlei wird abgelöst von silbernen Tönungen mit einem Hauch von Grün, Blau oder Beige, die neue Farbnuancen auf die Karosserien bringen“, sagt Designerin Michaela Finkenzeller vom Lackhersteller Basf Coatings in Münster. Außerdem werde es künftig eine Reihe neuer Spezialeffekte geben, die Farben bewusst mehrdeutig erscheinen lassen.

Auch die Oberflächen werden sich ändern: Künftig wird mit Kontrasten gespielt und häufiger zwischen sanften, matten und kühlen, glänzenden Lacken gewechselt. Wie weit dieser Glanz gehen kann, hat Mercedes auf dem Genfer Salon mit der Sonderlackierung für seine neuen Dieselmodelle demonstriert. Der Lack, der nach Angaben von Pressesprecher Norbert Giesen im Lauf des Jahres über das designo-Programm auch als Individualausstattung verfügbar sein wird, glänzt wie flüssiges Metall.

„Die Farbe spannt sich wie eine metallische Haut über die Blechteile, betont die Design-Linien stärker als jede andere Lackierung und macht sie durch gezielte Lichtreflexionen noch lebendiger“, umschreibt Mercedes-Designchef Peter Pfeiffer den Effekt. Möglich macht dies ein Verfahren, das bei Mercedes laut Giesen weltweit zum ersten Mal eingesetzt wird: „Die nur 100 bis 300 Nanometer kleinen Pigmente, die bei einem herkömmlichen Lack für den Metallic-Effekt sorgen, sind bei diesem neuen ALU-Beam-Lack nur 30 bis 50 Nanometer groß und fügen sich dadurch noch gleichmäßiger in die Oberfläche des Lacks ein“, sagt Giesen.

Zwar könnten solche Töne künftig für mehr Farbenfreude auf der Straße sorgen. Doch wird die Zulassungsstatistik nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) in Flensburg schon seit Jahren von grauen und silbernen Fahrzeugen beherrscht. So war im Jahr 2004 fast jeder zweite Neuwagen (46 Prozent) in Grau oder Silber lackiert. Schwarz kommt auf einen Anteil von 24 Prozent, Blau erreicht 19 Prozent, und vermeintlich peppige Töne wie Rot oder Grün erreichen nur jeweils vier Prozent.

Eine schnelle Änderung im automobilen Einheitslook ist nicht zu erwarten. Während ein Kleid oft nur einen Sommer getragen werde, fahre man ein Auto im Schnitt rund fünf Jahre. „Deshalb ist die Automobilindustrie der Architektur näher als der Mode: Eine Fassade streicht man auch nicht alle zwei Jahre neu“, erklärt Markus Schlegel, Professor für Gestaltung an der Fachhochschule Hildesheim.

Zudem sei das Auto anders als etwa ein Kleid nicht nur ein Designprodukt, sondern auch ein Statussymbol. Schlegel verweist auf den Trend zu dunklen Farben, die Privatwagen wie Staatslimousinen erscheinen lassen. Schwarz stehe für Status. Bei den so genannten Fun-Cars, bei Kleinwagen und Cabrios sieht die Sache anderes aus: „Diese Autos werden schon heute bunt bestellt“, sagt Schlegel. „Weil darin aber vor allem junge Besserverdiener sitzen, werden künftig vielleicht auch größere Autos wieder bunter, wenn Smart- und Mini-Fahrer ihre ersten Limousinen kaufen.“

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