Mercedes A-Klasse
"Alles andere als langweilig"

Mit der neuen A-Klasse wollen die Stuttgarter die Kompaktklasse aufmischen. Wie das funktionieren soll, erklärt Mercedes-Vertriebschef Joachim Schmidt bei einer Ausfahrt mit dem A 250.
  • 7

Stuttgart/DüsseldorfDer erste Versuch im Herbst 1997 sorgte für Hohn und Spott: Die A-Klasse hatte die Neigung, bei heftigen Lenkmanövern aufgrund des hohen Schwerpunkts aus der Balance zu kommen und zu kippen. Die Konstruktionsschwächen, die sich beim sogenannten Elchtest offenbart hatten, wurden durch den Einbau eines elektronischen Schleuderverhinderers und strafferer Federn zwar beseitigt. Doch der Ruf der Marke war dadurch erst einmal lädiert.

Beim zweiten Versuch, mit dem frontgetriebenen Minivan in der Golfklasse Fuß zu fassen, waren die Kinderkrankheiten der A-Klasse zwar beseitigt. Aber ein Hit wurde der Baby-Benz immer noch nicht. In acht Jahren Produktionszeit wurden von dem werksintern W169 genannten kleinsten Mercedes zwar mehr als eine Million Exemplare verkauft. Aber weder erzielte der Konzern mit dem Modell ordentliche Renditen, noch erreichte man mit der A-Klasse die anvisierte jüngere Zielgruppe. Geschätzt wurde das Auto wegen seiner konstruktionsbedingt hohen Sitzposition vor allem von Senioren.

Bei der Entwicklung der dritten Generation der Mercedes A-Klasse, die nächste Woche auf den Markt kommt, entschloss sich die Konzernleitung deshalb zu einem radikalen Neubeginn, einem freiwilligen Sprung zurück auf Los: weg vom Minivan – hin zu einer sportlichen Optik und damit, so hofft Daimler, zu einer jüngeren Klientel: Die hohe Sitzposition in der alten A-Klasse zog eher die Generation 50plus an und ließ Jüngere zur Konkurrenz abwandern. Die neue A-Klasse nun ist eine Kampfansage an die Premiumkonkurrenten Audi A3 und 1er-BMW, aber auch an den neuen VW Golf.

Vertriebschef Joachim Schmidt lässt sich nicht lange bitten, das neue Fahrzeug persönlich vorzustellen. Zur Probefahrt rund um Stuttgart hat sich „Mister Mercedes“ das Top-Modell ausgesucht: einen A250 Blue Efficiency in Sportausführung, 211 PS stark und knallrot lackiert.

Schmidt schwingt sich hinter das Steuer und lenkt das Auto vom Gelände der ehe-maligen Konzernzentrale in Möhringen auf die Landstraße nach Leonberg.

Wirtschaftswoche: Herr Schmidt, wenn ich mir die Ausstattung unseres Testwagens ansehe – das ist jetzt aber nicht das Basismodell?

Schmidt: Nein, das ist der A250 mit einem AMG-Kit. Das ist eine der Top-Versionen. Aber Sie sollen das Auto ja von seiner besten Seite kennenlernen. Der Testwagen ist mit Ledersitzen ausgestattet, auch Armaturenbrett und Lenkrad sind mit Rinderhäuten bezogen. Die Pedalerie glänzt in Aluminium, der Instrumententräger schimmert in Carbonoptik. Alles in allem kommt der Testwagen auf einen Preis von fast 49.000 Euro. Die meisten Käufer der A-Klasse dürften eine spartanischere Version wählen? Schmidt: Auch das Basismodell für 24.000 Euro haben wir sehr gut ausgestattet, zum Beispiel mit einem serienmäßigen Kollisionswarnsystem, mit einem sehr guten Audiosystem und mit unserem Müdigkeitserkennungssystem Attention Assist.

Einschlafwarner ist ein gutes Stichwort. Einige meiner Kollegen finden, Mercedes sei langweilig geworden.

Das ist sehr amüsant, denn anderen Ihrer Kollegen sind wir zu aufregend. Aber ernsthaft: Wir haben so viele begeisternde, auch sportliche Autos. Nehmen Sie nur mal den SL, den SLK, den CLS, den SLS oder das C-Klasse Coupé. Auch die neue A-Klasse ist alles andere als langweilig.

Wie zum Beweis drückt Schmidt das Gaspedal kräftiger durch. Das Auto reagiert sofort, macht einen Schuss nach vorn. Ist das noch die A-Klasse? Das Modell der ersten Generation war eine Mixtur aus Stadtwagen, Familienauto und Mini-Van. Motor und Getriebe waren platzsparend teils vor und teils unter der Fahrgastzelle untergebracht. Dieses Sandwichkonzept gibt es künftig nur noch in der B-Klasse.

Warum dieser Schwenk?

Die alte A-Klasse war sehr erfolgreich, und viele unserer Kunden schätzen ihre erhöhte Sitzposition. Ihnen bieten wir jetzt unsere neue B-Klasse. Jüngere Leute schätzen die höhere Sitzposition dagegen nicht so sehr. Deshalb haben wir uns entschieden, mit der neuen Fahrzeuggeneration eine andere Strategie zu fahren.

Eine B-Klasse für die Senioren und eine A-Klasse für Yuppies?

Sie wären überrascht, wie viele junge Leute sich von unserer neuen B-Klasse angesprochen fühlen, gerade junge Familien. Wobei es nicht bei den zwei Modellen bleiben wird. Wir haben in dem Segment insgesamt fünf Autos in Planung.

Nämlich?

Nach der A-Klasse kommt im nächsten Jahr der CLA, ein wunderschönes viertüriges Coupé auf der Basis der A-Klasse. Wenn man so will, dann ist das ein kleiner CLS. Dann wird es noch einen kleinen Geländewagen geben.

Eine Cabrio wäre auch denkbar.

Wie aufs Stichwort kommt uns nur Minuten später ein „Erlkönig“ entgegen. Die Proportionen des mit allerlei schwarzen Folien abgeklebten Kompaktwagens verraten die Verwandtschaft zur A-Klasse, die stark abfallende Dachlinie auf eine Coupé-Variante. Zwei Sekunden später ist der Prototyp im Heckspiegel entschwunden. Schmidt verkneift sich jeden Kommentar dazu – die Zukunft ist Betriebsgeheimnis. Denkbar wäre es. Aber unter den fünf Autos dieser Generation wird es kein Cabrio geben.

Das ist richtig, aber mit einem so attraktiven Auto macht man seine eigene Konjunktur. Wir können die Einführungen von neuen Autos nicht mit Blick auf die Weltkonjunktur planen, sondern tun das nach unseren eigenen Zyklen. Natürlich gehen die Märkte in Südeuropa zurück, aber in Deutschland oder in England ist der Markt stabil – wir haben hier im ersten Halbjahr deutlich mehr Autos verkauft als im Vorjahreszeitraum. Wir sind deshalb ganz optimistisch.

Kommentare zu " Mercedes A-Klasse: "Alles andere als langweilig""

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich bin derzeit kein MB Fahrer und finde die Preise auch erschreckend. Nur habe ich mir mal die Mühe gemacht um den Vergleich DEM Preise und EUR Preise zu relativieren.
    Verglichen wurde ein C 220 CDI Grundpreis im Jahr 2000 53.592,00 inkl.16% MwSt. Geht man nun von einer jählichen Inflation von 2,5% und berücksichtigt die MwSt-erhöhung auf 19% so ergibt sich ein DEM Preis 2012 von ca. 72050 in EUR ca. 36850. Dieser liegt fast auf dem Wert des Neuen C 220 CDI BlueEFFICIENCY Limousine mit 37220. An diesem Beispiel kann ich keine immense Verteuerung eines Modelles festellen. Wenn es einem heute zu teuer ist wüsste es auch schon zu DEM-Zeiten so gewesen sein.

  • Ich gehöre "gefühlsmäßig" zur Zielgruppe. Nur das Alter liegt bei mir bei 51 Jahren. Brennend würde mich das geplante Klein-SUV-Auto auf Basis der A-Klasse interessieren. Leider gibt es das noch nicht. Das Auto erscheint erst 2015.

    Die normale A-Klasse ist für mich mainstreamig zu "normal". Zudem haben auch positive Dinge, wie die höhere Sitzposition und die Rundumsicht gelitten. Toll ist, dass der große Dieselmotor schon mit EURO6 verfübar ist. Das ist vorbildhaft.

    Bis 2015 kann ich aber nicht warten. Da mich aber die neue A-Klasse nicht emotional anspricht und ich 2013 schon etwas haben möchte, tendiere ich zum MINI Countryman. Der MINI Countryman hat auch eine gewisse Retrostyligkeit u. Verspieltheit, die man mag oder nicht. Leider steht noch nicht die Info, wann eine Dieselmaschine auch mit Euro6 verfügbar wird.

  • Hallo, ich hatte 2 MB (Beides Neugwagen 1x 50.000,00 EUR 1 x 70.000,00 EUR); die waren qualitativ so schlecht dass ich mir seither nicht mehr die Mühe mache ein Auto von MB zu konfigurieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%