Mercedes auf dem US-Markt
Die R-Klasse schwächelt

Mit Vans hat es bei Mercedes nie so recht geklappt. Nun sieht es so aus, als ob der neue Mercedes- und Daimler-Chef Dieter Zetsche auch an der neuen R-Klasse – von den Schwaben als neuartige Mischung aus Van, Kombi und Geländewagen angepriesen – keine rechte Freude hat. Auf dem US-amerikanischen Markt verlief der Start nur schleppend. Laut US-Instituten will die Nobelmark deswegen die Rabatte erhöhen.

hz FRANKFURT. Schon ein halbes Jahr nach Marktstart in den USA bessert der Konzern auf dem für das Modell wichtigsten Automarkt angesichts schwacher Absatzzahlen nach. Im März hat Daimler die Rabatte laut Informationen von US-Instituten auf bis zu 9 000 Dollar pro Fahrzeug aufgestockt. Eine Sprecherin betonte, dass Mercedes eine restriktive Rabatt-Politik verfolge, aber zu einzelnen Baureihen keine Aussagen mache. Händler hatten bereits beim Start des Fahrzeugs moniert, dass die Einstiegspreise von 48 775 Dollar in den USA und gut 51 000 Euro in Europa zu hoch seien.

Zetsche wehrte auf der Hauptversammlung vor einigen Wochen kritische Fragen zur R-Klasse ab. Es sei zu früh, um ein erstes Fazit zum Erfolg der R-Klasse zu ziehen, sagte Zetsche. Intern wird aber diskutiert, in der Basisversion wieder eine konventionelle Rückbank einzubauen und eventuell auch eine Version ohne Allrad auf die Straße zu bringen, um den Wagen günstiger zu machen, heißt es in der Branche. Die Daimler-Manager reagieren damit auf bisher enttäuschende Verkaufszahlen des im US-Staat Alabama gemeinsam mit dem Geländewagen GL und der M-Klasse produzierten Modells. Lediglich etwa 10 000 Fahrzeuge wurden laut unabhängigen Instituten innerhalb von sechs Monaten nach Marktstart im September 2005 in den USA verkauft – Daimler hatte intern jedoch mit einem Jahresabsatz von rund 50 000 Fahrzeugen kalkuliert, davon die Hälfte in den USA. Daimler wollte keine Absatzzahlen nennen, betonte aber, dass man weiter an den Erfolg der R-Klasse glaube, der Wagen aber ein neues Segment darstelle, an das sich der Kunde erst gewöhnen müsse.

Daimler-Chrysler steht indes vor einem Problem: Vans gelten in den USA nicht als Luxuswagen. Kunden sind nicht bereit, für Vans deutlich mehr als für ein vergleichbares Modell beispielsweise von Chrysler zu zahlen. Mercedes droht damit bei seiner laufenden Produktoffensive ein erster Rückschlag. Zetsche bekommt auf diese Weise hautnah zu spüren, dass Mercedes im Rahmen seiner zweiten Modelloffensive ein höheres Risiko als der Rivale aus Bayern gehen muss. Im Gegensatz zu BMW hat Mercedes-Benz den ersten Teil seiner Modelloffensive nämlich bereits hinter sich und muss künftig stärker auf nicht-etablierte Nischen setzen, um den Absatz anzukurbeln.

Die schwache Resonanz auf die R-Klasse ist auch ein Warnschuss für die Münchener, die ab 2008 ebenfalls ein neues „raumfunktionales Konzept“ auf den Markt bringen wollen, das intern mittlerweile den Arbeitstitel Luxury Sports Cruiser trägt. Für das Prestigeduell der beiden Erzrivalen um den ersten Platz beim Absatz im Premiumsegment spielen Nischenmodelle wie die R-Klasse allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Trotz der Schwäche des Riesen-Mercedes kletterten die Verkaufszahlen der Mercedes-Gruppe im ersten Quartal dieses Jahres um zwölf Prozent. Zetsche sieht nunmehr sogar eine Chance, mit der Nobelmarke im laufenden Jahr die Prognose eines stabilen Absatzes zu übertreffen.

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