Mercedes macht mobil
Bits und Bytes statt PS und Blech

Wer brandneue Autos bei der großen Premierenshow von Daimler in Genf erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Statt neuer Karossen gab es jede Menge Bits und Bytes - die Zukunft der Autoindustrie soll smart werden.
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GenfVerkehrte Welt in Genf: Daimler lädt zu seiner großen Premierenshow am Vorabend des Genfer Autosalons, und erst in der letzten Minute der Präsentation rollt der erste und einzige Mercedes auf die Bühne – ein S 500 Coupé, dessen Bilder allerdings bereits seit ein paar Tagen bekannt sind. Was ist los, wenn ein Autobauer keine neuen Autos mehr zeigt?

Die Antwort ist einfach: Daimler spricht über die Zukunft. Oder zumindest das, was sich die schlauen Köpfe im Konzern darunter vorstellen. Und in dieser Vision kann oder will Daimler eben kein reiner Autobauer mehr sein, sondern auch ein Dienstleister, ein Mobilitätsanbieter quasi.

Statt neuen Autos stellten Daimler-Chef Dieter Zetsche und sein Vertriebsvorstand Ola Källenius eine neue Marke vor: „Mercedes me“. Unter dieser Dachmarke bündeln die Stuttgarter alle bestehenden und künftigen Dienstleistungsangebote. Auf einer Internet-Plattform, die im Sommer 2014 online gehen wird, werden die Angebote verfügbar sein. 

„Mercedes me“ soll alle produktrelevanten Themen wie Fahrzeugkauf, Finanzierung und Wartung umfassen, genauso wie die aktuellen Mobilitätsservices von Daimler. Also etwa Car2go oder Moovel, einer App, die den schnellsten Weg von A nach B finden soll – völlig unabhängig vom Verkehrsmittel und unter Umständen ganz ohne Auto. Mit diesem Programm wollen die Verantwortlichen bei Daimler nicht nur über neue Produkte für mehr Wachstum sorgen, sondern auch über die punktgenaue Anpassung der Vertriebsorganisation und des Marketings an die sich ändernden Kundenwünsche und -bedürfnisse. 

Das klingt zunächst kompliziert, soll aber den Alltag des Kunden mit seinem immer komplexeren Lebensstil einfacher machen. Eine Einfachheit, wie wir es von unseren Smartphones gewohnt sind – alle Informationen sind immer verfügbar. Mal eben kontrollieren, ob der einen Block weiter geparkte Wagen wirklich abgeschlossen ist oder ob die restliche Tankfüllung noch für einen Umweg zum Supermarkt auf dem Nachhause-Weg reicht.

Eine weitere Parallele zu den Smartphones: Es werden jede Menge Daten erfasst und gesammelt. Wo ist das Auto geparkt? Zeigt der Fehlerspeicher eine Fehlfunktion an? Wie häufig und lange wird der Wagen genutzt? Das alles sind Daten, die Daimler erfassen und speichern muss, um sie dem Kunden bequem aufs Smartphone schicken zu können. Wird ein Autofahrer bald so gläsern wie ein Internetnutzer?

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Bits und Bytes statt PS und Blech

Seite 2:

Eigener Daten-Vertrag für Daimler-Fahrer

Kommentare zu " Mercedes macht mobil: Bits und Bytes statt PS und Blech"

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  • Es mehren sich auch in anderen Foren die kritischen Stimmen, die eine weitere umfassende Digitalisierung im Auto ablehnen. Für einige wichtige Auslandsmärkte mag diese Entwicklung unumgänglich sein. Solange das dann in Deutschland eine Ausrüstungsoption bleibt, dann bitte, kann und soll jeder selbst entscheiden, ob er das braucht.
    Wenn das aber in Serie geht, wird sich wohl die eher ältere und zunehmend wachsende Käuferschicht mehr und mehr hinwenden zu Old- und Youngtimern.

  • Ein Glück habe ich noch einen Uralt-Mercedes, der kein "Mercedes-Me" braucht. Und den gebe ich auch nicht mehr her.
    Ich saß vor kurzem in einem brandneuen BMW 525 touring - wohlfühlen geht anders. Man sieht nirgens raus, wenn man rückwärts fahren will, geht automatisch die Rückfahrkamera an, denn einfach so gucken ist nicht. Tacho und Drehzahlmesser haben keine Zeiger mehr, es ist ein Display. Sehr futuristisch, aber es fährt ständig das ungute Gefühl mit: "Wenn hier die Elektronik muckt, muß ich stehenbleiben, wo ich bin" und - wenn mal nur dieses Cockpit-Modul getauscht werden muß, weil dem TÜV nicht paßt, daß das Teil Pixelfehlerr hat, dann kostet das ein Vermögen. Wenn sich die Hersteller allein ein "Infotainment"-System mit 1500 Euro aufwärts honorieren lassen, was kostet da erst ein "systemrelevantes" Teil wie eine Tacho-Einheit - mal ganz abgesehen davon, daß es einen ausgemachten Informatiker braucht, das Ganze nachher wieder "anzulernen".
    Ich halte das alles für einen Irrweg, entmündigt den Fahrer, macht ihn zu einem Sklaven dieser hochgezüchteten Technik und ich bin mir fast sicher, daß da irgendwann eine Gegenbewegung einsetzen wird.

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