Mittelfristig mehr Flexfuel-Fahrzeuge: Ethanol statt Benzin tanken

Mittelfristig mehr Flexfuel-Fahrzeuge
Ethanol statt Benzin tanken

dpa/gms KöLN/RüSSELSHEIM. Die Automobilindustrie arbeitet mit Hochdruck an alternativen Antrieben. Doch weil die Technologien noch nicht serienreif sind, entdecken jetzt auch die Europäer eine Alternative, die sich andernorts bereits bewährt hat: Ethanol.

Dieser Kraftstoff wird nach Angaben von Ford-Sprecher Isfried Hennen aus nachwachsenden pflanzlichen Rohstoffen wie Getreide oder Zuckerrüben gewonnen. Er kann nach geringen Umbauten in jedem Benzinmotor verbrannt werden. „Der Kraftstoff hat eine bessere CO2-Bilanz und damit einen geringeren Einfluss auf den Klimawandel, er verringert die Abhängigkeit von den endlichen Rohölreserven, und er kann wegen der Befreiung von der Mineralölsteuer in Deutschland sogar die Betriebskosten senken“, sagt Ford-Manager Wolfgang Schneider.

So sollen Ethanol-Kunden in Deutschland trotz des um etwa 30 Prozent höheren Verbrauchs rund 20 Prozent beim Tanken sparen, rechnet Schneider vor. Anders als beim Einsatz von Erdgas müsse die Technik kaum verändert werden: „Lediglich der Tank wird anders beschichtet, die Kraftstoffleitungen sind etwas widerstandsfähiger, und der Motor bekommt gehärtete Ventile sowie eine neue Steuerung.“

Auch für den Fahrer gibt es keine Nachteile, sagt Saab-Sprecher Olaf Meidt. Dabei können die Fahrzeuge mit einem nahezu beliebigen Gemisch aus Super und Bio-Ethanol betrieben werden. „Nur bei tiefen Temperaturen sollte man nicht mehr 85 Prozent Ethanol (E85) tanken, da es sonst Probleme beim Kaltstart geben kann“, sagt Meidt.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Nach Angaben von Per Carstedt von der Bio Alcohol Fuel Foundation (Baff) im schwedischen Örnsköldsvik werden in Brasilien bereits 15 Mrd. Liter Bio-Ethanol pro Jahr produziert. Dagegen gibt es den umweltfreundlichen Kraftstoff in Deutschland bislang quasi nicht zu kaufen. Doch weil in Schweden laut Ford-Manager Schneider seit einigen Jahren ein Modellprojekt für Ethanol-Fahrzeuge läuft und entsprechend schnell eine Infrastruktur gewachsen ist, haben Ford und Saab jetzt auch in Deutschland umgerüstete Autos im Programm. Fürs erste müssen sich Interessierte mit der Wahl zwischen Ford Focus, Ford C-Max und Saab 9-5 begnügen.

Eher kurz- als mittelfristig könnten weitere „Flexfuel“-Fahrzeuge nach Deutschland kommen. Schließlich laufen in Schweden auch Volvos mit Ethanol. „In Brasilien ist das Flex-Fuel-System bewährt“, sagt Rolf Leonhard vom Zulieferer Bosch in Stuttgart. In Brasilien werden nach Angaben des Unternehmens pro Jahr mehr als eine Million solcher Fahrzeuge verkauft. Sie kommen damit auf mehr als 70 Prozent Marktanteil.

Auch VW-Forschungschef Matthias Rabe macht sich für Alkohol im Tank stark. Er fordert eine Beimischung des Bio-Sprits zum konventionellen Kraftstoff. „Unsere Motoren sind bereits auf einen Anteil von bis zu zehn Volumenprozent Ethanol im Ottokraftstoff vorbereitet.“ Immerhin zeigen die Bemühungen der Anbieter erste Erfolge: So hat laut Ford-Sprecher Hennen inzwischen ein Händler in Bad Homburg die erste öffentliche Bio-Ethanol-Tankstelle eröffnet. Auch die „Oil!“-Tankstellenkette will jetzt E85 an den Niederlassungen in Hennef, Saarlouis und Troisdorf anbieten.

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