Mobilität
Verleiher kämpfen um Fahrrad-Kunden

In Paris gibt es schätzungsweise 20.000 Leihräder, in London sind es immerhin 8000. So viele gibt es bislang in keiner deutschen Stadt. Ist das Glas damit nun halb leer oder halb voll?

Es ist ganz einfach. App installieren, Fahrradnummer eingeben und Code erhalten. Damit lässt sich das elektronische Schloss öffnen - und los geht die Fahrt mit dem Leihfahrrad. Am Ziel angekommen, schließt man das Gefährt einfach an der nächsten Station wieder ab. Bezahlt wird online.

In vielen europäischen Städten sind Systeme dieser Art längst Standard. Doch in Deutschland dümpelte der Markt lange vor sich hin. Nun wird nachgerüstet. Vor allem in Berlin kämpfen zwei Unternehmen um die Marktmacht.

In den vergangenen Jahren prägten die rot-silbernen Leihräder der Deutsche-Bahn-Tochter  DB Connect das Berliner Stadtbild - gefördert mit Mitteln des Senats. 2015 verlor Deutsche Bahn Connect aber die Ausschreibung in der Hauptstadt und damit die öffentlichen Gelder.

Diese gehen seither an den Sieger der Ausschreibung, das Leipziger Leihrad-Unternehmen Nextbike. „Das war im Frühjahr für uns eine große Enttäuschung”, räumt ein DB-Sprecher ein. Die Konzerntochter musste ihre Leihstationen in der Hauptstadt zurückbauen.

Doch den Berliner Markt wollte die Bahn nicht aufgeben. Man löste sich vom stationsbasierten System und holte mit Lidl einen Sponsor an Bord. Dazu wurden neue, silber-grüne Räder angeschafft. „3500 Zweiräder haben wir nun wieder auf den Straßen der Hauptstadt. An der Zahl wird sich auch erstmal nichts ändern.”

Nextbike produziert derweil im großen Stil seine eigenen Fahrräder in Leipzig und unterhält Leihrad-Flotten in zahlreichen europäischen und deutschen Städten. In Berlin will die Firma mit der Förderung des Senats laut einer Sprecherin innerhalb der nächsten zwei Jahre 5000 Leihräder mit festen Stationen installieren. „Wir starten erst noch mit dem regulären Betrieb”, sagt sie.

„In Berlin bedienen dann zwei Unternehmen ein und denselben Markt”, erklärt Tilman Bracher, Bereichsleiter unter anderem für Mobilität und Radverkehr am Deutschen Institut für Urbanistik. Er bezweifelt, dass so viele Leihräder überhaupt gebraucht werden.

Denn die Bundesrepublik hat bereits eine hohe Fahrraddichte. 73 Millionen Stück gab es 2016 nach Schätzungen des Zweirad-Industrie-Verbands in deutschen Haushalten - Tendenz steigend. Nahezu auf jeden Bundesbürger kommt damit ein Rad. Auch deshalb hat es lange gedauert, bis sich Leihradsysteme in den Großstädten etablierten. Die Angebote richten sich in erster Linie an Einwohner und Pendler - und nicht an fahrradlose Touristen.

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Verleiher kämpfen um Fahrrad-Kunden

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Noch zu früh für ein Fazit

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