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Montage der Anhängerkupplung knifflig

Ein paar Schrauben unter dem Auto festziehen, ein Kabel für die Stromversorgung verlegen - fertig ist die Montage der Anhängerkupplung. Wer sich den Anbau heute noch so einfach vorstellt, muss umdenken.

dpa/gms KLETTWITZ/MÜNCHEN. Ein paar Schrauben unter dem Auto festziehen, ein Kabel für die Stromversorgung verlegen - fertig ist die Montage der Anhängerkupplung. Wer sich den Anbau heute noch so einfach vorstellt, muss umdenken.

Denn mit dem Fortschritt der Automobiltechnik sind auch für den Haken am Heck neue Zeiten angebrochen. Es sind wesentlich mehr Dinge zu beachten, bis das markante Zug-Stück mit seinem so genannten Kupplungshals und dem Kupplungskopf am Auto seinen Platz eingenommen hat.

Heute gibt es bei der Montage einer Anhängerkupplung mehrere Hürden, die es zu überwinden gilt. Zum Beispiel der Stromanschluss, für den sonst die elektrischen Anschlüsse der Heckleuchten herhalten mussten. „Da kann man heute nicht mehr einfach so rangehen“, warnt Arnulf Volkmar Thiemel, Techniker beim Adac in München. „Die Systeme sind insgesamt komplexer, die Heckleuchten werden heute elektronisch angesteuert. Ein laienhafter Anschluss für den Stecker der Anhänger-Elektrik kann Steuergeräte im Fahrzeug beschädigen.“

Doch auch wenn nicht gleich etwas kaputt geht, stellt die Elektrik das größte Problem dar. „Bei den Hauptuntersuchungen sind falsche elektrische Anschlüsse die häufigsten Mängel im Zusammenhang mit Anhängerkupplungen“, sagt Johann Meyer, verantwortlich für den Bereich Fahrzeugprüfungen beim TÜV-Süddeutschland in München.

„An zweiter Stelle folgt die schlechte Anbringung beziehungsweise die fehlende Beseitigung des Unterbodenschutzes.“ Denn die vor Rost schützende Masse auf den Blechen unterhalb des Wagens ist ein in Zusammenhang mit den Kupplungen oft übersehenes Hindernis. „Die Unterbodenschutz-Masse ist elastisch“, sagt Meyer. Daher muss sie entfernt werden, bevor Haken und Zubehör montiert werden. Schließlich soll die unter Zug stark belastete Kupplung so fest wie möglich sitzen und darf sich nicht wegen des elastischen Untergrundes losschütteln.

Selbst die Stoßfänger können Schwierigkeiten machen. „Aus der Kunststoffverkleidung der Stoßfänger darf man nicht einfach ein Stück heraussägen, um Platz für die Anhängerkupplung zu schaffen“, sagt Thiemel. Das gilt vor allem, weil sich darunter Profile finden, die wichtig für das Crashverhalten sind.

Wegen der vielen möglichen Komplikationen warnen Experten wie der Sachverständige Sigurd Rudolph von der Dekra in Klettwitz (Brandenburg) auch vor der Selbstmontage: „Einen solchen Anbau sollte man als ungeübter Privatmann nicht selbst durchführen.“ Laut Klettwitz weisen auch die jeweiligen Montageanleitungen im Hinblick auf gültige europäische Richtlinien darauf hin, dass die Montage von „sachkundigen Personen“ vorzunehmen sind. Auch wenn dieser Begriff nach Ansicht der Experten eher schwammig gehalten ist, ist es sinnvoll, eine Werkstatt mit der Aufgabe zu betrauen. Kommt es wegen falscher Montage zu einem Unfall, haben Selbsteinbauer niemanden, den sie für den Fehler verantwortlich machen können.

Doch schon vor dem eigentlichen Einbau gilt es, einiges zu beachten - schließlich gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Kupplungsmodelle: vom fest installierten Standardmodell über die abnehmbare Version bis zum klappbaren Modell, bei dem Hals und Kopf bei Nichtgebrauch unter dem Fahrzeug verschwinden. Dabei dürfen nicht nur eigene Vorlieben oder Preisgründe entscheiden: „Bei vielen Autos verdeckt die Kupplung das hintere Kennzeichen“, erläutert Johann Meyer. „Dann muss ein abnehmbares Modell montiert werden.“

Das Kennzeichen muss bei der Fahrt ohne Anhänger immer einwandfrei zu erkennen sein. Es reicht allerdings nicht, ein abnehmbares Modell zu kaufen und es dann ständig am Heck zu lassen. Laut Sigurd Rudolph kann solche Gleichgültigkeit unangenehme Folgen haben: „Es ist vielen Fahrern unbekannt, dass sie dafür einen Strafzettel bekommen können.“

Abgesehen davon kommt es bei der Auswahl des Heck-Hakens auch auf das gefahrene Fahrzeugmodell an. Und auch hier können kaum geahnte Schwierigkeiten auftauchen. So ist penibel darauf zu achten, dass die Kupplung tatsächlich für das gefahrene Auto zugelassen ist. Manches Anbauteil ist zwar prinzipiell für eine Fahrzeug-Baureihe erlaubt - aber nicht für jedes Modell und jede Motorisierung. Laut Sigurd Rudolph ist es wichtig, auf mögliche Einschränkungen zu achten: „Es kann sein, dass eine Anhängerkupplung für das Modell mit Automatik, nicht aber mit Schaltgetriebe zugelassen ist. Manchmal wird auch der Einbau eines anderen Kühlers gefordert.“

Unter Umständen sorgen die Hänger-Haken zusammen mit der Elektronik auch im Alltagsbetrieb für kaum erwartete Tücken. „Hat das Auto einen Abstandswarner, stimmen bei angebauter Anhängerkupplung die Abstände oft nicht mehr“, sagt Thiemel. Warnt die Elektronik beim rückwärts Einparken vor einem Hindernis, bohrt sich die Kupplung womöglich schon in die Front des nächsten Autos.

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