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Motoren lernen sparen

Die Motorenentwickler der Autohersteller sind in der Zwickmühle: Zum einen fordern Marketing und Kunden immer mehr Leistung. Auf der anderen Seite müssen sie Verbrauch und Schadstoffausstoß reduzieren.

dpa/gms MüNCHEN/STUTTGART. Die Motorenentwickler der Autohersteller sind in der Zwickmühle: Zum einen fordern Marketing und Kunden immer mehr Leistung. Auf der anderen Seite müssen sie Verbrauch und Schadstoffausstoß reduzieren.

Diesen Spagat stehen sie zunehmend mit dem so genannten Downsizing - um mit weniger Reibung und Gewicht den Verbrauch zu senken, wählen sie kleinere Hubräume.

Den damit verbundenen Leistungsverlust gleichen sie zum Beispiel mit Hilfe neuer Verbrennungstechnologien aus. Alternativen sind Turbos und Kompressoren. Ziel ist es, Motoren zu bauen, die mehr leisten und weniger verbrauchen als ihre Vorgänger und dabei auch noch kleiner und leichter sind. So stellen Rainer Golloch und Prof. Günter Merker vom Institut für Technische Verbrennung an der Universität Hannover in einem Beitrag für die in Wiesbaden erscheinende „Motortechnische Zeitung“ (MZT) für Otto-Motoren eine Verbrauchseinsparung von zehn bis 30 Prozent in Aussicht.

Bei Dieselmotoren dagegen sind damit weniger Verbrauchsvorteile als sinkende Emissionen zu erwarten: „Gerade die Aufladung, einst nur zur Leistungssteigerung eingesetzt, verspricht ein großes Einsparpotenzial – vor allem, wenn man zugleich den Hubraum verkleinert“, schrieb Daimler-Chrysler im jüngsten Umweltbericht.

Ein Beispiel dafür sind die neuen V6-Motoren von Mercedes. Ohne Aufladung kommt das Aggregat als 3,5-Liter im C 350 auf 200 kW/272 PS und 350 Newtonmeter (Nm). „Damit bietet der Motor 25 Prozent mehr Leistung und 13 Prozent mehr Drehmoment als der Vorgänger, ist aber mit einem Durchschnittsverbrauch von 9,5 Litern in der Limousine mehr als zehn Prozent sparsamer“, sagt Sprecher Frank Bracke in Stuttgart.

Auch bei den Dieseln ermöglicht der höhere Druck eine effektivere Verbrennung und höhere Kraftausbeute bei kleineren Hubräumen. So bestätigt Christian Müller, bei Opel für die Integration der Diesel verantwortlich, eine höhere Literleistung und verweist auf den 1,3-Liter im Corsa mit 51 kW/70 PS: „Im Segment bis 1,5 Litern Hubraum gibt es keinen Diesel, der auf mehr PS pro Liter kommt.“

Das „Mehr“ mit dem „Weniger“ in Einklang bringen will auch BMW und hat mit Peugeot und Citroën neue Motoren für den Mini und Kleinwagen der französischen Partner angekündigt. Herzstück ist ein Vierzylinder mit 1,6 Litern Hubraum, den es zunächst in zwei Varianten geben wird: als Sauger mit 85 kW/115 PS und 160 Nm Drehmoment, sowie als Turbo mit 105 kW/143 PS und 240 Nm bei 1 400 Umdrehungen.

„Damit bietet der Motor ähnlich früh ähnlich viel Drehmoment wie ein moderner Common-Rail-Diesel“, erklärt BMW-Motorenentwickler Klaus Borgmann. Mit der Leistung eines Zwei-Liter-Motors soll er rund 15 Prozent weniger verbrauchen. Doch bei den eigenen Modellen geht BMW andere Wege: „Auch ohne den Hubraum zu reduzieren, erreichen wir mit dem Einsatz zum Beispiel von Valvetronic, elektrischer Wasserpumpe oder dem Leichtbau-Kurbelgehäuse aus Magnesium vergleichbare Einsparungen“, sagt BMW-Sprecher Wieland Bruch in München.

Allerdings hat das „Downsizing“ auch seine Schattenseiten. So weisen die Experten der Universität Hannover unter anderem auf höhere Anforderungen an die Drücke im Motor, die Aufladungstechnik und die Einspritzsysteme hin. Vor diesem Hintergrund gehen die Fachleute nicht davon aus, dass solche Motoren deutlich günstiger angeboten werden können, als größere Aggregate mit entsprechender Leistung.

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