Motorrad
Abgasuntersuchung für Motorräder unproblematisch

Bürokratie und Gesetzgebung werden häufig mit Begriffen wie Langsamkeit gleichgesetzt. Manchmal ist aber das genaue Gegenteil der Fall, und das sorgt für Überraschungen.

dpa/gms HANNOVER. Bürokratie und Gesetzgebung werden häufig mit Begriffen wie Langsamkeit gleichgesetzt. Manchmal ist aber das genaue Gegenteil der Fall, und das sorgt für Überraschungen.

In diesem März wurde bekannt, dass Motorräder künftig zur Abgasuntersuchung sollen. Der Start dafür fand sich aber nicht in weiter Ferne, vielmehr ging es am 1. April los, was einiges an Durcheinander mit sich brachte. Weil vor allem die Motorradhersteller offenbar etwas überrumpelt waren, gibt es bis heute für einige Modelle eher vage Abgaswerte. Auf der anderen Seite sehen auch die Zuständigen die aktuelle Messpraxis vor allem als ersten Schritt auf dem Weg zu „echten“ Messungen.

Abgasuntersuchung Krad (AUK) heißt die Prüfung, die Motorräder ab Baujahr 1989 bei der Hauptuntersuchung bestehen müssen. Gemessen wird Kohlenmonoxid im Auspuffqualm. „Maschinen ohne oder mit ungeregeltem Katalysator dürfen eine Grenze von 4,5 Volumenprozent nicht überschreiten“, sagt Roger Eggers vom TÜV Nord in Hannover. Maschinen mit geregeltem Kat müssen eine 0,3-Prozent-Grenze einhalten.

Tatsächlich geht es oft noch drunter und drüber. So kommen manche Maschinen mit geregeltem Kat auch mit 4,5 statt 0,3 Prozent durch. Das ermöglicht eine Spezialregelung: Die Hersteller können die Werte selbst festgelegen. Dabei halten sich einige an die 0,3 Prozent für Katalysator-Modelle, andere nennen die 4,5 Prozent. Ruprecht Müller vom Adac-Technikzentrum in Landsberg (Bayern) zufolge muss das zwar im Einzelfall begründet werden - Praxis ist das aber noch nicht.

Die Gründe dafür dürften auch in der Hektik der Einführungsphase liegen. Denn genaue Abgaswerte der Modelle lagen den Prüfern durchweg noch nicht vor. Die Hersteller wiederum brauchen nach eigenen Angaben Zeit, sie zu liefern. „Die Daten werden sukzessive aktualisiert“, so Christoph Gatzweiler vom Industrie-Verband Motorrad (IVM) in Essen.

Doch es sind noch weitere Fragen offen - darunter die, wie sich die Abgaswerte einer Maschine mit der Zeit entwickeln. Interessant werden könnte eine Antwort bei Modellen, die neu den Grenzwert von 0,3 Volumenprozent knapp erfüllen. „Man kann sich vorstellen, dass ein altes Fahrzeug das dann nicht mehr schafft“, sagt Gatzweiler.

Ohnehin rechnen Experten nicht damit, dass die Grenzwerte vieler Modelle stark nach unten korrigiert werden. „Das Gros wird bei 4,5 Volumenprozent bleiben“, meint Müller. Das liegt auch in den wenig strengen Anforderungen begründet, die früher an das Abgasverhalten von Motorrädern gestellt wurden.

Zwar gibt es noch keine allgemeine Auswertung der Prüfergebnisse. Anhaltspunkte zeigen aber, das die meisten Zweiräder durchkommen. „Die reine Prüfung schaffen nur 1,3 Prozent der Motorräder nicht“, sagt Eggers mit Blick auf die Ergebnisse beim TÜV Nord. Hinzu kommen jedoch 5,5 Prozent, die es gar nicht erst bis zur Prüfung schaffen: Hier wurden vorab etwa defekte Auspuffanlagen festgestellt.

„Begleitet wird die Abgasuntersuchung für ungefähr zwei Jahre von einem Forschungsprojekt des Bundesverkehrsministeriums“, erläutert Christoph Gatzweiler vom IVM. Dabei werden die bisherigen Daten erfasst und gesichtet. Mit einer überarbeiteten Version der AUK, verschärfte Anforderungen wohl inklusive, ist nach Meinung der Fachleute etwa im Jahr 2010 zu rechnen.

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