Motorrad-ABS ab 2017
Ausreden zählen nicht mehr

Ab 2017 müssen alle Motorräder und Roller mit mehr als 125 Kubikzentimeter Hubraum ein ABS an Bord haben. Bei Leichtkrafträdern genügt indes eine Kombi-Bremse. Dabei ginge es auch günstig mit ABS.
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DüsseldorfNun hat das Europaparlament die Verordnung einer ABS-Pflicht auch formal in trockene Tücher gebracht. Ab 2017 müssen alle Motorräder und Roller mit mehr als 125 Kubikzentimeter Hubraum den Blockierverhinderer an Bord haben. Für neue am Markt eingeführte Modelle gilt diese Verordnung schon ab 2016.

Weniger rigide hingegen ist die Regelung für motorisierte Zweiräder zwischen 50 und 125 Kubik. Hier haben die Hersteller nämlich die Wahl zwischen einem ABS und einem Kombi-Bremssystem, bei dem die Bremswirkung auf beide Räder verteilt wird. Das hilft bei einer Notbremsung zwar, doch ein Blockieren verhindert diese Variante nicht.

Nach einer Untersuchung des ADAC hätten 21 Prozent aller Motorradunfälle vermieden werden können, wenn die Bikes mit ABS ausgerüstet gewesen wären, zumindest aber hätte es die Folgen des Crashs gemildert. Darüber hinaus hätte das elektronische Helferlein sogar 45 Prozent aller Alleinunfälle verhindert, also solcher ohne fremde Beteiligung.

In Deutschland sind die meisten der großen Motorräder schon heute zumindest optional mit ABS erhältlich, bei den Leichtkrafträdern und -rollern (50 bis 125 Kubik) sind solche Systeme aber noch immer die Ausnahme. Und gerade die werden häufig von jungen, unerfahrenen Fahrern pilotiert. Und bei einem blockierenden Vorderrad ist ein Sturz praktisch unabwendbar.

Die meisten Leichtkraftrad-Hersteller haben bis jetzt abgewunken und auf die höheren Kosten für Fahrzeuge mit ABS verwiesen; oder ein angeblich mangelndes Käuferinteresse vorgeschoben. Die neue Regelung lässt jetzt keine Ausreden mehr zu, auch wenn sie einen Kompromiss aus Kosten und Sicherheit darstellt.

Und dass es auch günstig geht, zeigt Bosch mit einem neuen ABS-System: Das 1-Kanal-System "9M light" wirkt nur auf ein einzelnes Rad und spart laut Hersteller gegenüber dem konventionellen, zweikanaligen ABS 20 bis 30 Prozent an Kosten ein. Diese Lösung bietet sich besonders für Leichtkrafträder an. Schon Ende 2013 geht das preiswerte ABS in Serie. Je nach Fahrzeug-Stückzahl wäre eine ABS-Lösung damit häufig schon ab 200 Euro Aufpreis zu realisieren – ein Betrag, den die eigene Sicherheit wert sein sollte. Die umfassende Sicherheit eines auf Vorder- und Hinterrad wirkenden ABS bietet das System zwar nicht, doch verhindert es das Blockieren des Vorderrads und steigert die Sicherheit gegenüber einer Kombibremse oder einer konventionellen Bremse enorm.

 

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