Motorshow
Gemeinsam gegen Toyota in Detroit

Ihre Messestände in der Cobo Hall von Detroit liegen nur wenige Meter auseinander. Und doch trennen General Motors (GM) und Toyota Welten.

dpa-afx DETROIT. Während GM, seit 1931 der größte Autobauer, mit der vielleicht schwersten Krise seiner Geschichte kämpft, schickt sich Toyota an, schon in Kürze die weltweite Spitzenposition von GM zu erobern. Während GM 30 000 Stellen streicht und zwölf Fabriken schließt, lässt sich der japanische Autokonzern für seine fünf Werke in den USA feiern.

   Die Krise von GM und Ford und der anscheinend unaufhaltsame Aufstieg der japanischen Autokonzerne auf dem weltgrößten Fahrzeugmarkt führen zu bemerkenswerten Ein- und Aussichten. "Die US-Autoindustrie muss sich ändern - oder sie wird sterben", sagte vor wenigen Tagen Ford US-Chef Mark Fields. Und er fügte eine fast revolutionäre Erkenntnis an, die eine Trendwende bedeutet: "Small is big in America!" (Klein ist jetzt groß), meinte er bezogen auf die Fahrzeuggröße, und zwar vor allem bei den unter 30-Jährigen. Deshalb wollte der drittgrößte Autokonzern auf der Autoshow am Sonntag auch eine neue Kleinwagenstudie mit dem Namen Reflex präsentieren, die in wenigen Jahren auf den Markt kommen soll.

   Die bislang beliebten spritfressenden großen Geländewagen, neben denen sich ein Porsche Cayenne wie ein Ökomobil ausnimmt, sind zwar bei weitem noch nicht passé. Aber die Zukunft liegt bei Crossover-Konzepten, also Großraumfahrzeugen auf Limousinenbasis oder bei normalen kleineren Limousinen, zeigt sich der Ford-Manager überzeugt. Auch hier präsentiert Ford mit dem Ford Edge in Detroit eine Konzeptstudie. Und so wie er denken die meisten US-Automanager in Detroit. Denn sie wissen: Die Zeiten des billigen Benzins sind auch in den USA vorbei. Toyota hat diesen Trend bereits vor Jahren erkannt und sich mit der Hybrid-Technologie erfolgreich ein Öko-Image zugelegt. Jetzt bringen die Japaner ihre Bestseller-Limousine Camry, die 2005 über 400 000 Mal in den USA verkauft wurde, mit einem Hybrid auf den Markt.

   Anders als Chrysler , wo populäre Modelle und eine verbesserte Qualität eine Trendwende eingeleitet haben, ist GM und Ford bislang zur Lösung der existenzbedrohenden Krise nicht viel eingefallen. Die Konzerne müssen sich auf der wichtigsten Automesse der USA deshalb vor allem kritische Fragen von den Profis aus der Finanzbranche gefallen lassen. Alle führenden Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit der beiden Unternehmen auf den Status von Ramschanleihen (Junk Bonds) degradiert. Die Analysten glauben nicht mehr daran, dass Werksschließungen und Massenentlassungen alleine zur Sanierung ausreichen.

Und ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, wo angesichts der weltweiten Energiekrise die US-Kunden langsam auf intelligente, Benzin sparende Zukunftsmodelle umschwenken, führt General Motors in den Staaten neue, gewaltige Geländewagen ein. Doch die werden sich - auch mit Hybrid-Antrieb - immer weniger Amerikaner leisten können, trotz der satten Rabatte von mehreren tausend Dollar und Nullzinsfinanzierungen. Deshalb geht nicht nur an den Finanzmärkten, sondern auch in der Geburtsstadt des amerikanischen Automobilbaus das Gespenst um, dass die beiden Autogiganten in die Insolvenz rutschen und ganz Detroit mit in den Abgrund reißen könnten.

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