Mühsamer Start für Elektroroller
Das leise Surren in der Nische

Sie sind lautlos, sauber und kräftig: An der Ampel hängen Elektroroller manchen Benziner locker ab. Vor allem in Großstädten haben die Zweiräder viel Potenzial. Doch die Kundschaft zögert noch.
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BerlinOhne Lärm, Abgase und Parkplatzsorgen ins Büro oder zur Schule - gerade in Städten spricht viel für Elektroroller. Doch die potenziellen Käufer ziehen bisher nicht mit. Manche Roller haben noch technische Schwachstellen. Und wegen der teuren Batterien kosten die E-Modelle in der Anschaffung um die 1.000 Euro mehr als vergleichbare Roller mit Verbrennungsmotor. Die Absatzzahlen stagnieren in Deutschland bei wenigen tausend Exemplaren im Jahr.

"Der Markt braucht locker noch drei bis vier Jahre", glaubt der Marketingchef des nach eigenen Angaben größten deutschen Herstellers Emco aus Lingen an der Ems, Kai-Uwe von Hebel. Derzeit sei der E-Roller-Absatz noch «irrelevant», erklärt Hendrik Ramisch, ein auf Elektrofahrzeuge spezialisierter Zweiradhändler aus Düsseldorf.

Branchenfachleute schätzen den E-Roller-Verkauf bundesweit auf höchstens 3.000 Stück im Jahr - die meisten davon in der Klasse bis 45 km/h Spitzengeschwindigkeit, für die Autofahrer keinen zusätzlichen Führerschein brauchen. Die E-Scooter kosten dabei gutes Geld. Für das von der Leistung her kleinste Emco-Modell, den Novi mit 1,5 kW/2,1 PS, werden beispielsweise rund 3.300 Euro fällig - allein etwa 750 Euro davon kostet der Akku. "Wenn die Leute sehen, der kostet erst mal deutlich mehr, kaufen sie einen Benziner", klagt von Hebel.

Dabei liegen die Energiekosten von 1 bis 2 Euro pro Akkuladung deutlich unter einer Tankfüllung für benzinbetriebene Roller. Elektro-Neulinge kämen von ihrer ersten Probefahrt mit einem E-Roller wegen des starken Drehmoments und der Handlichkeit oft "mit einem breiten Grinsen zurück", erzählt von Hebel. Den Kaufvertrag unterschrieben sie trotzdem nur selten.

Niedrigere Preise seien erst mit wesentlich größeren Stückzahlen für die Batterien möglich - dazu müsse aber die Nachfrage endlich anspringen, sagt von Hebel. Vorerst will er für Emco keine Verkaufszahlen nennen.

Im Jahr 2010 sei die Stimmung in Sachen Elektrozweiräder noch viel optimistischer gewesen, stellt ADAC-Zweiradfachmann Ruprecht Müller fest. Er testete für den ADAC damals sieben E-Roller - bei manchen Modellen mit harscher Kritik an langen Batterieladezeiten von bis zu zwölf Stunden, unzureichender Reichweite und fehlendem Stauraum. Aber es gab auch Lob für das neue lautlose Fahrgefühl und die Handlichkeit der Roller durch den niedrigen Schwerpunkt.

Zwei Roller erhielten immerhin die Note "Gut". Das Modell E-Sprit Silenzio 45 eines österreichischen Kleinherstellers aus der Nähe von Kufstein holte bei dem Test den Sieg. Heute sei der Hersteller insolvent, sagt Müller. "Die Roller waren nicht stabil, wir hatten nur Probleme damit", berichtet Händler Ramisch, der das Modell anbot.

Er ist vom E-Roller-Konzept eigentlich überzeugt. Doch mit Kleinanbietern und Familienunternehmen, denen oft der lange Atem und die Finanzen für Modifikationen und technische Verbesserungen fehlten, lasse sich der Markt nicht erobern. "Das geht erst los, wenn die Großen kommen", sagt Ramisch.

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  • Schon wieder wird mit der Forderung nach einem Verbotsgesetz der Wettbewerb in der Marktwirtschaft unterlaufen. Typisch! Alles was mit Öko/Grün zu tun hat, ist nicht Marktfähig und benötigt immer die Diktatur einer Gesetzgebung. Armes unfreies Deutschland. Du und dein ökosozialistischen Medienpolitik.

  • Ich halte die Reichweite für zu niedrig. 50 -80 km?
    Ich bin mit meiner 50ziger damals 150 km am Stück gefahren, regelmäßig, am gleichen Tag hin und zurück sogar 300 km.
    Sicher wird das nicht die Regel sein, aber es kommt vor. Und dafür sind 80 km zu wenig, die Flexibilität in den Extremen macht ein Fahrzeug attraktiv, weil sehr viele irgenwann genau das brauchen.
    Und genau das ist der Grund, warum sich elektro bisher nicht durchsetzt, weil Akkuladezeiten und begrenzte Reichweite in einer Zeit in der "just in time" und Spontanität verlangt werden zuviel Planung und disziplinierte Konstanz erfordert.

    H.

  • In der Tat sind 45 km/h für diese Klasse zu niedrig.
    logisch nachvollziehbar ist diese Beschränkung ohnehin nicht, außer einem Lobbyinteresse, dass den PKW Erwerb begünstigen möchte.
    Sicherheitsgründe, die doch sonst immer so relevant sind, können jedenfalls keine Rolle spielen. Denn 45 km/h erhöhen die Verkehrsgefährdung deutlich, weil sie in der Stadt zu niedrig sind und Autofahrer zu riskanten Überholmanövern verleiten. Angebracht wären 60 km/h.
    Aber mit einer vernünftigen Regelung ist da eher nicht zu rechnen.

    H.

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