Mutiges Pilotprojekt in Bohmte
Eine Gemeinde lichtet ihren Schilderwald

Kein Verkehrsschild, kein Bordstein, keine Ampel: Bohmte bei Osnabrück macht als erste Kommune in Deutschland Ernst im Kampf gegen den Schilderwald.

dpa BOHMTE/HANNOVER. Die Gemeinde hat am Montag (19. Mai) Teile ihrer Durchgangsstraße für den nun fast regelungsfreien Verkehr freigegeben. Außer der Rechts-vor-Links-Regel gelte an einer viel befahrenen Kreuzung künftig vor allem Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung - "ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht", sagte Gemeinde-Sprecherin Sabine de Buhr-Deichsel zu dem bundesweiten Pilotprojekt. Die Hauptverkehrsader mit einer Frequenz von rund 12 600 Fahrzeugen pro Tag gleiche nach dem Umbau mehr einem Marktplatz als einer Kreuzung, sagte die Erste Gemeinderätin weiter.

Bohmte mit etwa 13 000 Einwohnern ist bislang die einzige deutsche Kommune, die sich an dem EU-Projekt "Shared Space" ("gemeinsam genutzter Raum") beteiligt. Vor allem in den Niederlanden hat sich die Verkehrsphilosophie schon vielerorts mit Erfolg durchgesetzt. Mittlerweile gibt es auch hierzulande weitere an "Shared Space" interessierte Städte und Gemeinden, die das vom niederländischen Verkehrsplaner Hans Monderman entwickelte Konzept umsetzen wollen. Neben dem gänzlichen Verzicht auf Verkehrszeichen und Ampeln setzte der Anfang dieses Jahres gestorbene Monderman mit seiner Idee vor allem auf soziales Verhalten auf den Straßen und gleichberechtigtes Miteinander von Fußgängern, Fahrrad- sowie Autofahrern.

Gemeinderätin de Buhr-Deichsel beschreibt das Konzept so: "Gibt es einen Zebrastreifen, fühlen Sie sich in vermeintlicher Sicherheit. Gibt es keinen, achten Sie genau auf den Verkehr, sind langsamer und vorsichtiger." Nach der Freigabe eines etwa 300 Meter langen Straßenabschnitts soll das insgesamt 2,35 Mill. Euro teure, von der EU-mitfinanzierte Projekt weiter ausgebaut werden. Zuvor feiert die Gemeinde am 21./22. Juni ihr neues Verkehrskonzept im Beisein von EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering (CDU) bei einem Straßenfest.

Beim niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (Nsgb/Hannover) wird die "kreative Bohmter Idee" schon länger beobachtet. Neben dem schöneren Erscheinungsbild eines Ortes hat der kommunale Interessenverband dabei vor allem die Kosten im Blick. "Für Verkehrsmaßnahmen geben die Städte und Gemeinden viel Geld aus", betonte Nsgb-Sprecher, Thorsten Bullerdiek. Es gehe darum, "ein gesundes Maß" im Schilderwald zu finden, unter dem Motto "weniger ist mehr".

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