Neue Eigner
Ein Chinese elektrisiert Saab

Investoren aus Japan und China wollen dem Konkurshersteller wieder auf die Beine helfen. Der Plan des neuen Chefs Kai Johan Jiang: die Traditionsmarke soll mit reinen Elektroautos neu aufleben. Experten sind skeptisch.
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StockholmFast auf den Tag genau 65 Jahre nach der Vorstellung des ersten stromlinienförmigen Saab-Modells, Saab 92, präsentierten die Konkursverwalter der einstigen schwedischen Kultmarke einen neuen Eigner: Das schwedisch-japanisch-chinesische Konsortium National Electric Vehicle Sweden (Nevs) übernimmt den kleinen schwedischen Autobauer. Nevs will ab Ende 2013 reine Elektroautos auf Basis des Saab 9-3 bauen.

Auf der gut besuchten Pressekonferenz in Trollhättan an der schwedischen Westküste wurden nur wenige Details zu dem Kauf bekanntgegeben. Hinter dem Konsortium stehen die japanische Investmentfirma Sun Investment und die Hongkonger National Modern Energy Holding. Das Unternehmen hat sich auf den Bau von Kraftwerken spezialisiert, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden. An Nevs hält die National Modern Energy Holding 51 Prozent, die restlichen 49 Prozent gehören Sun Investment. Offiziell wurde zwar keine Kaufsumme für Saab mitgeteilt, doch gehen Autoexperten von einem Betrag von knapp 200 Millionen Euro aus.

Die neuen Eigner - mit dem in Schweden aufgewachsenen 47-jährigen Chinesen Kai Johan Jiang an der Spitze - setzen auf Elektroautos vor allem für den wichtigen Absatzmarkt in China. Autoexperten äußerten sich indes skeptisch zu den Erfolgsaussichten für Saab. „Es gibt weltweit bereits 50 Elektroautohersteller, von denen keiner rentabel arbeitet“, sagte einer.

Das Konsortium übernimmt aus der Konkursmasse die Fabrikgebäude in Trollhättan, die Fertigungsanlagen, Werkzeuge sowie die Rechte an der Plattform für den Saab 9-3. Die Plattform für den Saab 9-5 ist nicht Bestandteil der Übernahme. Sie gehört dem einstigen Saab-Mutterkonzern General Motors. GM hatte bereits im vergangenen Jahr deutlich gemacht, dass man keine Patente und Rechte an chinesische Eigner verkaufen werde.

Mit der Produktion der ersten Elektroautos mit japanischer Batterietechnologie soll Ende 2013 oder Anfang 2014 begonnen werden. Nevs-Chef Jiang wollte noch keine Angaben über Produktionsvolumen oder Preise der neuen Wagen machen.

Die Übernahme durch Nevs beendet nach mehreren missglückten Rettungsversuchen und dem Konkurs im Dezember 2011 eine zweijährige Leidensgeschichte. 2010 hatte der selbst angeschlagene Mutterkonzern GM Saab an den mittlerweile in Swedish Automobile umbenannten niederländischen Sportwagenhersteller Spyker verkauft. Doch die verzweifelte Suche nach finanzstarken Investoren aus China schlug fehl. Schon seit April 2011 laufen in Trollhättan keine Autos mehr vom Band. Der Konkurs war die logische Folge.

Nach Aussagen der Konkursverwalter hat Saab rund 13 Milliarden Kronen (1,47 Milliarden Euro) Schulden. Größter Schuldner ist der schwedische Staat, der eine Bürgschaft über 2,2 Milliarden Kronen für die Ersatzteilsparte Saab Parts übernommen hat. Diese Sparte wird von Nevs nicht übernommen. Die Vermögenswerte betragen gerade einmal 3,6 Milliarden Kronen. Welche Investitionen die neuen Eigner planen, wurde noch nicht bekanntgegeben.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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