Neue Konsolidierungsrunde
Mitten im Boom: Nutzfahrzeug-Branche vor Neuordnung

Die Lastwagen-Branche ist in Aufruhr geraten. Der MAN-Konzern bekundete am Mittwoch sein Interesse an einer milliardenschweren Übernahme des schwedischen Wettbewerbers Scania.

HB HANNOVER. Dies könnte mitten auf einem Konjunkturhöhepunkt eine Neuordnung der gesamten Branche einleiten - Experten sagen dies bereits seit längerem voraus. Für Gesprächsstoff auf der Leitmesse IAA Nutzfahrzeuge (21.-28. September) in Hannover ist gesorgt.

Die Auftragsbücher der Branche sind derzeit voll, die Kapazitäten ausgelastet, die Gewinne sprudeln - und die Kassen für Übernahmen sind gefüllt. MAN-Chef Hakan Samuelsson stellte bereits im Frühjahr Zukäufe im Nutzfahrzeuggeschäft in Aussicht. "Wir denken, es ist wichtig, größer zu werden. Die kritische Unternehmensgröße geht in unserer Industrie nach oben", sagte Samuelsson in einem Zeitungsinterview.

Am Mittwoch nun teilte MAN mit, es gebe eine "überzeugende Logik" für die Kombination MAN/Scania. "Zusammen würden beide Unternehmen zur Nummer eins im europäischen Markt für Nutzfahrzeuge werden." Damit werde eine bedeutende Plattform für profitables Wachstum geschaffen. Weitere Details wolle MAN aber erst in der kommenden Woche bekannt geben. Unklar ist auch, ob sich Scania-Großaktionär VW (18,7 Prozent) von seinem Anteil trennen will. VW nahm dazu am Mittwoch keine Stellung.

In der Branche sorgte das MAN-Interesse an Scania für Wirbel. "Das ist der erste Schritt einer Konsolidierung des Marktes", kommentierte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Institut B&D-Forecast. Die Hersteller müssten die Wachstumsmärkte China und Indien erschließen, zugleich ihre Position auf den alten Märkten verteidigen. "Da werden Größeneffekte bei Einkauf und Produktion immer wichtiger."

In Westeuropa wird 2006 Prognosen zufolge der vorläufige Konjunkturhöhepunkt des stark zyklischen Nutzfahrzeug-Geschäfts erreicht. Dabei profitiert die Branche, besonders auch in Deutschland, neben dem steigenden Transportaufkommen und einem Erneuerungsbedarf der Flotten auch von einer Reihe von Sondereffekten. Dazu gehören der seit Mai in der EU erforderliche digitale Tacho sowie die im Herbst verpflichtende Abgasnorm Euro IV. Ab 2007 wird in Westeuropa aber mit einem leichten Abflauen der Lkw- Konjunktur gerechnet, wenn auch auf hohem Niveau.

Bereits seit längerem gibt es Vorhersagen über eine Konsolidierungsrunde in der Lkw-Branche. In einer Studie der Unternehmensberatung Mercer Management vor einem Jahr etwa hieß es, das aktuelle Konjunkturhoch verschleiere strukturelle Probleme - so litten die Hersteller unter hohen Fixkosten. Die Unternehmen müssten die starke Konjunkturphase nutzen, um sich für die kommenden Herausforderungen zu rüsten. "Steigende Entwicklungskosten, Kostenvorteile in der Fertigung und die hohen Kosten der notwendigen Servicenetze werden die Lkw-Hersteller in Zukunft zu weiteren Fusionen oder Kooperationen zwingen."

Andere Experten sehen dies allerdings anders. So sagte der Nutzfahrzeugchef von Weltmarktführer DaimlerChrysler, Andreas Renschler, kürzlich in einem Zeitungsinterview: "Mit Daimler-Chrysler und Volvo haben wir zwei global agierende Lkw-Hersteller, daneben spielen Scania und MAN in Europa eine große Rolle, Paccar und Navistar in den USA. Die Branche ist eigentlich schon sehr übersichtlich."

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