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Neue Vorschriften für Fahrräder

Ein Standlicht für alle Fahrräder, die Erlaubnis für Batterielampen an Mountainbikes - über Jahre wurden entsprechende Vorschriften und Möglichkeiten diskutiert. Jetzt sollen wirklich neue Beleuchtungsregeln auf den Radwegen Einzug halten.

dpa/gms TüBINGEN/BONN. Ein Standlicht für alle Fahrräder, die Erlaubnis für Batterielampen an Mountainbikes - über Jahre wurden entsprechende Vorschriften und Möglichkeiten diskutiert. Jetzt sollen wirklich neue Beleuchtungsregeln auf den Radwegen Einzug halten.

Noch in der ersten Jahreshälfte ist mit einer entsprechenden Änderung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (Stvzo) zu rechnen. „Die Änderungsverordnung liegt als Entwurf vor und wird voraussichtlich noch im Frühjahr verabschiedet“, erläutert Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad Industrie Verbandes (ZIV) in Schwalbach/Taunus. Eine der wohl wichtigsten Anforderungen an neue Fahrräder wird künftig die Ausstattung mit einer Standlichtfunktion für die Rückleuchten sein. Das Rücklicht soll also bei Stillstand des Fahrrades automatisch weiterleuchten. „Ein Standlicht ist sehr sinnvoll“, meint Frank Hahn vom Adac in München. „Wenn Radfahrer an einer roten Ampel stehen bleiben, sind sie bisher schlecht zu sehen.“

Allerdings ist die zusätzliche Sicherheit im Grunde nur die Hälfte des Machbaren. „Die Standlichtfunktion für das Rücklicht ist sicher ein Fortschritt, wir wünschen uns aber auch Standlicht nach vorne“, sagt Welf Stankowitz, Referatsleiter Fahrzeug- und Verkehrstechnik des Deutschen Verkehrs-Sicherheitsrates (DVR) in Bonn. „Es wäre heute kein Problem, so etwas kostengünstig herzustellen.“

Allerdings dürften bereits die neuen Rückleuchten zu kleineren Preissteigerungen führen. „Fahrräder können damit um bis zu zehn Euro teurer werden - bei Kinderfahrrädern macht das schon einen Unterschied“, meint Andreas Oehler, Leiter des Fachausschusses Technik beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (Adfc) in Tübingen.

Verbessert werden soll auch die Funktionssicherheit der Fahrradbeleuchtung. Laut Siegfried Neuberger werden künftig doppelte Verkabelungen gefordert - bisher ist nur ein Kabel üblich, was immer wieder zu Problemen führt. „Der Strom fließt durch ein Kabel hin und dann über den Rahmen wieder zurück“, erklärt Andreas Oehler. „Wenn sich an den Kontakten Rost bildet, wird der Strom nicht mehr geleitet.“ Eine Folge ist das Versagen der Beleuchtung. Die doppelten Kabel sollen sie betriebssicherer machen.

Eine weitere Neuerung sieht vor, dass neben den üblichen 6-Volt-Leuchten auch solche mit zwölf Volt ohne Sondererlaubnis für Helligkeit sorgen können. Ob allerdings in Zukunft der Großteil der Fahrräder mit zwölf Volt leuchtet, ist fraglich. „Wir gehen davon aus, dass es sich nicht durchsetzt“, meint zumindest Adfc-Experte Oehler. Zum einen seien die 12-Volt-Anlagen noch zu teuer, zum anderen müsse gerade bei höheren Geschwindigkeiten recht viel zusätzliche Kraft beim Treten aufgewendet werden.

Auf eine rechtlich sichere Grundlage wird mit der Neuordnung eine Beleuchtungs-Möglichkeit gestellt, die gerade Fahrer von Mountainbikes schon länger nutzen: Nachdem Batteriebeleuchtungen bisher nur für Rennräder bis zu einem Gewicht von elf Kilogramm erlaubt waren, dürfen sie künftig auch an Mountainbikes bis zu einem Gewicht von 13 Kilogramm eingesetzt werden.

Die Gewichtsgrenze soll laut Neuberger „Pseudo-Mountainbikes“ von echten unterscheiden. „Es werden viele Fahrräder als Mountainbikes angeboten, die keine sind.“ Mit der Regel will man dafür sorgen, dass diese oft von Kindern und Jugendlichen eingesetzten billigeren Gefährte nicht ohne Beleuchtung in den Verkehr kommen.

Neue Ideen für die Sichtbarkeit der Radfahrer von der Seite sollen künftig ebenfalls erlaubt sein. Konnte bisher zwischen den Speichenreflektoren oder Reifen mit so genannten retroreflektierenden Streifen gewählt wird, kommt nun eine dritte Möglichkeit hinzu - die retroreflektierende Speiche. „Diese Speichen gibt es seit etwa einem Jahr, sie sind eine technisch sehr elegante Lösung“, sagt Andreas Oehler vom Adfc. Frank Hahn weist jedoch darauf hin, dass diese wie alle Reflektoren nur etwas nützen, wenn sie funktionieren - sie sollten daher bei Verschmutzung gereinigt werden.

Beim Neukauf eines Fahrrades ist jedoch auch nach in Kraft treten der neuen Regeln nicht sofort garantiert, dass bereits alle Änderungen umgesetzt wurden. Vorgesehen ist für einen Großteil eine Übergangsfrist von 18 Monaten. Erst dann müssen alle Hersteller wirklich so weit sein. Frank Hahn rät daher, beim Kauf genau hinzuschauen: „Die neuen Vorschriften sorgen für mehr Sicherheit. Man sollte sich daher beim Neukauf für ein Fahrrad entscheiden, das den aktuellen Vorschriften entspricht.“

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