Neuer Farbtrend
„Weiße Flotte“ auf dem Vormarsch

Autos in Weiß? Selten waren sich alle gesellschaftlichen Gruppen in Deutschland über lange Zeit so einig wie in der Ablehnung dieser Nicht-Farbe. Weiß war Transportern, Krankenwagen und sonstigen durchweg nützlichen Fahrzeugen vorbehalten. Doch aus Widerstreben wird immer öfter Zuneigung – Neuwagen in Weiß verkaufen sich dank erfolgreicher PR-Kampagnen besser.

DÜSSELDORF. „Weiße Flotte“ nennen die Mitarbeiter in der Vertriebsabteilung von Volkswagen die vielen Kleinwagen vom Typ Fox, die im Großkundengeschäft an die katholische Caritas verkauft werden.„Weiß liegt heute voll im Trend“, sagt Michaela Finkenzeller, Designerin bei der BASF-Abteilung Coatings, die Autolacke herstellt. Finkenzeller muss es wissen. Einmal im Jahr erstellt sie zusammen mit Expertinnen aus den USA und Asien eine Farbtrendprognose für den Automobilmarkt. Zu Beginn dieses Jahres hat die Damenriege Weiß als Überflieger ausgemacht – und siehe da, die Farbe hebt tatsächlich ab.

Wie sehr die Autodesigner derzeit auf die ehedem tabuisierte Farbe setzen, zeigte die weltgrößte Automobilausstellung IAA in Frankfurt. Von den auf Hochglanz polierten Schaustücken waren zwar erwartungsgemäß die meisten in Silber, Rot, Blau, Schwarz und Grau gehalten, aber dann folgte schon Weiß. Beachtenswerte 35 weiße Autos hat BASF zählen lassen. „Gerade im Premium- und Luxussegment werden auf den Messen immer mehr Autos in Weißtönen gezeigt“, hat Finkenzeller beobachtet. Bentley-Chef Franz-Josef Paeffgen war einer der ersten Autochefs, die der von BASF ausgerufenen Farbverlockung Taten folgen ließen. Vorführwagen des Coupés Continental GT ließ er weiß lackieren. Die auf der IAA im September erstmals präsentierte Hochleistungsvariante GT Sport fuhr ebenfalls blank vor.

Die Rechnung geht auf: Verkaufte die britische Traditionsmarke des Volkswagen-Konzerns vor zwei Jahren insgesamt 639 weiße Luxuswagen, waren es 2006 schon 881. Und bis zum August 2007 fertigten die Engländer bereits 877 weiße Bentley. Allein 538 davon gingen in die USA.

„Der Zuwachs ist groß. Natürlich auf Basis eines niedrigen Niveaus“, bestätigt ein BMW-Sprecher. Auch Kleinwagenstudien wie ein von Karmann vorgestelltes Polo Cabrio oder Volkswagens Studie „Up“ kamen schlicht weiß daher.

Noch gleicht das Bild auf Deutschlands Straßen überwiegend der IAA-Spitzengruppe. Trotz eines Rückgangs auf der Beliebtheitsskala leuchten in diesem Jahr laut Kraftfahrtbundesamt noch immer 40 Prozent aller neu zugelassenen Vierräder silbern, knapp ein Drittel ist schlicht schwarz, und knapp 16 Prozent der Käufer trauen sich Blau zu.

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