Neuer Geländewagen soll nach Deutschland exportiert werden
Patriotischer Akt in Russland

Patriot. Natürlich, Patriot. Wie anders soll ein Auto auch heißen, das nicht nur Russlands ramponierte Automobilindustrie aus der Krise lenken, sondern auch noch im Westen mächtig vorfahren soll?

MOSKAU. Patriot also heißt der neue Jeep des zum russischen Stahlkonzern Severstahl gehörenden Autobauers UAZ an der Wolga. „Ziegenbock“, nannte der Volksmund indes das Vorgängermodell, in dem die Polizei noch heute vornehmlich Schnapsleichen von den Straßen sammelt.

Patriotisch russisch ist bisher wenigstens der Motor aus den konzerneigenen SMS-Werken. Während koreanisches Getriebe, deutsche Schaltung, deutsche Lenktechnik, deutsch-russische Lampen, deutscher Anlasser, iranisches Armaturenbrett sowie lettische Einzelteile so ganz und gar nicht patriotisch anmuten. Die 2,7-Liter-Maschine ist laut den Autotestern der „Komsomolskaja Prawda“ - auch ein Patriotenblatt! - ein wenig zu schwach ausgelegt und bringt den 2,7 Tonnen schweren Russen-Geländewagen auf maximal 150 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit. Dafür soll der für russische Verhältnisse immerhin wie ein Auto aussehende Wagen in der Heimat für nur 14 000 bis 16 000 Dollar auf die Straßen kommen.

Doch nicht nur Russland soll mit den Patrioten bevölkert werden: Ein Drittel der jährlich 40 000 zu produzierenden Stück will UAZ-Generaldirektor Wadim Schwezow exportieren – als Hauptzielland nennt er ausdrücklich neben Kuba, Kolumbien und Afghanistan auch Deutschland. Vorige Woche sind die ersten Exemplare vom Band gerollt – rechtzeitig zu der an diesem Mittwoch beginnenden Moscow Motor-Show.

Dort wie auch in Deutschland steht dem Patrioten auch die härteste Schlacht bevor: Der Kampf gegen Chinas Billig-Geländewagen. Die erste Partie der von japanischen Vorbildern abgekupferten Chinesen-Jeeps mit dem noch wohliger als Patriot klingenden Namen Landwind sind bereits Anfang Juli in Antwerpen angelandet worden.

Nach Angaben des dortigen Autohändlers Peter Bijvelds sind die ersten Geländewagen aus dem Reich der Mitte bereits verkauft. 17 000 Euro will Hersteller Jianglin Motors für seine Wagen haben. Da kann der Patriot locker mithalten. Die chinesische Dadi Auto Co. hat aber nun einen nachgebauten Toyota-Geländewagen für unter 10 000 Dollar im Angebot - mit Holzlenkrad, Ledersitzen und Fernsehschirmen in den Kopfstützen. Darin ist beim doch sehr nach Sowjetplastik riechenden Patrioten natürlich nicht zu rechnen.

Somit wird eine Deutschland-Premiere frühestens im kommenden Jahr zum echten, harten Patrioten-Gefecht. Es sei denn, die erstarkte Linkspartei ließe ihren Fuhrpark und den der von ihr dominierten Gebietskörperschaften in PDS-Rot nach dem alten Motto aufrüsten „Von Russland lernen, heißt siegen lernen!“

Dagegen spricht wiederum, dass es auch die deutsche Linke nicht besonders mit Lada-Niva-Geländewagen hatte, und wer in Russland auch nur ein bisschen mehr Geld hat, kauft keine heimischen Autos mehr: Während westliche KFZ-Produzenten immer mehr Neuwagen gen Osten verschiffen und sich ihre Produktion in Russland mittlerweile verdreifacht hat, geht die Produktion von Lada, Wolga & Co immer weiter zurück.

Da muss also der Patriot helfen – „wenn UAZ dauerhaft eine qualitative Produktion garantieren kann“, meint die Moskauer Auto-Analystin Jelena Sachnowa. Der Kampf der Patrioten mit den Zweiflern muss also zuerst in Russland gewonnen werden.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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