Neuer VW Beetle
Ein Frauenauto soll das Herz der Marke werden

Was dem „Sohn“ des Käfers nicht gelang, soll der „Enkel“ vollenden: Mit dem neuen Beetle will VW nicht nur in Nordamerika und China, sondern auch in Deutschland Marktanteile unter Nostalgikern gewinnen.
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Berlin/WolfsburgPassend zum dynamischen Design des neuen Beetle plant Volkswagen eine sportliche R-Version des Käfer-Erben. Das war am 11. Juli bei der Fahrzeugvorstellung in Berlin aus Unternehmenskreisen zu erfahren. Das Vorhaben passt zu den aktuellen Plänen des Konzerns, mit dem neuen Beetle deutlich größere Erfolge einzufahren, als mit seinem etwas ungeliebten Vorgänger, der nie an die Sympathie- und Verkaufswerte des guten alten Käfers anknüpfen konnte.

„In den USA war der New Beetle ein großer Erfolg - in Europa war es eher bescheiden“, räumte VW-Chef Martin Winterkorn bei der Vorstellung des Nachfolgers ein. Das soll sich aus Sicht der Wolfsburger bald ändern. Denn bei dem schlicht Beetle 2 genannten Modell geht es für den Konzern mitnichten nur um ein Nischenprodukt, das von PS-Fans mitunter als „Frauenauto“ belächelt wird. Stattdessen ist vom „Herz der Marke“ die Rede.

Seine offizielle Weltpremiere hatte der Beetle 2 zwar schon im April - und sorgte vor allem auf der Automesse in Shanghai für Furore. Doch vor der Markteinführung im Herbst wollte es sich die Führungsriege um Winterkorn und Technik-Chef Ulrich Hackenberg nicht nehmen lassen, die jüngste Fassung noch einmal in Szene zu setzen.

Die neu gestaltete Version des Beetle soll dem Retro-Flitzer auch auf dem deutschen Heimatmarkt zum Durchbruch verhelfen. Nach dem ersten Käfer-Spross, der 1998 sein Debüt gefeiert hatte, könnte - so das Kalkül der Designer - der Beetle 2 dank seines bulligeren Äußeren mehr „maskuline“ Autofahrer für sich gewinnen. „Wir haben da einen Nerv getroffen“, glaubt Winterkorn - er befürchtet allerdings nicht, dass die weibliche Anhängerschaft dadurch dezimiert werden könnte.

Mit dem Beetle 2 verbindet der Konzern neben allem Marken-Pathos auch ganz nüchterne Interessen. So soll sich das Auto vom Spaßmobil zum alltagstauglichen Gefährt wandeln, zugleich die Produktionstiefe an den ausländischen Standorte voranbringen sowie Zollvorteile ausschöpfen. „Es geht darum, mehr Wertschöpfung zu lokalisieren“, betont Winterkorn. Bis zu 85 Prozent der Bauteile für das im mexikanischen Puebla hergestellte Auto kämen von örtlichen Zulieferern - für das auf Qualität erpichte Unternehmen eine grundsätzliche Herausforderung.

Abgesehen von den USA, wo Volkswagen vor kurzem sein neues Werk in Chattanooga (Bundesstaat Tennessee) eröffnete, ist der Käfer-Erbe auch für den Wachstumsmarkt Nummer eins - China - von einiger Bedeutung. Dort will Europas größter Autobauer in diesem Jahr mindestens acht bis zwölf Prozent mehr Fahrzeuge absetzen und bis 2015 mehr als zehn Milliarden Euro investieren. „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass der Beetle seinen Hauptmarkt in Amerika haben wird. Aber Zweitmarkt wird China“, ist Winterkorn überzeugt.

Und in Europa? Eine direkte Kampfansage an die Konkurrenz will sich der VW-Cheflenker in Berlin zwar nicht abringen. Auf ein „Überholen“ des zum Rivalen BMW gehörenden Mini angesprochen, geht er aber schon einmal vorsichtig in die Offensive: „Das kann passieren.“

Was beim Beetle an Varianten geplant ist

Ähnlich wie der technisch eng verwandte Golf R dürfte der angekündigte stärkste Beetle auf mindestens 270 PS kommen. Vorerst stärkster Motor wird bei der Markteinführung im Oktober der Vierzylinder-Turbo aus dem Golf GTI sein. Er leistet laut Hersteller 200 PS und beschleunigt den Wagen in 7,5 Sekunden auf Tempo 100. Der Beetle 2.0 TSI verbraucht 7,7 Liter (CO2-Ausstoß: 183 g/km) und kostet ab 27.100 Euro.

Das Basismodell des zweiten Käfer-Nachfolgers treibt ein 1,2 Liter großer Benziner mit 105 PS an. Den Verbrauch gibt VW mit 5,9 Litern an, was einem CO2-Ausstoß von 137 g/km entspricht. Die Preise beginnen bei 16.950 Euro. Kurz nach der Markteinführung sollen ein weiterer Benziner mit 160 PS und zwei Diesel mit 105 und 140 PS folgen. Die Selbstzünder sollen sich mit 4,3 Litern Kraftstoff zufriedengeben (CO2-Ausstoß: 114 g/km). Ab Ende 2012 will VW den Beetle auch als Cabriolet anbieten.

Europas größter Autobauer fährt derweil weiterhin auf vollen Touren. Erstmals gelang es der Kernmarke Volkswagen, in einem ersten Halbjahr mehr als 2,5 Millionen Autos zu verkaufen. Der Absatz wuchs in den ersten sechs Monaten um 11,8 Prozent. Auch im Gesamtkonzern legten die Auslieferungen deutlich zu. Zwischen Januar und Juni konnte VW nach den Worten Winterkorns über vier Millionen Fahrzeuge an die Kunden bringen. Zu Spekulationen um den Bau eines Werks der Tochter Audi in den USA hielt sich der VW-Chef bedeckt: „Beschlossen ist gar nichts. Es wird aber sehr intensiv darüber diskutiert.“

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  • "...In den USA war der New Beetle ein großer Erfolg - in Europa war es eher bescheiden", räumte VW-Chef Martin Winterkorn bei der Vorstellung des Nachfolgers ein. ..."

    Wer wie ich öfter in den USA ist, weiß dass dort deutsche Autos ungefähr die Hälfte des deutschen Preises kosten. Winterkorn ist halt, wie die meisten deutschen Manager reich und bekommt nichts mit von der schwachen Kaufkraft der Autokunden. Der Run auf den Dacia Logan hätte den Konzernbossen eigentlich die Augen öffnen müssen. Der New Beetle wird auch weiterhin ein Nischenprodukt bleiben. Der Preis ist völlig überzogen. Wer ihn kaufen will, soll es tun. Mich reizt er nicht.

  • Dieser Beetle hat noch eine große Zukunft. Besonders dann, wenn Hybridmotoren folgen, die dem Motor noch mehr das Saufen abgewöhnen. Aber darauf muss man wahrscheinlich noch 3 Jahre warten. Der Einstiegspreis ist doch recht hoch für einen Volksbeetle ... aber noch gerade tragbar, was wohl auch das Ziel war. Über die Zubehörliste ist man recht flott bei 20.000 Euro. Angenehm ist auch, dass der Beetle das Formeneinerlei durchbricht. Ein Beetle polarisiert. Das ist einwenig auch wie das Salz in Suppe.

    Hoffentlich wird die Antriebsalternativenpalette größer, dann kann man sich richtig freuen, da für jeden etwas dabei ist.

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