Neuer VW Passat Mehr Klasse in der Masse

VW stellt den neuen Passat vor und hat seine Mittelklasse technisch stark aufgepeppt. Die Wolfsburger reihen sich ein in die Phalanx der Hersteller, die eine Liga höher spielen wollen. Experten sehen dabei auch Risiken.
7 Kommentare

Dieser „Mini-Phaeton“ greift die C-Klasse an

Besucher betrachten im Volkswagen Designzentrum in Potsdam (Brandenburg) nach der offiziellen Vorstellung den neuen VW Passat. Quelle: dpa

DüsseldorfAls VW-Vorstand Heinz-Jacob Neußer erste Details des neuen Passats vorstellte, sprach er von einem „Klassensprung“. Die achte Generation des Mittelklassemodells, intern B8 genannt, kommt Ende des Jahres auf den Markt, - und sie soll mindestens eine halbe Liga höher spielen als der Vorgänger. Sprich: Ganz bewusst will Wolfsburg Kunden ansprechen, die bislang (Dienst-)Fahrzeuge der Konkurrenz aus München und Stuttgart oder der Konzernschwester aus Ingolstadt bevorzugten.

Die Erwartungen an den Passat sind gewaltig, auch wegen der Erfolge der Vergangenheit: Von den sieben Vorgänger-Generationen wurden seit 1973 über 22 Millionen Einheiten gebaut. Damit hat der Passat den Käfer überholt und ist auf den Fersen des Golf.

An diesen Erfolg soll der mit neuer Plattform, neuen Motoren und mit Verwendung der modularen Gleichteilestrategie konstruierte VW-Mittelklässler möglichst nahtlos anknüpfen. Für VW-Konzernchef Martin Winterkorn ist die betont breit und Coupè-ähnlich gezeichnete viertürige Limousine ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Ziel bis 2018 nicht der größte, aber der erfolgreichste Autohersteller der Welt zu werden.

Dafür soll der Passat besonders für den Profit je Fahrzeug seinen im Vergleich zum VW Golf höheren Beitrag leisten. Und getragen wird diese Hoffnung auf den Passat-Erfolg von einer Hinwendung vor allem zu den technischen Stärken, die in der folgenden Bilderstrecke im Detail vorgestellt werden:

Was der neue VW Passat zu bieten hat
Weltpremiere neuer VW Passat
1 von 32

Der Passat sei Oberklasse im Mittelklasseformat, sagte VW-Chef Martin Winterkorn bei der Passat-Premiere Anfang Juni 2014 in Potsdam. "Weil er ein Auto mit Premium-Anspruch, aber ohne Premium-Kosten ist."

Das inzwischen schon in achter Generation gebaute Auto ist hierzulande vor allem ein Firmenwagen. Mit zuletzt weltweit rund 1,1 Millionen Verkäufen pro Jahr ist der Passat wichtigste Baureihe des Zwölf-Marken-Konzerns.

Woman films new Volkswagen Passat during its launch ceremony at Volkswagen Design Center in Potsdam
2 von 32

Die Erwartungen an den Passat sind gewaltig, auch wegen der Erfolge der Vergangenheit: Von den sieben Vorgänger-Generationen wurden seit 1973 über 22 Millionen Einheiten gebaut. Damit hat der Passat den Käfer überholt und ist auf den Fersen des Golf.

35540_vag_pas_14_11_big
3 von 32

Natürlich folgt Volkswagen dem Leichtbau und wird den nächsten Passat auch dank neuer Fügetechniken um bis zu 85 Kilogramm leichter machen. Gleichwohl stemmen sich die Wolfsburger gegen den Trend, die nächste Modellgeneration deutlich größer zu machen als den Vorgänger.

Der neue Passat, der im Oktober auf dem Pariser Autosalon Premiere haben und noch vor Jahresende auf den Markt kommen wird, ist sogar den Hauch von zwei Millimetern kürzer.

35540_vag_pas_14_2_big
4 von 32

Da der Vorderbau aber gleich vier Zentimeter kürzer wird und der Radstand sich vergrößert, wächst der Innenraum spürbar. Aber nicht nur deswegen spricht VW-Vorstand Dr. Heinz-Jacob Neußer von einem „Klassensprung“. Der Passat der achten Generation (intern B8 genannt) wird künftig eine halbe Liga höher spielen.

Mit neuen Technologien sollen nicht nur Kunden aus der nächst höheren Fahrzeugklasse, sondern vor allem auch von den etablierten Premiumwettbewerbern aus München und Stuttgart abgeworben werden ...

35540_vag_pas_14_8_big
5 von 32

Ein Beispiel ist die komplett digitale Instrumenteneinheit wie sie zunächst im Audi TT ihre Premiere feiern wird. Außerdem gibt es ein neues Head-Up-Display auf einer ausfahrbaren Glasscheibe im Sichtfeld des Fahrers. Die soll laut VW sogar verschmutzungsresistent sein. 

ampnet_photo_20140522_081249
6 von 32

Ein weiteres Beispiel ist der neu entwickelte 2,0-Liter-Biturbo, der mit seinen 176 kW / 240 PS bis zu 500 Newtonmeter Drehmoment stemmt und sich unter anderem durch hervorragende Laufruhe auch im niedrigtourigen Bereich auszeichnen soll.

Dazu trägt ein mit dem Zwei-Massen-Schwungrad gekoppeltes Pendel mit gegensätzlicher Schwingung bei. Der Normverbrauch wird mit 5,3 Litern angegeben. Die Motoren werden – auch dank Zylinderabschaltung – bis zu einem Fünftel sparsamer sein, und erstmals wird es den Passat auch als 211 PS starken Plug-in-Hybrid mit einer elektrischen Reichweite von bis zu 50 Kilometern geben. 

The new Volkswagen Passat is introduced during the launching ceremony in Potsdam
7 von 32

Alle Motoren werden – auch dank Zylinderabschaltung – bis zu einem Fünftel sparsamer sein.

Volkswagens Vorstand für Technische Entwicklung Heinz-Jakob Neußer ist besonders stolz auf den brandneuen Vier-Zylinder-Bi-Turbodiesel mit 240 PS und 500 Newtonmetern Drehmoment, der nur 5,3 Liter verbrauchen soll. „Ich bin der Meinung, dass der neue Passat schon ein kleines Oberklassemodell sein wird“, sagt der Motorenspezialist. Und beschreibt damit einen Trend, dem viele Autohersteller folgen: Man setzt auf Eroberungspotenzial im nächst höheren Fahrzeugsegment, schielt auf die Kunden, die (noch) bei der höherpositionierten Konkurrenz kaufen - und wertet die neuesten eigenen Modelle jeweils auf. Kurz gesagt: Alle wollen Premium sein.

Ford, berühmt für Brot und Butter-Autos, versucht das mit Vignale-Ausstattung und neuer Sprachsteuerung, den Anfang einer neuen Serie bei dem US-Konzern soll der Mittelklassewagen Mondeo machen - ein direkter Konkurrent des Passat. Bei Peugeot/Citroën soll die noblere DS-Linie zur eigenständigen Premiummarke ausgebaut werden, Opel denkt bei der Monza-Studie ebenfalls wieder an die Oberklasse, - und zielt mit dem Insignia auf die gleiche Klientel.

Auch Hyundai feiert mit dem i40 Verkaufserfolge. Renault bringt im nächsten Jahr den Nachfolger des Laguna. „Um nicht zwischen den Konkurrenten zerrieben zu werden, muss VW den Passat höher positionieren“, sagt Stefan Bratzel, der das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach leitet.

Während sich die Oberklassehersteller BMW (mit Van und kommenden Dreizylindermotoren) und Mercedes-Benz (mit A- und B-Klasse) immer mehr im Kompaktsegment breit machen, dreht der Golf-Erfinder den Spieß um. Versuche in diese Richtung gab es schon mehrfach: Schon vor Jahren sollte der Passat mit Sechszylindermotor und sportlicher Coupé-Karosserie betuchte Kunden anlocken.

Der Hintergrund ist simpel und heißt Rendite. Mit Massenmodellen in der Kompakt- und Mittelklasse wird bei extrem hartem Wettbewerb bei weitem nicht so viel Wert geschöpft wie im Premiumsegment. Dort fällt es auch leichter, den Kunden teure Zusatzausstattung zu verkaufen.

Das rein digitale und verschieden konfigurierbare Cockpit verknüpft auf einem 12,3 Zoll großen Display virtuelle Rundinstrumente mit der Navigationsanzeige oder anderen Darstellungen. Quelle: PR

Das rein digitale und verschieden konfigurierbare Cockpit verknüpft auf einem 12,3 Zoll großen Display virtuelle Rundinstrumente mit der Navigationsanzeige oder anderen Darstellungen.

(Foto: PR)

Und VW nennt noch einen weiteren Grund für das Motto mehr Klasse in der Masse: Es liegt an den Chinesen. Neußer sagte, dass „wir in der neuen Generation versucht haben, den Passat in eine neue Welt zu heben. Der Passat ist das Fahrzeug in China. Er ist dort zum festen Bestandteil der Fahrzeug-Population geworden.“ Allein deshalb muss dieser Volkswagen-Typ stetig weiterentwickelt werden. China wird auch in Zukunft der wichtigste Markt für die Automobilhersteller sein. Und die Chinesen wollen ständig den neuesten Trends folgen, ganz besonders bei ihren Autos. 

Konzerninterner Kampf um Kunden
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

7 Kommentare zu "Neuer VW Passat: Mehr Klasse in der Masse"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich kann diese Navi-Lösung nicht mehr nachvollziehen. Der Bildschirm befindet sich in Fußbodennähe und ist alles andere als glücklich plaziert, die Touch-Bedienung während der Fahrt lenkt erheblich vom Straßengeschehen ab. Da baut Volkswagen für viel Geld verschiedene Sicherheitfeatures ein und dann so etwas....Völlig aus der Zeit gefallen.

  • „So lässt sich nicht abschließend klären, warum jeder Mini zum Einstiegspreis von unter 16.000 Euro als Premium gezählt wird - ein Opel Insignia OPC zum dreifachen Preis aber nicht.“
    Premium entsteht aus höherer Wertschätzung in den Augen des Betrachters. Dies wiederum wird durch die Persönlichkeit eines Produktes hervor gerufen. Und hier ist gutes Design (Frucht von Talent und Göttliche Intuition) in Verbindung mit gutem, hochwertigen Material ausschlaggebend. Persönlichkeit also, das Wort sagt es, entsteht dadurch dass ein Produkt das Kind und Spiegelbild einer einzelnen talentierten Person ist und nicht das Ergebnis vieler, in Konkurrenz zueinander stehenden und gestellten, verschiedenen und nach Aufmerksamkeit haschenden, Meinungen.

  • Die anderen Kommentatoren dieses Artikels haben recht:

    VW ist seit langem kein VOLKSWAGEN mehr.

    Wahrscheinlich sind die Leute in der Marketingabteilung von VW in Wolfsburg mit derart hohen Gehältern ausgestattet, dass sie sich noch einen Golf oder Passat leisten können. Otto Normalverbraucher hingegen schon lange nicht mehr!

    Mir tun die Menschen, die auf dem Lande wohnen leid, auf´s Kfz angewiesen sind und jeden Tag vom Dorf in die größeren Städte zur Arbeit fahren müssen.

    Ein Horrortrip angesichts der maroden Infrastrukturen.

    Hier sehe ich auch keinen Gleichklang zwischen Staat (das sind wir! Oder das sollten wir sein!) und den Automobilkonzernen mehr.

    Aber wenn man sich am Hindukush engagiert oder für Drohnen sinnloserweise Milliarden ausgibt, um es unserem großen "Bündnispartner USA" recht zu machen, muss man sich auch nicht sehr wundern!

  • Gebe Ihnen recht. Der Grund dafür ist vielleicht darin zu finden dass die Entscheidungsträger beim VW Konzern, bedingt durch ihre Einnahmen, völlig das Gefühl für die Massen und was auf dem Markt wirklich los ist, verloren haben. Sie können sich in den Normalbürger, seine finanziellen Möglichkeiten und Bedürfnisse, einfach nicht hinein versetzen. Sie sind aber die Masse.

  • Ein Artikel direkt aus der VW-Marketingabteilung diktiert. Na ja, auch das HB muss sehen, wo es bleibt

  • Da haben die Altherren im VW Konzern mal wieder etwas Barockes verabschiedet.
    Da wundern mich die miesen US Verkaufszahlen nicht! Das projekt 2018 ist schon lange tot.
    Der Konzern benötigt an der Spitze eine Runderneuerung.

  • Vom Volumen war schon der aktuelle Passat ein Riesenschiff, preislich schon ambitioniert, wenn nur ein Hauch Ausstattung drin ist. Mit dem ehemaligen Familientransporter hat der Passat schon lange nichts mehr zu tun. VW überläßt das Feld damit der Konkurrenz aus Korea sowie Opel und Ford. Wenn VW damit in China punkten kann, so ist die Entwicklung verständlich, denn da werden einfach deutlich mehr Autos verkauft. Aber für den deutschen Markt ist es meiner Ansicht nach die falsche Strategie - sie machen sich Konkurrenz im eigenen Haus, Und: VW verliert zunehmend das Image des VOLKSwagens, Das ist sehr gefährlich. Wenn ein Konzern mal den Ruf hat, vor allem teuer zu sein (und das ist VW ja wirklich) kriegt er den auch nicht mehr los. Dann sind die Leute aber schon bei der preiswerteren Konkurrenz. Wenn der Erstwagen mal von Hyundai ist, wird der Zweitwagen garantiert kein VW. Das wiederum schadet dann der Volumenklasse von Golf und Polo.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%