Neues Front-Design auf der IAA
Der böse Blick wird chic

Viele Serienmodelle und Konzeptfahrzeuge auf der IAA haben eins gemein: extrem schmale Scheinwerfer. Das lässt die Leuchten wie zusammengekniffene Augen wirken. Muss uns das ängstigen?.
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Frankfurt/DüsseldorfDie Scheinwerfer links und rechts wirken wie Augen, dazwischen das Markenemblem wie eine Nase, und der Kühler könnte der Mund sein. Man braucht nicht viel Fantasie, um in der Front von Autos Gesichter zu sehen. Die Erkenntnis ist auch nicht neu: So setzte Renault 1993 bei der Einführung des Twingo beim Scheinwerfer-Front-Design bewusst auf ein "Kindchenschema". Doch mittlerweile verfinstern sich die Blicke unserer Autos zusehends. Und wer den neuen und kommenden Serienmodellen sowie den automobilen Visionen auf der IAA tief in die Leuchten schaut, stellt schnell fest: Der böse Blick wird zum mainstream.

In erster Linie sei das der vergleichsweise neuen technischen Möglichkeit geschuldet, komplette Scheinwerfer mit winzigen LED-Dioden zum Leuchten zu bringen, erklärt Steffen Pietzonka vom Autozulieferer und Lichtspezialisten Hella. BMW zeigt auf der IAA erste Laser-Dioden, die sogar noch 100 Mal kleiner als die nur einen Millimeter großen LEDs von heute sind.

Grimmig auf die linke Spur

Wo einst Glasbirnen in großen Scheinwerfergehäusen glühten, bleiben immer häufiger nur noch grell leuchtende LED-Schlitze. Die erinnern an zusammengekniffene Augen, wodurch der Eindruck eines grimmigen Blicks entsteht. Paradebeispiele für finstere Autogesichter sind die Studien Ford Evos, BMW i8 oder Mercedes Concept A.

Beim Evos sind die Scheinwerfer besonders schmal, dazwischen prangt ein riesiger Kühlergrill wie ein aufgerissenes Fischmaul. Dass die Leuchtschlitze leicht schräg in die Karosserie integriert sind und nach innen spitz zulaufen, verstärkt beim Betrachter das Gefühl, dass der Evos eher ein angriffslustiger Blechkamerad ist.

In Zukunft könnte dieser Blick bei Ford Standard werden: Das Konzept legt "die Kernelemente der neuen Design-Sprache für die nächsten Modellgenerationen der Marke fest", erklärt Exterieur-Chefdesigner Stefan Lamm. Die Designer von Renault und Citroën haben sogar jenen Studien finstere Minen aufgesetzt, die von der Idee her in Zukunft als Familienautos vorstellbar wären. Wobei der Kleinbus Citroën Tubik in der Frontansicht garstiger wirkt als der Hochdachkombi Renault Frendzy, weil er die schmaleren Scheinwerfer hat - und das größere (Kühler-)Maul.

Design-Professor: Agressionen transportieren

Für Peter Naumann haben Autogesichter wie diese etwas beängstigend Raubtierhaftes. Naumann ist Professor an der Hochschule München, spezialisiert auf Industrie- und Fahrzeugdesign. Und Raptoren auf Rädern bereiten ihm Bauchschmerzen. Denn grimmige Blechminen transportierten Aggressionen in den Straßenverkehr, sagt Naumann.

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  • Ein schönes Beispiel aus der Gegenwart liefern die aktuellen Audis mit Tagfahrlicht.
    Zumindest in der subjektiven Wahrnehmung sind das die aggresivsten Fahrer auf der Autobahn (die sich auch nicht um Tempolimits scheren)

  • Der "böse Blick" wurde einst von Hobbytunern für Golf, Polo und Co. erfunden. Nun ist er im Mainstream angekommen. Schönes Kompliment für die Alt-Tuner, hat aber lediglich zur Folge, dass es irgendwann wieder einen neuen Trend der Industrie geben wird. In ein paar Jahren ist wieder was anderes angesagt, also was soll's? Es besteht auch kein Grund, sich durch schmale Scheinwerfer im Rückspiegel beeindrucken zu lassen. Ein optischer Gag, mehr nicht. Wen beeindrucken inzwischen noch die LED-Tagfahrleuchten? Hat ja auch schon jeder City-Floh. Also cool bleiben. Schöner als manche Glotzaugen sind die Schlitze ja immerhin. Aus meiner Sicht...

  • Für diesen Trend wünsche ich mir einen zweiten dazu: Einen Trend der Gerichte, Rasern und Dränglern solche Fahrzeuge wegzunehmen und sie als Tatwaffe ersatzlos einzuziehen. In der Schweiz gibt es das. Warum nicht auch in Deutschland?

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