Nutzfahrzeug-IAA 2010
Grüne Mobilität für Autobahn-Elefanten

39 bis 46 Litern je 100 Kilometer - das ist der durchschnittliche Dieselverbrauch schwerer Lkw. Kein Wunder, dass Hybridantriebe, spritsparende Spoiler und Leichtlaufreifen nicht allein dem Pkw vorbehalten bleiben sollen. Wie grüne Mobilität für Brummis aussehen kann, lässt sich ab der kommenden Woche auf der IAA Nutzfahrzeuge erleben.
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HB HANNOVER. Können aus spritfressenden, abgasschadstoffreichen Lastwagen je vorbildliche Saubermänner werden? Ingo Buck, Innovationsberater bei der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH, setzt darauf.

Auf seinem Schreibtisch liegt ein Schnellhefter mit der Aufschrift „Easy Drive Hybrid: Am Lkw Energiequellen nutzen, die ansonsten ungenutzt bleiben“. Ingenieur Buck ist sich sicher: Der nachrüstbare Hybridantrieb für 20 bis 40 Tonner – die Autobahn-Elefanten – wird auf der diesjährigen IAA Nutzfahrzeuge für Furore sorgen.

Elf Unternehmen und Organisationen, darunter drei Forschungsinstitute und das Land Schleswig-Holstein, ziehen für dieses ehrgeizige Projekt an einem Strang. Und sie sind nicht allein: Saubersysteme für Brummis sind die Highlights in Hannover. Grüne Mobilität beim Straßengütertransport gilt als eine der größten Herausforderungen der Branche.

Denn noch weist jedes zweite Nutzfahrzeug in Europa eine schlechtere Schadstoffklasse auf als Euro 5. Nur schleppend werden alte Lkw durch moderne, verbrauchs- und schadstoffarme aber auch kostspielige Maschinen ersetzt. Lieber lassen die Unternehmen vorhandene Laster instandsetzen.

Immerhin: Ein wenig wird die allgemeine Lkw-Umweltbilanz durch Nachrüstsysteme aufgebessert. Diese sind verhältnismäßig günstig, werden öffentlich gefördert, führen zu einer besseren Euro-Gruppeneinstufung und senken somit die emissionsabhängigen Mautgebühren und Kfz-Steuern. Und natürlich lassen sich damit Fahrverbote in Umweltzonen oder umweltgeleiteten Autobahnstrecken vermeiden. Auf der Inntalautobahn in Tirol etwa gilt ein generelles Nachtfahrverbot für Fahrzeuge unterhalb der Euro-5-Klasse. Euro-5-Lkw dagegen dürfen auch nachts unterwegs sein.

Der erwähnte Nachrüst-Set „Easy Drive Hybrid“ aus Norddeutschland kommt ohne Eingriff ins Fahrzeugmanagement aus: Das Lkw-Dieseltriebwerk erhält Unterstützung durch einen Elektromotor, der zugleich als Generator dient. Ein Lithium-Ionen-Akku fängt die Energie auf, die beim Bremsen gewonnen wird. Eine Windturbine hinter der Heckabrisskante nutzt den Fahrtwind für zusätzliche Energie, während eine 30 Quadratmeter große Photovoltaik-Plane auf dem Dach Solar-Strom beisteuert, und das auch beim Parken.

Selbst die Abgase lassen sich nutzen, schließlich sind sie bis zu 300 Grad Celsius heiß und damit ein gefundenes Fressen für die thermoelektrischen Generatoren des Nachrüst-Sets „Made in Schleswig-Holstein“. Und Linear-Generatoren nutzen derweil die Bewegung der Stoßdämpfer für die Energieerzeugung.

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