Off-Road-Rennen
Sandkasten ohne Regeln

Ohrenbetäubender Lärm, aufgewirbelter Staub, tödliche Rennmaschinen: Die „Terrible’s Primm 300“in Las Vegas erfüllen all das, was man immer schon über Off-Road-Rennen dachte. Einziges Gesetz: Mach doch, was du willst!

Kleine Jungs spielen gerne im Sand, große auch. Bei denen ist allerdings der Sandkasten größer, die Förmchen heißen Männerspielzeug, und aus dem Spiel wird manchmal tödlicher Ernst.

Armin Schwarz hat schon alles gesehen. Der 44-Jährige hat große Siege gefeiert und bittere Niederlagen weggesteckt. Aber „das hier“, sagt der Rallye-Europameister von 1996, „das hier ist immer noch etwas Besonderes“. „Das hier“ ist die Wüste von Nevada. Erbarmungslose Wildnis, ein Glutofen bei 40 Grad im Schatten. Der Ort des Geschehens: Primm. Drei Casinos, ein Einkaufszentrum und eine Tankstelle, gut fünfzig Kilometer vor Las Vegas. An dreihundertzweiundsechzig Tagen im Jahr nur ein gesichtsloser Zwischenstopp auf der Interstate 15 nach Los Angeles. Aber an drei Tagen im September übertönt ohrenbetäubender Lärm aus ungedämpften Auspuffrohren das nervtötende Geklingel der einarmigen Banditen. Die amerikanische Off-Road-Szene trifft sich zur „Terrible’s Primm 300“. Das sind 300 Meilen durch Staub, Dreck und Geröll.

Die 300 gehört zur US-amerikanischen Score-Rennserie. Anders als bei üblichen Rallyes, wo Start und Ziel an verschiedenen Orten liegen, wird hier in einem Rundkurs gefahren. Viermal rund 70 Meilen. Start und Ziel mit Zuschauertribünen liegen direkt hinter dem Wild-West-Casino „Buffalo Bill’s“ – Zeit für ein schnelles Spielchen zwischendurch ist in Nevada immer noch drin. Aber da ist noch etwas anderes, was rund 200 große Jungs wie Armin Schwarz hierher lockt. Die Freiheit. „Es gibt hier – anders als in sonstigen Rennen – fast keine Regeln“, sagt der gebürtige Franke.

Wer etwa bei 200 km/h an engen Stellen überholen will, der „klopft an“. Auf gut Deutsch: Der Vorausfahrende wird kurzerhand gerammt. Neunzig Prozent der Fahrer machen dann bei der nächsten Gelegenheit freiwillig Platz, beim Rest wird noch mal nachgeholfen. Erlaubt ist, was schnell macht.

Man kann auch mal für etwas Wirbel sorgen, verrät Schwarz einen kleinen Trick. Kommt ein Verfolger zu nahe, zieht man den Buggy kurz aus der Spur in den Sand neben der Strecke und bremst leicht an. Die Folge ist eine undurchdringliche Wand aus Dreck und Staub. Nur die ganz Harten halten dann im Blindflug trotzdem weiter drauf. Die Alternativen sind überschaubar: überholen oder überschlagen.

Technisch sind praktisch nur die Sicherheitseinrichtungen wie Überrollkäfige, Fünfpunktgurte und Sicherheitskleidung Pflicht, Turbolader sind verboten. Der Rest? Mach doch, was du willst!

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