Oft wird aus Scham gelogen
Polizeischätzung: Jede fünfte Unfallflucht ist vorgetäuscht

dpa SOEST. Nach Schätzungen der Polizei ist jede fünfte Unfallflucht nur vorgetäuscht. Vermeintliche Parkplatz-Rempler oder Unfälle, bei denen Fahrer durch Wildwechsel oder entgegenkommende Raser im Graben gelandet sein wollen, sind demnach nicht immer „astrein“.

„Bei Unfallfluchten habe ich immer im Hinterkopf, dass da etwas nicht stimmen könnte“, sagt Rainer Noack von der Polizei im sauerländischen Olpe. Genaue Statistiken über erfundene Unfallflucht-Geschichten gibt es nicht. Aber die Erfahrungen verschiedener Polizeidienststellen decken sich. „Bei 20 Prozent würde ich das schon ansiedeln“, sagt Noack.

„Manche Leute denken, wir glauben alles“, sagt Noack. Doch häufig gehe schon bei der Unfallschilderung und der Begutachtung der Schäden am Fahrzeug die „Warnleuchte“ an: „Da ist offensichtlich, dass das so nicht passiert sein kann“, sagt auch Achim Hagelauer vom Verkehrskommissariat im siegerländischen Kreuztal. Häufig müsse „der große Unbekannte oder ein Reh“ herhalten, um zum Beispiel Raserei zu erklären, die in den Graben führte.

Die Gründe, warum Autofahrer nach einem selbst verschuldeten Unfall zu Märchenerzählern werden, sind vielfältig. „Bei jungen Fahrern kann es die Angst vor einer drohenden Nachschulung sein“, vermutet Hagelauer. Oder es handelt sich um das geliehene Auto der Eltern, mit denen die Betroffenen Ärger vermeiden wollen. Doch wenn Unfallbild und Schilderung des Herganges nicht zusammenpassen, gingen die Beamten dem schon sehr intensiv nach.

Auch die Angst vorm Ehepartner mache so manchen Unfallfahrer zum Lügenbaron. „Die haben Angst vor ihrem Mann, weil sein „liebster Schatz“ - das Auto nämlich - beschädigt ist“, sagt Noack in Olpe.

„Auch wenn man sich vor dem Partner oder dem Vater schämt, vor der Versicherung braucht man sich für einen Unfall nicht zu schämen“, sagt Karin Rüter vom Berliner Gesamtverband der Versicherer (GdV). Für die Autoversicherer sind die frei erfundenen Unfallfluchten kein Thema. „Da ist es egal, ob es sich um eine nicht aufgeklärte Unfallflucht handelt“, sagt die GdV-Sprecherin. Entweder sei ein Fahrzeug vollkasko versichert oder nicht. Bagatellschäden wie bei Parkplatz-Remplern würden wegen der drohenden Rabatt-Hochstufung selbst von Vollkasko-Inhabern häufig selber übernommen.

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