Oldtimer als Investment-Alternative
Altes Blech ist rentabler als Edelmetall

Nach jahrelangem Boom flauen die Preissteigerungen bei hochwertigen Oldtimern zwar ab. Eine Blase lässt sich allerdings bislang noch nicht erkennen. Dennoch eignet sich ein Investment weiter nur für Kenner und Liebhaber.

DüsseldorfWenn Tagesgeld auf Tauchstation geht, einst glorreiche Banken kränkeln und Börsenkurse abschmieren, dann schauen sich Anleger nach alternativen Investments um. Sie bevorzugen Sachwerte. Auto-Enthusiasten bestaunen bei der Suche nach neuen Anlagen vor allem die Renditeentwicklung von Oldtimern. Was sie sehen, kann begeistern. Rallye-Fahrzeuge, die man einst als Poster im Kinderzimmer an die Wand pinnte, erreichten in den vergangenen Jahren Rekordergebnisse auf Auktionen.

Sportliche Alltagsfahrzeuge, mit deren Kauf man in den 80er-Jahren noch geliebäugelt hatte, kosten plötzlich eine Million Euro. Indizes und Rankings für die Preisentwicklung von Oldtimern, also Fahrzeugen mit einem Mindestalter von 30 Jahren, zeigen: Bei Sammlern besonders begehrte Fahrzeuge können langfristig Börsenindizes, aber auch anderen klassischen Anlageformen mit ihren durchschnittlichen Wertsteigerungen den Auspuff zeigen.

So verdeutlicht der von den Preisexperten von classic-analytics aus Bochum für den VDA errechnete „Deutsche Oldtimer Index“, dass der aus 88 Fahrzeugen aus sieben Nationen ermittelte Durchschnittswert sich in zwölf Jahren nahezu verdoppelt hat.

Besonders edles Blech, etwa ab 150.000 Euro aufwärts, steigt seit etwa 2002 steil im Wert, wie auch der Top Index der Historic Automobile Group International (HAGI) zeigt.

HAGI beobachtet und erfasst, ähnlich wie classic-analytics, internationale Auktionsergebnisse. Deren regelmäßige Auswertung zeigt, dass erstklassige Classic Cars in der Wertentwicklung den Börsenindex S&P 500 deutlich schlagen. Mit einer durchschnittlichen rechnerischen Rendite von rund 16 Prozent pro Jahr seit 1980 fährt man mit ausgewählten Prestige-Klassikern mittelfristig oftmals besser als mit Gold.

Eine Folge dieser Entwicklung: Der Markt für Oldtimer hat sich dramatisch verändert. Neben dem ursprünglich vorherrschenden Typus des leidenschaftlichen Hobbysammlers, Technikfreaks und den unvermeidlichen Schrauber-Königen haben sich längst professionelle Investoren und Kapitalanleger sowie deren Berater in Stellung gebracht. Sie setzten im Hochpreissegment eine Wachstumsspirale in Gang, deren Ende nicht absehbar ist.

Wer zwei Picasso im Wohnzimmer hat, möchte neben dem Bugatti künftig auch einen Ferrari mit Rennhistorie in der Garage haben, könnte man meinen. Die Zeiten, in denen Klassiker in Scheunen gefunden und zu Schnäppchenpreisen verhökert wurden, sind offenbar endgültig vorbei.

Für die zehn begehrtesten Oldtimer des Jahres 2015 gaben wohlhabende Sammler allein bei Auktionen insgesamt fast 237 Millionen Dollar aus – siehe Liste – , 2011 waren es noch 70 Millionen Dollar gewesen. Die Versteigerungen sind ein Magnet für Superreiche, Auktionen in Paris, Goodwood, und Pebble Beach sind Treffpunkte von Millionären und Milliardären. Nach der Einschätzung von Experten machen die hier erzielten Preise aber höchstens ein Drittel des gesamten Marktumsatzes aus.

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