Oldtimer-Experte
Hinter der Mille muss alles zurückstehen

Uhrenproduzent Karl-Friedrich Scheufele über den Reiz der Mille Miglia und die Entwicklung der Rallye seit 1977.
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DüsseldorfDer Oldtimer-Sammler, Karl-Friedrich Scheufele, 53, ist Chef des Schweizer Uhrenherstellers Chopard und als Hauptsponsor seit mittlerweile über 20 Jahren eng mit der Mille Miglia verbunden.

Herr Scheufele, Oldtimer-Rallyes gibt es wie Sand am Meer. Was macht den besonderen Reiz der Mille Miglia aus?
Scheufele: Italien, das Land, die Autobegeisterung der Menschen, die auch Politiker und Ordnungshüter einschließt und hinter der für drei Tage alles andere zurückstehen muss. Dies hautnah zu erleben hat für mich einen größeren Reiz als der Kampf in der Wertungsprüfung um die Zehntelsekunde.
Sie wollen gar nicht schnell fahren? Ihr diesjähriges Auto - ein Ferrari 750 Monza von 1955 - war mal ein Rennwagen.
Auf Sieg zu fahren wäre vermessen - auch mit einem solchen Auto. Die beste Platzierung, die ich je erreichte, lag im Umkreis von Position 120. Ich hatte mich damals intensiv auf die Veranstaltung vorbereitet und mit den Stoppuhren trainiert. Aber um weiter nach vorne zu kommen, muss man immer den gleichen Beifahrer haben und wochenlang trainieren. Zudem braucht man ein nicht ganz so temperamentvolles Auto wie meinen Ferrari: Der mag keine gemächlichen Touren durch die Landschaft.

Die Präzision mechanischer Stoppuhren reicht ambitionierten Teilnehmern nicht. Sie lassen sich von Computern leiten. Zu viel Ehrgeiz auf Kosten der Tradition?
Das ist der natürliche Lauf der Dinge. Die Veranstaltung ist im Lauf der Jahre gewachsen, die Ansprüche der Organisatoren und Teilnehmer wurden darüber immer größer. Die Teilnehmer nutzen heute alle technischen Möglichkeiten, die zugelassen sind, um gut abzuschneiden. Die mechanische Stoppuhr ist da nicht mehr konkurrenzfähig. Man kann damit die Wertungsprüfungen zwar auch meistern, aber die Fehlerquote ist größer. Aber glücklicherweise fahren die meisten Teilnehmer immer noch nur aus Spaß an der Sache mit. Für die ist der Weg das Ziel.

Ihr Ferrari 750 Monza hat einen geschätzten Marktwert von über einer Million Euro. Ist der für eine solche Rallye quer durch Italien nicht viel zu schade?
Ich bin kein Sammler, der seine Schätze nur in der Garage bewundert, sondern ich bewege meine Autos sehr gerne im Verkehr und auf Oldtimer-Rallyes. Dafür muss man gelegentlich auch mal ein Risiko eingehen. Gerade bei der Mille Miglia tut man aber gut daran, achtsam zu sein und sich nicht vom Rennfieber hinreißen zu lassen. Bei manchen Teilnehmern erwacht unterwegs der Rennfahrer-Instinkt, obwohl sie nicht unbedingt das Talent dafür haben und es bei der Veranstaltung heute nicht darum geht, möglichst früh am Ziel anzukommen.

Das Publikum am Straßenrand sorgt dafür, dass sich jeder Teilnehmer wie Tazio Nuvolari oder Stirling Moss vorkommt. War das von Anfang an so?
Durchaus. Vor 20 Jahren war das Teilnehmerfeld allerdings nur halb so groß und der Verkehr längst nicht so dicht wie heute. Streckenweise konnte man da wirklich schnell unterwegs sein. Damals war es eigentlich noch gefährlicher als heute.


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