Oldtimer-Preisentwicklung: Alte Porsche im Überangebot

Oldtimer-Preisentwicklung
Alte Porsche im Überangebot

Es ist für einen Oldtimer- und Sportwagen-Fan eher selten, dass er des Anblicks klassischer 911-Porsche überdrüssig wird. Auf der Techno Classica war es nun soweit. Was vor allem an Preisen und Blechzuständen lag.

Düsseldorf/EssenDie 911er-Inflation, was für eine unschöne Wortpaarung. Waren doch alte luftgekühlte Boxer-Klassiker aus Zuffenhausen in den vergangenen Jahren ein sichere Wertanlage, die ständig teurer wurde, wenn die Historie und die Substanz stimmte. Doch wer am vergangenen Wochenende über die Essener Techno Classica schlenderte, gewann zeitweise den Eindruck von den insgesamt 2500 Exponaten kämen gefühlte 80 Prozent von Porsche. Und die meisten leider eben nicht in sammelwürdigem Zustand.

Werden immer mehr 911er auf den Markt gespült, so wird jeder einzelne weniger wert. Das gilt insbesondere für die Standardmodelle 911, 964, 993 und 996. Und über die in Essen gezeigten Exemplare zeigte sich nicht nur ein englischer Händler regelrecht „entsetzt über die Qualität“. Mangelnde Wartungshinweise und eine nicht nachweisbare Historie waren ebenso an der Tagesordnung wie „Händlerduschen“ (Neulackierungen).

Dass die Preise nicht mehr in den Himmel wachsen, zeigte sich schon 2015. Ein Index der Historic Automobile Group (HAGI), der monatlich die Preise von 14 repräsentativ ausgewählten Porschemodellen misst, nahm seit Jahresanfang um etwa einen Prozent ab. Und auf den Auktionen seit Dezember blieben viele Autos unverkauft.

Bei der 911-Only-Auktion von Auctionata fand nur rund ein Viertel der angebotenen Wagen neue Käufer. So waren dem Eigentümer eines von rund 30 Porsche 911 ST aus den frühen Siebziger Jahren satte 900.000 Euro nicht genug. Dabei handelte es sich um einen kompletten Neuaufbau ohne durchgängige Historie. Wolfgang Juchem von Auctionata nannte denn auch im Fachmagazin „Automobilsport“ die überzogenen Erwartungen der Verkäufer als Hauptgrund dafür, dass viele Autos gar nicht erst versteigert werden.

Allerdings sind die Auktionshäuser selber wohl nicht ganz unschuldig an der Fahrzeugschwemme und den übertriebenen Preiserwartungen der Verkäufer. So hatte Oldtimer-Preisexperte Frank Wilke von classic analytics aus Bochum den Eindruck, die Versteigerer hätten sowohl bei der Fahrzeugauswahl als auch bei der Qualität die sonst üblichen Ansprüche ein wenig heruntergeschraubt.

Wie entscheidend vor diesem Hintergrund gerade die nachweisliche Historie eines Classic Cars unter dem Aspekt der Wertanlage ist, zeigte der Verkauf eines seltenen Porsche 911 2.7 RS Touring (ca. 1000. Exemplare). Ein solches Auto erreichte bei Bonhams als „Touring“ (der sich vom „Lightweight“ unter anderem durch das Vorhandensein eines Schminkspiegels unterscheidet) gerade mal 515.000 Dollar. Fand sich in der Beschreibung vielleicht zu oft die englische Formulierung: „Is believed to be owned by ...“.

Auf der Messe in Essen stand ein orangefarbenes Exemplar für mehr als 700.000 Euro. Auch hier sind Wagen in der Vergangenheit schon teurer gehandelt werden. Für Unsicherheit bei Sammlern sorgt, dass sich auch einige gut gemachte Nachbauten auf dem Markt befinden. Der Erlös eines entsprechend aufgerüsteten 2.4 S mit Motor, Leichtbauteilen und Heckbürzel lässt so also leicht um ein paar Hunderttausend Euro oder Dollar steigern.

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Wer einen haben wollte, hat mittlerweile einen

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