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Oldtimer-Preisentwicklung: Schöngeister fahren auf die Ente ab - und Spekulanten

Im Deutschen Oldtimer Index, kurz DOX, ist der Citroen 2 CV ein Star. Die rollende Verzichtserklärung erfreut Liebhaber mit dem höchsten Wertzuwachs 2011. Als seriöse Anlagealternative zur Aktie taugt sie aber kaum.

Wenn eine "Ente" 50.000 Euro bei einer Auktion erlöst, dann ist das die absolute Ausnahme. Als echte Wertanlage bzw. Alternative zur Aktie ist der Oldtimer nur in den seltensten Fällen geeignet. Foto/Quelle: Artcurial
Wenn eine "Ente" 50.000 Euro bei einer Auktion erlöst, dann ist das die absolute Ausnahme. Als echte Wertanlage bzw. Alternative zur Aktie ist der Oldtimer nur in den seltensten Fällen geeignet. Foto/Quelle: Artcurial

Berlin/DüsseldorfDie Zeiten, zu denen man mit dem Citroen 2 CV (mit "Atomkraft - Nein Danke" und "Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin"-Aufklebern) nach Wackersdorf fuhr, sind vorbei. Das zeigt sich nicht zuletzt am Lieblingsmobil der Alternativen. Der “Deutsche Oldtimer Index”, kurz DOX, der alljährlich vom Verband der Deutschen Automobilindustrie herausgegeben wird, weist ausgerechnet die "Ente" als das Auto mit dem höchsten Wertzuwachs in 2011 aus. Gefolgt vom Renault 4 und der letzten Ausgabe des Fiat 500 (F) aus den Sechziger und Siebziger Jahren.

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Autos zwischen Liebhaberei und Investment Vom hässlichen Entlein zum Anlageobjekt?

  • Autos zwischen Liebhaberei und Investment: Vom hässlichen Entlein zum Anlageobjekt?
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Auf den ersten Blick scheint das Modell also ein guter Tipp zu sein. Und in Paris wurde Anfang Februar sogar ein 1965er 2 CV für satte 56.000 Euro versteigert. Von der Revoluzzer-Schaukel zum Spekulationsabjekt? Zur Erinnerung: Während ihrer Bauzeit war die "Ente" für rund 9.000 DM (1990) ein sehr preiswertes Auto. Heute werden gut erhaltene und überarbeitete Modelle für mehr als 10.000 Euro gehandelt. Doch eine wirkliche Wertanlage sind die Spitzenreiter aus dem DOX bis auf eine Ausnahme nicht.

Denn bei der Pariser Auktion handelt es sich schon um ein "Artefakt". Das bald 50 Jahre alte Auto befand sich im Neuwagenzustand und dürfte direkt ins Museum rollen. Schon die Fahrt um den Block würde den bei der Auktion erzielten Wert ruinieren.

HAGI-Index - Classic Cars als Wertanlage

Die Gründe für den Wertzuwachs des DOX-Spitzenreiters sind offensichtlich. Das Schlüsselwort heißt neudeutsch “Survivor-rate”. Waren 1990 noch 300.000 2CV in Deutschland zugelassen, so sind es zum 1. Januar 2011 laut Kraftfahrtbundesamt knapp 12.000. Und das sind verkehrstechnisch sichere Exemplare, nicht solche, die bei der Vorfahrt zur HU um Plakette und Genehmigung zittern müssen.

Und diese zu erhalten werden die Franzosen mit dem eigenwilligen Kurvenverhalten auch häufig bei den Spezialisten von Classic Car Tax vorgestellt, denn ohne Gutachten kein H-Kennzeichen oder eine preiswerte “Oldtimer-Versicherung”.

Wenn Entenfahrer auf andere Entenfahrer und Enten auf Enten treffen, dann kann das nur beim Entenwirt in Törwang am Samerberg (Landkreis Rosenheim) stattfinden. Abends gibts Entenbrust und Ententanz. Quelle: dpa
Wenn Entenfahrer auf andere Entenfahrer und Enten auf Enten treffen, dann kann das nur beim Entenwirt in Törwang am Samerberg (Landkreis Rosenheim) stattfinden. Abends gibts Entenbrust und Ententanz. Quelle: dpa

Und da freut sich der Enten-Eigner genauso über einen hohen Wert wie beim gewünschten Verkauf, bei dem ein solches Gutachten den Ausschlag gibt. Die Expertisen der Sachverständigen stellen außerdem unter Beweis, dass es sich bei vielen alten Autos nicht um “Schrottkarren” handelt, sondern um Liebhaberobjekte, bei denen der potenzielle Wertzuwachs idealer weise einen Teil der Unterhalts- und Instandhaltungsaufwendungen kompensiert. Und das beruhigt.

Andererseits: Neun von zehn Fahrzeugen mit dem höchsten prozentualen Wertzuwachs im 2011er DOX haben einen zu niedrigen Wert, als dass sich eine angemessene Verzinsung nach Abzug aller Kosten realisieren ließe.

Auktions-Rekorde Die teuersten Oldtimer des Jahres

  • Auktions-Rekorde: Die teuersten Oldtimer des Jahres
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Der 2 CV etwa leidet regelmäßig unter massiven Rostproblemen, die die Montage ganzer Fahrgestelle aus rostfreiem Stahl nötig machen. Und die Kosten für so eine Revision dürften nicht nur den konstatierten Wertzuwachs überschreiten. 20.000 Euro für eine "Enten-Restaurierung" sind rund das doppelte von dem Wert, den die Oldtimer-Spezialisten in ihrem Gutachten einem makellosen Exemplar zubilligen.

Fachgerechte Totalrestaurationen sind selten unter 50.000 Euro zu haben, wenn man sich nicht aus Liebhaberei die Wochenenden in der klammen Garage beim Schrauben um die Ohren schlägt. Beauftragt man etwa die Oldtimer-Abteilung eines deutschen Autoherstellers mit der Revision, wird auch schon mal das dreifache fällig.

Und das schraubt den Wert, ab dem ein historisches Automobil sich als rentable Investition erweisen könnte, mindestens auf das Doppelte. Anders ausgedrückt: die Schwelle, ab der ein historisches Fahrzeug der Liebhaberei entwächst, liegt weit jenseits der 50.000 Euro. Und dann muss es bereits eine geringe Laufleistung haben, sich in makellosem Zustand präsentieren, weitgehend "original" sein und eine lückenlose Historie aufweisen.

Oldtimer und ihre Bewertung

  • Kein Oldie ohne Bewertung

    Bei der Oldtimerbewertung wird der Wert des Fahrzeugs ermittelt werden, der auch als Grundlage für die Versicherungseinstufung benötigt wird. Sie ist auch Voraussetzung, um ein gültiges Kennzeichen zu erhalten. Für den Kauf und Verkauf historischer Fahrzeuge bietet das Untersuchungsergebnis neben der aktuellen Ankaufsuntersuchung die gebräuchlichste und aussagekräftigste Grundlage.

    Während bei einer “normalen” Gebrauchtwagenbewertung in erster Linie Baujahr und Laufleistung von Bedeutung sind, ist bei Oldtimern das entscheidende Kriterium der Pflege- und Erhaltungszustand des Fahrzeugs. Die Fahrzeugbewertung erfolgt in Form von Noten von 1 bis 5, die zuletzt 2007 von Classic Data überarbeitet wurden.

  • Note 1

    Makelloser Zustand. Keinerlei Mängel an Technik, Optik und Historie. Ein (dokumentiert!) originales Fahrzeug der absoluten Spitzenklasse. Oder ein komplett und perfekt restauriertes Spitzenfahrzeug im Zustand wie neu (oder besser). Sehr selten!

    Die Anmerkung "oder besser" ist ein Hinweis auf die Möglichkeiten modernster Restaurierungsmethoden. Duch die heutigen technischen Möglichkeiten (Schweißarbeiten, computergestützte Messtechniken) sowie den veränderten Materialien (Lack, Oberflächenveredelung) und einen umfangreichen Korrosionsschutz kann ein komplett restauriertes Fahrzeug den Zustand der Erstauslieferung übertreffen. Für Originalitätsliebhaber ist dies aber nicht erstrebenswert.

  • Note 2

    Entweder seltener, unrestaurierter Original-Zustand oder fachgerecht restauriert. Technisch und optisch mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren. Keine fehlenden oder zusätzlich montierten Teile. Ausnahme: Wenn es die StVZO verlangt.

    Leider kommt es gerade bei der Note 2, immer wieder zu Missverständnissen, weil viele Anbieter - teils aus Berechnung und teils aus Unwissenheit - ihrem Wagen eine viel zu gute Note geben, die vermeintlich der Schulnote "gut" entsprechen soll. Klar ist unter Experten aber, dass der "Zustand 2" ein nahezu optimal erhaltenes Fahrzeug charakterisiert.

  • Note 3

    Gebrauchter Zustand. Normale Spuren der Jahre. Kleinere Mängel, aber voll fahrbereit und verkehrssicher. Keine Durchrostungen. Kein Reparaturstau und keine sofortigen Arbeiten notwendig. Nicht schön, aber gebrauchsfähig.

  • Note 4

    Verbrauchter Zustand, eventuell teilrestauriert. Nur bedingt fahrbereit. Sofortige Arbeiten notwendig zur erfolgreichen Abnahme gem. § 29 StVZO. Leichtere bis mittlere Durchrostungen. Fahrzeug komplett in den Baugruppen aber nicht zwingend unbeschädigt. Einige kleinere Teile können aber fehlen oder defekt sein. Aber: immer noch relativ leicht zu reparieren (bzw. restaurieren).

  • Note 5

    Nicht fahrbereit Schlecht restauriert bzw. teil- oder komplett zerlegt. Größere Investitionen nötig, da umfangreiche Arbeiten in allen Baugruppen erforderlich, aber grundsätzlich noch restaurierbar. Fehlende Teile, d.h. das Fahrzeug ist nicht zwingend komplett.

  • Ergänzungen

    Wie auch bei Schulnoten sind "+" und "-" gestattet und üblich. Alle Noten müssen durch Sachverständigen-Gutachten belegt sein, und diese sollten möglichst aktuell sein. Im Zweifelsfall lieber ein neues Gutachten beauftragen bei den bekannten Prüf-Organisationen wie TÜV, Dekra, oder Classic Data.

    Die Frage, ob ein Fahrzeug durch einen schweren Defekt (nicht fahrbereit) gleich um mehrere Noten fallen kann, ist umstritten. Im Zweifelsfall ist es besser, die notwendigen Reparaturkosten zu ermitteln, um sie dann vom Kaufpreis abzuziehen. Zugrunde gelegt wird dann der Marktwert ohne den wertmindernden Schaden.

  • Restauration

    Auf den Wert eines Fahrzeuges hat auch die Art der Restauration einen entscheidenden Einfluß. Je originalgetreuer, desto höher die Chance einer Wertsteigerung. Umfangreiche Recherchen stehen am Anfang, um eine
    fachgerechte Wiederherstellung zu garantieren. Eine saubere Dokumentation macht die Arbeiten transparent, die richtige Philosophie (ob in “Concours-Qualität, Wiederherstellung der technischen Funktion oder Modifikationen, um die Sicherheit etwa bei historischen Rennen zu verbessern) beeinflusst die Wertsteigerung.

  • Originalität

    Entscheidend für die Originalität ist das richtige Fahrgestell. Matching Numbers (gleiche Nummern bei Motor und Chassis) sind bei Rennfahrzeugen weniger wichtig für den Wert als bei Strassen- und Sportwagen, weil bei Rennen und Grand Prix Veranstaltungen der Verschleiß höher war und während einer Saison auch leistungsgesteigerte Aggregate eingesetzt wurden. Wichtig: Dokumentierte Historie und Wartungsunterlagen des Fahrzeugs müssen langjährig und glaubhaft belegt sein.

  • Prominenz

    Der Wert jedes Fahrzeuges wird durch seine Einzigartigkeit und Geschichte jedes einzelnen Automobils geprägt. Das gilt insbesondere für historische Rennwagen, bei denen Teilnahme, Erfolg an bedeutenden Rennen und bekannte Fahrer zählen, die sie bei solchen Veranstaltungen gesteuert haben. Entscheidend bei Vorbesitzern oder prominenten Fahrern für die Wertentwicklung ist die Beziehung zum Fahrzeug im Kontext mit der Geschichte von Markt, Marke und Fahrzeug.

  • 28.03.2012, 12:11 Uhrbsiegrist

    Bei aller Euphorie für dieses wunderbare Hobby. Einen Oldtimer zu besitzen, zu fahren und zu pflegen kostet Geld. Deshalb sollte jeder, der beim Autokauf an Rendite und Geldanlage denkt, die Kosten für Unterbringung, Wartung und Pflege des Fahrzeugs mit einkalkulieren. Dann wird sich so mancher Renditegedanke als tatsächliches Nullsummenspiel, vielleicht sogar als Verlustgeschäft entpuppen.
    Deshalb kann ich auch dem Käufer einer Ente nur raten, dass er ein solches Fahrzeug nur dann kaufen soll, wenn er als Liebhaber daran interessiert ist. Mit dem Ziel der Geldanalage wird beim Kauf einer Ente sicherlich niemand glücklich.
    Viele Grüße
    Benno Siegrist
    http://www.oldtimer-romantik.info

  • 12.03.2012, 12:10 Uhrcarlos

    Eine Ente kauft man sich nicht aus Anlage-Gesichtspunkten, eher aus Nostalgie und Begeisterung für purisitische Fortbewegungs-Mechanik und die andere Art von Fahrerlebnis. Erfreulich ist dabei, daß sich mittlerweile eine positive Wertentwicklung ergibt und sie wird ungebremst anhalten denn die Ente ist in ihrer Art schon immer einzigartig gewesen und differenziert sich dadurch entscheidend zu den massenhaft produzierten, letzlich profil- und seelenlosen Alleweltkarrossen die auf Nimmerwiedersehen beim Recycler landen. Eine gepflegte Ente bietet Fahrspaß und ist eine sichere Sachwert-Investition zum moderaten Einstiegspreis.

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