Oldtimer-Preisentwicklung
Sterne im Index

In diesem Jahr wird die "Pagode" 50 Jahre alt. Aber ist der beliebte Oldtimer-SL auch unter Profi-Maßstäben eine gute Wertanlage? Ein neuer Index zeigt: Andere Modelle schlagen das Modell als Investment um Längen.
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BerlinHistorische Mercedes sind eine solide Wertanlage. Das belegt der neue Mercedes-Benz-Classic Index (MBCI) der Historic Automobile Group International  (HAGI), die sich auf die Beobachtung und Auswertung der Preisentwicklung hochpreisiger Classic Cars spezialisiert hat. Wie auch die übrigen Indizes des Classic-Car-Experten und ehemaligen Investmentbankers Dietrich Hatlapa beruht der MBCI auf realen Kauf- und Verkauf-Transaktionen und wird nach strengen Regeln ermittelt, wie man sie von Dax, Dow Jones oder S&P kennt. 

So verzeichneten seit 1980 insgesamt 23 repräsentativ ausgewählte Fahrzeuge der Stuttgarter Marke mit dem Stern einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 8,5 Prozent. Im Jahr 2012 konnte der MBCI um 11,65 Prozent zulegen. Im Januar 2013 allein wurde bereits ein Zuwachs von 3,45 Prozent verzeichnet.

Satte vier Milliarden Euro macht die Marktkapitalisierung der wenigen ausgewählten Klassiker aus. Natürlich ist der Gesamtmarkt historischer Mercedes noch deutlich größer. Der MBCI, bei dessen Erstellung Mercedes Benz aktiv mit im Boot ist, berücksichtigt aber alle Epochen der Markengeschichte: Die Vorkriegsphase ist mit den Modellen S,SS, SSK sowie den Kompressor-Fahrzeugen 500k und 540k  vertreten. Für die direkte Nachkriegszeit stehen die verschiedenen 300er vom bekannten Adenauer über die Cabrios und Coupés.

Auch die legendären 300 SL Flügeltürer und Coupé sind wesentlicher Bestandteil des MBCI. Ein Schwergewicht bilden die beiden bereits erwähnten SL-Modelle (190 und Pagode). Für die späten Sechziger stehen stellvertretend die “Flachkühler”-Coupés und Cabrios 280 SE 3.5 mit Achtzylinder-Motor und der bis 1980 gebaute Mercedes 600.
Die stabile Preisentwicklung macht viele Mercedes-Klassiker zunehmend zum echten Investment, das sich von der Oldtimer-Liebhaberei ua.a. durch wesentlich strengere Renditemaßstäbe unterscheidet.

Die Modelle 190 SL und Pagoden notieren laut HAGI-Beobachtung derzeit um die 100.000 Euro und erreichen damit den Gegenwert einer umfangreichen Restauration. 230, 250 oder 280 SL, die für deutlich unter 75.000 Euro angeboten werden, sind meist in keinem guten Zustand und können hohe Instandsetzungskosten verursachen.

Interessant ist der Mercedes 600. Sehr gute Exemplare wechseln für bis zu 300.000 Euro den Besitzer. Insbesondere die späten Baujahre aus den Siebzigern sind begehrt, nachdem Mercedes-Benz im Zuge der Modellpflege die technische Komplexität des Luxus-Liners reduziert hatte.

Einen 600 fuhr man damals kaum selbst. Die “automatische Zuzieh-Hilfe” wurde ab 1967 wieder durch den Chauffeur ersetzt, der freundlich den Wagenschlag mit einem "Plop" schloss. Ein der Regierung von Mercedes-Benz zur Verfügung gestelltes Exemplar wurde in Deutschland bis in die 90ziger Jahre für Staatsbesuche genutzt.

Besonders selten sind die 300 S Cabrios, die auf dem Rahmen der gleichnamigen Limousine aufbauten. Vom 300 S Roadster wurden nur 59 Stück gebaut  Selbst eine viertürige Version des 300  war mit Klappverdeck zu haben. Das war bei den Nachfolgemodellen unmöglich, weil die selbsttragende Karosserie durch die Hecktüren zu unstabil geworden wäre. Heute werden sehr gut erhaltene Exemplare der verschiedenen Versionen für sechsstellige Beträge gehandelt. Die Vorkriegsmodelle, die im MBCI geführt werden, erzielen dagegen Millionen. Sie gehören zu den teuersten Autos überhaupt.

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