Oldtimer-Scheunenfund: Ein echter Schatz, auch fürs Auktionshaus

Oldtimer-Scheunenfund
Ein echter Schatz, auch fürs Auktionshaus

Das Auftauchen der „Sammlung Baillon“ hat Auto-Romantiker in aller Welt verzückt. Die Entdeckung solch eines Schatzes ist ein seltener Glücksgriff – auch für ein Auktionshaus.
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ParisDavon träumt jeder Autonarr: klassische Automobile zu finden, die seit Jahrzehnten in einem vergessenen Schuppen vor sich hinschlummern. Für Matthieu Lamoure ist der Traum im vergangenen Jahr in Erfüllung gegangen.

Dem Leiter der Autoabteilung des Auktionshauses Artcurial ist 2014 gelungen, was die Experten einen „Barn Find“ nennen, einen Scheunenfund. „90 Veteranen, von deren Existenz niemand etwas wusste, die völlig in Vergessenheit geraten waren“, freut er sich. Seitdem sind die Fotos vom wundersamen Auftauchen der „Sammlung Baillon“ um die Welt gegangen, als ein modernes Dornröschen-Märchen.

Die PR-Aktion von Artcurial ist fast genauso bewundernswert wie die Autos selbst. 59 von ihnen werden am Freitag dieser Woche in Paris auf der Messe „Retromobile“ versteigert. Schon jetzt kann man sie besichtigen.

Am Dienstagabend liefen wir durch die nur spärlich beleuchtete Halle, in der die Autos immer noch ungestört zu ruhen scheinen. Sie sind genauso staubig, voller Spinnweben und zum Teil mit Ranken überwuchert, wie sie in den improvisierten Unterständen gefunden wurden.

Zwischen diesen Originalen herumzustreichen, die manchmal so verwittert sind, dass sie nur noch wie Schemen eines Autos wirken, hat viel von einem Kindheitstraum. Bald wird er vorbeisein, denn am Wochenende wird die Sammlung unwiderruflich in alle Winde zerstreut.

Die Wirklichkeit ist prosaischer als die Geschichte, die Artcurial erzählt. Experten wussten, dass von der Autosammlung des Unternehmers Roger Baillons noch ein guter Teil übrig war.

Er und sein Sohn Jacques hatten nach dem Krieg begonnen Oldtimer, aber auch damals moderne Autos mit dem Ziel zu kaufen, sie später zu restaurieren und eine Sammlung anzulegen.

Auf dem Gelände ihres Landsitzes in der Nähe von Niort in Westfrankreich horteten sie die Stücke – viele von ihnen schon damals nur noch Wracks, die in die Schrottpresse wandern sollten, von Roger und Jacques aber gerettet wurden.

Roger war ein Selfmademan, der mit einem Transportunternehmen zu Geld gekommen war. Die Ölkrise und der Verlust mehrerer großer Kunden trieben seinen Betrieb in den frühen 1970er-Jahren in den Ruin. Der größte Teil der Sammlung wurde der Konkursmasse zugeschlagen und kam bei zwei Versteigerungen Ende der 70er, Anfang der 80er-Jahre unter den Hammer.

Für die Familie war das ein Trauma. Jacques Kinder Ludovic und Anaïs durften angeblich niemandem vom Restbestand erzählen, um diesen zu schützen. 2003 starb Jacques und seine Kinder kamen in den Besitz der Sammlung. Die Erbschaftsteuer, die sie entrichten müssen, steht offenbar als Anlass hinter dem jetzigen Verkauf der Sammlung.

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Ein Traum für Restauratoren

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Angst vor der Auktionsblase

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  • Mögen sie in Frieden ruhen,nach der grossen Reinigung!

    Die Gottspieler u Geldvermehrer ,die bereit sind für
    "Traubensaft u Rostlauben" soviel Geld auf den Tisch des Hauses zu legen
    dass davon ein ganzer afrikanischer Staat problemlos
    mit dem notwendigsten (über Jahre )versorgt werden könnte....

    Danke Herr Steingart ,für diesen Artikel.
    Er zeigt mir die gigantische Perversionsblase in der wir leben....

    Aber auch diese Blase wird irgendwann platzen, u dann wünsch ich
    Guten Appetit,beim California Spider!

    Könnte vielleicht einen leicht metallischen ,Nachgeschmack im
    Abgang haben , mit einer dezenten Bleinote.

    Mit Moral muss mir niemand mehr kommen
    (...)

    Denken sie mal drüber nach!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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